Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Mehr erfahren
In Ihrem Webbrowser ist JavaScript deaktiviert. Um alle Funktionen dieser Website nutzen zu können, muss JavaScript aktiviert sein.
Suche
 

Ölpreise holen Verluste schnell wieder auf

22.03.2016  |  Eugen Weinberg
Energie

Nicht einmal einen Tag Pause wollten sich die Ölpreise gestern gönnen und haben ihre anfänglichen Verluste im Handelsverlauf wieder mehr als wettgemacht. Mit dem gestrigen Wechsel auf den Mai-Kontrakt bei WTI handeln die beiden Ölsorten Brent und WTI mittlerweile gleichauf bei fast 42 USD je Barrel. Noch im Februar notierten die jeweiligen Mai-Kontrakte bei knapp 30 USD je Barrel.

Wir führen den Anstieg hauptsächlich auf einen stärkeren Optimismus der Anleger zurück, die in der Vorwoche ihre Netto-Long-Positionen bei Brent an der ICE auf einen Rekordwert von über 330 Tsd. Kontrakte ausgeweitet hatten. Es fällt auf, dass dafür vor allem eine massive Reduktion der Leerverkäufe beigetragen hat, deren Anzahl seit Jahresbeginn um 60% gefallen ist. Damit ist klar, dass der jüngste Preisanstieg auf einen sog. short squeeze zurückzuführen war.

Viele Marktbeobachter führen den Preisanstieg auf die Hoffnung einer Produktionskürzung bzw. -deckelung seitens der OPEC zurück. Aus unserer Sicht sind die Erwartungen im Vorfeld des Treffens in Doha im April hoffnungslos überzogen.

Wir werden in den nächsten Tagen noch ausführlich berichten, warum wir dabei mit keinen wichtigen Entscheidungen rechnen. Die Positionen innerhalb sowie außerhalb der OPEC scheinen aus unserer Sicht relativ klar. Was uns bei dem Treffen interessiert, ist die Haltung des Iraks, der zwar ähnlich wie der Iran über nennenswerte Produktionskapazitäten verfügt und die Produktion gerne ausweiten würde, jedoch eine Teilnahme an der "Einfrierung der Produktionsmenge" zumindest signalisiert hat.


Edelmetalle

Gold hielt sich gestern im Umfeld eines höheren Risikoappetits der Marktteilnehmer stabil und steigt heute Morgen wieder auf rund 1.260 USD je Feinunze. Unterstützung erhält der Goldpreis von anhaltenden ETF-Zuflüssen. Gestern waren es laut Bloomberg wieder 2,8 Tonnen, die zugleich den fünften Tageszufluss in Folge darstellten. Der Goldpreis zeigte sich auch unbeeindruckt von Aussagen des Atlanta-Fed-Präsidenten Lockhart, wonach eine weitere Zinsanhebung der US-Notenbank bereits im April möglich sei.

Die Fed Fund Futures implizieren hierfür nur eine Wahrscheinlichkeit von 10%. Die indischen Schmuckhersteller haben unterdessen ihren Streik gegen die von der Regierung eingeführte Umsatzsteuer auf Schmuck nach 19 Tagen beendet. Die Steuer bleibt laut Angaben des Verbands der Gold- und Schmuckhändler zwar bestehen, diese soll aber von der Steuerbehörde in den nächsten 60 Tagen nicht eingetrieben werden. Bis dahin soll eine einvernehmliche Lösung gefunden werden. Die Wiedereröffnung der Geschäfte könnte zumindest vorübergehend zu einer höheren Goldnachfrage in Indien führen.

Die Schweiz hat Daten der Zollbehörde zufolge im Februar lediglich 93,1 Tonnen Gold exportiert, so wenig wie seit August 2014 nicht mehr. Die Ausfuhren nach China, Hongkong und Indien sind dabei im Vergleich zum Vormonat um über 40% gesunken und lagen damit fast 30% unter dem Vorjahresniveau. Dies deutet auf eine verhaltene Goldnachfrage in Asien hin.


Industriemetalle

Ein höherer Risikoappetit der Marktteilnehmer, der sich auch in zeitweise deutlich steigenden Aktienmärkten widerspiegelte, verhalf den Industriemetallen gestern nach anfänglicher Schwäche zu merklichen Preiszuwächsen. Zink stieg auf ein 5½-Monatshoch von knapp 1.880 USD je Tonne und Kupfer verteuerte sich vorübergehend auf annähernd 5.100 USD je Tonne.

Gemäß vorläufigen Daten der International Copper Study Group (ICSG) wies der globale Kupfermarkt im letzten Jahr ein Angebotsdefizit von 53 Tsd. Tonnen auf. Dies war das sechste Jahr in Folge, in dem das Angebot nicht die Nachfrage decken konnte. Allein im Dezember blieb demnach das Angebot saisonbereinigt um 163 Tsd. Tonnen hinter der Nachfrage zurück. Im gesamten Jahr 2014 hatte allerdings noch ein Defizit von 416 Tsd. Tonnen bestanden, welches durch ein höheres Angebot und eine verhaltene Nachfrage 2015 deutlich abgebaut wurde.

Schätzungen der ICSG zufolge wurde im letzten Jahr die weltweite Produktion von Kupferraffinade ausgehend von China im Vergleich zum Vorjahr um rund 1,6% ausgeweitet. Die Nachfrage zeigte sich dagegen auf globaler Ebene nahezu unverändert. Hier glich ein höherer Verbrauch Chinas die Schwäche in anderen Regionen/Ländern aus.

Die Kupferminenproduktion legte im Jahresvergleich um 3,5% zu, wobei die in der zweiten Jahreshälfte angekündigten Produktionskürzungen durch Steigerungen andernorts mehr als ausgeglichen wurden. 2016 soll es laut Einschätzung der ICSG ein weiteres Jahr mit Angebotsdefizit geben (siehe TagesInfo Rohstoffe vom 14. März).

Open in new window


Agrarrohstoffe

Noch ist nicht klar, welche Schäden der unerwartete Kälteeinbruch am Wochenende in wichtigen Weizenanbaugebieten der USA verursacht hat. Dies wird erst in einigen Tagen sichtbar werden. Insofern sorgt die gestern durch das USDA gemeldete Anhebung des Anteils der mit gut oder sehr gut bewerteten Pflanzen in Kansas und Texas um jeweils einen Prozentpunkt nur eingeschränkt für Beruhigung.

In Oklahoma, wo sich die Trockenheit verschlimmert, hat sich der Pflanzenzustand zuletzt verschlechtert. Mit 63% ist die Bewertung in Oklahoma aber noch immer deutlich besser als im Vorjahr mit 40%. Auch in Kansas, dem mit Abstand größten Weizenproduzenten der USA, liegt der Anteil mit 57% um 16 Punkte über Vorjahr, in Texas mit 47% allerdings 7 Punkte darunter.

Für die EU meldete die Prognoseeinheit der EU-Kommission MARS gestern nach dem milden Winter einen insgesamt guten Zustand der Winterweizenpflanzen. Auch wenn die Produktivität in der EU bei Rückkehr zum Trendwert um 5% unter dem extrem guten Vorjahr bleiben dürfte, spricht derzeit alles für eine weitere hohe EU-Weizenernte.

Ein Kälteeinbruch könnte in Rumänien, aber auch in der Ukraine den Pflanzen noch gefährlich werden. Unter Berücksichtigung der deutlich niedrigeren Anbaufläche rechnet das Beratungsunternehmen Agritel bereits jetzt mit einem Rückgang der ukrainischen Weizenproduktion um 30%.



Bewerten 
A A A
PDF Versenden Drucken

Für den Inhalt des Beitrages ist allein der Autor verantwortlich bzw. die aufgeführte Quelle. Bei Übersetzungen können Fehler nicht ausgeschlossen werden. Der vertretene Standpunkt spiegelt nicht die Meinung des Website-Betreibers und stellt keinerlei Aufforderung zum Kauf-/Verkauf von Wertpapieren dar. Beachten sie bitte auch unseren Disclaimer!




"Wir weisen Sie ausdrücklich auf unser virtuelles Hausrecht hin!"
In Ausübung dieses Rechtes wird allen Behörden, insbesondere Ämtern, juristischen Personen öffentlichen Rechts,
in dieser Weise beliehenen Personen und Anstalten öffentlichen Rechts der Zutritt zu unseren Netzseiten verboten!"

Alle Angaben ohne Gewähr! Copyright © by GoldSeiten.de 1999-2016.
Die Reproduktion, Modifikation oder Verwendung der Inhalte ganz oder teilweise ohne schriftliche Genehmigung ist untersagt!