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Willkommen in der Bananenrepublik Amerika

18.08.2016  |  Captain Hook
Vielleicht wissen Sie es nicht oder vielleicht bevorzugen Sie es, die Realität zu ignorieren, aber Amerika verändert sich äußerst schnell - es verwandelt sich vor unseren Augen in eine Bananenrepublik. Das glauben Sie nicht?

Dann sehen wir uns doch einmal die Definition an und überprüfen, ob sie zutrifft. Nach Angaben der englischsprachigen Wikipedia hat eine Bananenrepublik "typischerweise verschiedene soziale Schichten, einschließlich einer großen, verarmten Arbeiterklasse und einer herrschenden, sehr wohlhabenden Oberschicht, die Eliten aus Wirtschaft, Politik und Militär umfasst (Plutokratie). Diese politisch-ökonomische Oligarchie kontrolliert die Produktion des Primärsektors, um die Wirtschaft des Landes auszunutzen." Den meisten US-Amerikanern ist bewusst, dass in dieser Hinsicht etwas falsch läuft, daher geben immer mehr von ihnen an, dass das Land auf dem falschen Weg ist. Die Geschwindigkeit der radikalen Veränderungen nimmt unterdessen zu.

Haben die USA verschiedene gesellschaftliche Klassen? Sowohl in geographischer Hinsicht als auch mit Blick auf den Wohlstand (Nettovermögen und Einkommen) ist die Antwort auf diese Frage selbstverständlich "ja". Zudem vergrößern sich die Unterschiede zwischen den Schichten in zunehmendem Tempo. Als Angehöriger der Arbeiterklasse, des Proletariats, ist es unmöglich Geld bzw. Kapital zu leihen oder zu erschaffen und dabei von gleichen günstigen Konditionen zu profitieren wie die "parasitären" Klassen (Unternehmen, Banker etc.)

Ohne den Zugang zu "kostenlosem" Kapital wird aus der Arbeiterklasse schnell eine Klasse der Arbeitssklaven. Die politisch-ökonomische Oligarchie kontrolliert also die Produktion des "kostenlosen" Geldes, welches das hauptsächliche Produktions- und Exportgut der Vereinigten Staaten darstellt, und nutzt die Wirtschaft so auf monopolistische Weise aus. Dies geht zu Lasten der Arbeiterklasse.

Per Definition werden die USA derzeit also in eine echte Bananenrepublik verwandelt, und zwar in rasantem Tempo. Das geschieht trotz des wachsenden Widerstandes der entrechteten Klassen, denen es bislang allerdings noch nicht gelungen ist, die Eliten auszubremsen. Das wird sich jedoch ebenfalls rasend schnell ändern, sobald die ersten Anzeichen ersichtlich sind - so wird es zumindest auf diejenigen wirken, die die aktuellen Geschehnisse im Moment lieber ignorieren, obwohl alle Warnzeichen bereits aufleuchten.

Sehen Sie sich an, was sich zur Zeit in Venezuela ereignet und stellen Sie sich darauf ein, dass auch in Ihrer Nachbarschaft bald eine Neuinterpretation von Orwells "Farm der Tiere" aufgeführt wird. Die Bevölkerung der westlichen Welt ist unschlagbar, wenn es darum geht sich abzulenken und die Wirklichkeit zu ignorieren, vor allem auch dank all der Technologie, die uns zur Verfügung steht und die solche Narrheiten erleichtert. Eines Tages wird die Realität allerdings trotz allem ihre hässliche Fratze zeigen und dann muss der Preis für diese Arroganz bezahlt werden.

Michael Hudson liegt nicht ganz falsch, wenn er den Klassenkampf in den USA auf den Ausgang der bevorstehenden Präsidentschaftswahlen reduziert, doch diese Perspektive ist zu stark vereinfachend. Seiner Ansicht nach stehen sich neokonservative Neoliberale und Donald Trumps selbstgerechter Populismus gegenüber. Allerdings ist Trump keineswegs so naiv, wie Hudson es darstellt. Es gibt einen großen Unterschied zwischen dem Gerede über die Auflösung der NATO aufgrund des politischen Schockwertes und der tatsächlichen Umsetzung dieser Worte, welche einer Einladung zur eigenen Ermordung gleichkäme.

Wenn wir eines von Obama gelernt haben, dann dass das Einhalten von Wahlversprechen nach der Wahl optional ist. Erwarten Sie also nicht, dass Donald Trump ganz allein den Dritten Weltkrieg anzettelt, auch wenn die Demokratische Partei (heute im Wesentlichen das Sprachrohr kriegstreiberischer Neokonservativer) Sie das glauben machen möchte. (Der Dritte Weltkrieg ist schon allein deswegen wahrscheinlich, weil die zunehmende Konkurrenz und der Kampf ums Überleben angesichts der kommenden Ereignisse wieder stärker in der Fokus rücken - das Gesetz des Dschungels, wenn Sie so wollen, gewinnt für das Volk wieder an Bedeutung.)

Aus dem gleichen Grund sollten Sie nicht davon ausgehen, dass Trump sich auch nur im Geringsten für die Armen interessiert. Ich hoffe, dass ich falsch liege und er einen Teil seiner Versprechungen in die Tat umsetzt, aber es ist schon erstaunlich, wie schnell die Realität die Kandidaten einholt, sobald sie einmal ins Weiße Hause gewählt wurden. Wenn Trump tatsächlich den Polizeistaat ausbauen, das Militär stärken und all seine anderen Versprechen halten will, wo soll dann das Geld dafür herkommen?

Natürlich aus den Druckerpressen und im Finanzministerium macht sich deswegen langsam eine gewisse Unruhe breit. Das Finanzierungsproblem könnte Trump zum Verhängnis werden, denn falls der Anleihemarkt einbricht wird er keines seiner Wahlversprechen halten können. Willkommen im Dschungel, Donald.

Alle anderen möchte ich in der Bananenrepublik Amerika willkommen heißen. Machen Sie sich nichts vor - egal, wer die Präsidentschaftswahl im November gewinnt, für die Wirtschaft wird es keinen Unterschied machen. Irgendein Auslöser wird die Spekulationsblasen an den Schulden- und Aktienmärkten in nicht allzu ferner Zukunft so oder so zum Platzen bringen, selbst falls das noch ein paar Jahre dauern sollte. Auch wenn sich die Staatsorgane größte Mühe geben den Eindruck zu erwecken, dass alles in bester Ordnung sei, um ihrem Mädchen den Weg ins Weiße Hause zu ebnen, lässt sich nicht leugnen, dass die Einzelhandelsumsätze wie bereits im Jahr 2008 einbrechen - und zwar nicht nur in den USA, sondern in der gesamten westlichen Welt (verständlich, angesichts des Brexits).

So ist es nun einmal, wenn man den arbeitenden Bevölkerungsschichten den Boden unter den Füßen wegzieht. Es ist schwierig die Illusion aufrechtzuerhalten, wenn ein großer Teil der Erwerbstätigen nur Mindestlohn erhält. Seit 2009 wurden die Einkommensunterschiede mit Hilfe von Krediten ausgeglichen, doch auch dieses Spiel nähert sich nun seinem Ende, denn die Konsumenten haben den Spielraum ihrer Kreditkarten bereits voll ausgeschöpft.

Aus diesem Grund werden natürlich auch die Rufe nach dem Helikoptergeld immer lauter, denn die parasitären Klassen sind sich der Situation sehr wohl bewusst und wissen, dass sie bald etwas unternehmen müssen, wenn sie nicht die Implosion des Systems riskieren wollen. Die finanzialisierte Wirtschaft ist wie ein Drogenabhängiger. Sie braucht immer größere Mengen billigen Geldes oder ihre Abhängigkeit wird aufgedeckt.

Für diejenigen, die den Wahnsinn der heutigen Wirtschaftspolitik mitverfolgen, ist das natürlich nichts Neues. Eine neue Erfahrung wird allerdings die Preisinflation sein, die letztlich aus der stetigen Erhöhung der Geldmenge resultieren wird. Für viele wird es eine große Überraschung sein, wenn sich die Geldmengenmultiplikatoren erhöhen und die verwirrte Bevölkerung endlich etwas von dem Geld ausgeben kann, von dem sie bislang nur gehört hat.


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