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Schuldenmonetisierung soll Euro-Crash abwenden

22.08.2016  |  Prof. Dr. Thorsten Polleit
Mit dem Ausbruch der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise ab Ende 2007 begannen die Aktien der Euro-Banken einzuknicken - und der Goldpreis (in Euro gerechnet) begann seinen Höhenflug. Das Vertrauen in die Euro-Banken schwand. Die Finanzierungskosten der Geldhäuser verteuerten sich. Verluste auf Kredit- und Derivativgeschäfte drohten, das ohnehin schon knappe Eigenkapital der Geldhäuser aufzuzehren.

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Quelle: Bloomberg


Eine Besserung ist nicht in Sicht. Die mittlerweile stark ausgeweitete Regulierung schnürt die Ertragsmöglichkeiten der Banken ab. Erschwerend kommt die Null- und Negativzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) hinzu.

Zeichnet sich eine neuerliche Bankenkrise ab? Eine Krise, die vielleicht noch größere Ausmaße annehmen kann als die, die in den letzten Jahren durchlaufen wurde? Um diese Fragen zu beantworten, ist es wichtig, sich über die Rolle und vor allem auch die Macht der Zentralbanken bewusst zu sein. Denn sie haben noch "Asse im Ärmel", und das sollten Sparer und Investoren nicht übersehen.


"Weiter so"

Die großen Zentralbanken rund um die Welt handeln nach dem Motto: "Weiter so". Sie wollen die Finanzmärkte vor dem Zusammenbruch bewahren und die Wirtschaft in Gang halten. Was immer dazu erforderlich ist, wird getan.

Die Zentralbankräte wissen dabei ganz genau, wo sie ansetzen müssen: In den Kreditmärkten. Sie müssen dafür sorgen, dass die Kreditausfallsorgen aus den Finanzmärkten vertrieben werden. Denn das Wohl und Wehe der internationalen Geld- und Kreditarchitektur hängt am reibungslosen Kreditfluss. Um systemgefährdende Kreditausfälle abzuwehren, haben die Geldbehörden die Zin-sen auf Rekordtiefstände gedrückt.

Sie haben zudem die elektronische Notenpresse angeworfen, um strauchelnde Staaten und Banken zahlungsfähig zu halten. Die Zentralbanken stellen Staaten und Banken die benötigten Zahlungsmittel zur Verfügung. Die Zentralbanken leihen sich auch untereinander ihre heimische Währung - dies sind die sogenannten "Liquidität-Swap-Abkommen". Unter diesen Bedingungen wird es so etwas wie 2008/2009 - eine politisch ungewollte "Mega-Pleite", ein "Credit Event" eines systemrelevanten Spielers im Weltfinanzsystem - nicht mehr geben.

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Quelle: Bloomberg


Als Monopolisten der Geldproduktion haben die Zentralbanken die Macht, die Kredit- und Geldmengen immer weiter auszuweiten: Sie können unbegrenzt neue Kredite vergeben und neues Geld in Umlauf bringen. Sie können ebenfalls Anleihen am Markt aufkaufen - ob nun Staats-, Banken- oder Unternehmensanleihen - und die Käufe mit neu geschaffenem Geld bezahlen. Der dadurch geschaffene Liquiditätszufluss hat Folgen, insbesondere auch für die Aktienkurse. In der kurzen Frist mag der Verbund zwischen Geldmengenausweitung und Aktienkurssteigerungen zwar recht "lose" erscheinen.

In der langen Frist offenbart sich jedoch ein positiver Zusammenhang: Das Ausweiten der Kredit- und der dadurch geschaffenen Geldmenge befördert alle Preise, einschließlich der Aktienkurse, in die Höhe. Wie lange kann das unablässige Kredit- und Geldmengenvermehren noch weitergehen? Es hängt von den Geldnachfragern ab. Bislang hält die Nachfrage nach neu geschaffenem Geld Schritt mit seinem Angebot. Vor allem gibt es nach wie vor keine Anzeichen für steigende Inflationserwartungen - obwohl die Politiken der Zentralbanken weltweit extrem expansiv sind.

Das Vertrauen der Menschen scheint also nach wie vor sehr groß zu sein, dass die Zentralbanken "das Richtige" tun und keine Inflationspolitik betreiben werden, um die hohen Schuldenlasten zu entwerten. Sollten jedoch einmal die Inflationssorgen aus ihrem Schlummer erwachen, ändert sich das Bild. Dann wird es brenzlig. Wenn nämlich erwartet wird, dass das Geld seine Kaufkraft einbüßt, knickt die Geldnachfrage ein. Die Menschen beginnen, ihr Geld verstärkt gegen andere Güter einzutauschen. Die Folge sind steigende Güterpreise. Bei einer breit angelegten "Flucht aus dem Geld" könnte das weltweite ungedeckte Papiergeldsystem sogar ein jähes Ende finden.


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