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Dramatische Knappheit - wie der Welt das billige Öl ausgeht!

11.10.2016  |  Uli Pfauntsch
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Brent-Öl 12 Monate

Das außerordentliche Opec-Meeting Ende September in Algier, markierte eine historische Entscheidung: Erstmals seit acht Jahren, stimmten die Mitglieder des Kartells einer Kürzung des Ausstoßes zu. Demnach soll die Produktion auf eine Spanne zwischen 35,5 bis 33 Millionen Barrel pro Tag begrenzt werden. Das untere Ende des Produktionsziels entspricht einem Rückgang um knapp 750.000 Barrel pro Tag gegenüber dem Volumen, das die Opec im August aus dem Boden pumpte.

Genauere Details, etwa die Quoten für die einzelnen Produzenten, müssen noch ausgearbeitet werden. Eine formelle Vereinbarung sollte bis 30. November 2016 unter Dach und Fach sein, dem Datum des nächsten regulären Opec-Meetings in Wien.


First Energy: "Locker 10 Dollar bis 15 Dollar pro Barrel"

Die Analysten von First Energy gehen davon aus, dass die Märkte bezüglich des Deals vorerst eher skeptisch bleiben und die Ölpreise zum Großteil in der Spanne bleiben werden, in der sie sich in den letzten beiden Quartalen befanden. Sollte es tatsächlich zu einer Begrenzung des Opec-Ausstoßes auf 32,5 Millionen bbl/d kommen, würde dies in einem empfindlich unterversorgten Markt in der ersten Jahreshälfte 2017 und erheblichen Rückgängen der globalen Lagerbestände resultieren. Solch eine Situation könnte nach Ansicht von First Energy leicht für eine Ölpreis-Rallye um 10 Dollar bis 15 Dollar pro Barrel gegenüber den aktuellen Kursen sorgen.


Unterversorgung ab der ersten Jahreshälfte 2017

Bis zum offiziellen Opec-Meeting am 30. November in Wien, liegt noch viel Arbeit für das Kartell an. Was wir noch nicht wissen: Wie fallen die Quoten für jedes einzelne Mitglied aus? Werden einige Länder von den Obergrenzen befreit? Iran, Irak, Nigeria, Libyen? Wird die Umsetzung des Deals von Zugeständnissen anderer Produzenten außerhalb der Opec abhängen, insbesondere Russland?

Unklar ist zudem, wann genau das Produktionslimit in Kraft treten soll. Der 1. Januar 2017 scheint als logischer Starttermin für den Deal, muss aber erst noch entschieden werden.

Unter der Annahme, dass der Opec-Deal umgesetzt wird, erwartet First Energy eine drastischere Unterversorgung des Ölmarkts, mit einem Rückgang der globalen Lagerbestände um mehr als 1 Million Barrel pro Tag in der ersten Jahreshälfte 2017. Unter diesem Szenario sieht das Analystenhaus Ölpreise von 55 Dollar bis 60 Dollar pro Barrel.

Inzwischen zeichnet sich ab, dass sich auch andere Ölproduzenten außerhalb der Opec an einer Begrenzung der Produktion beteiligen könnten. Im Raum steht eine Kürzung um weitere 500.000 bbl/d, was unter dem Strich einer Reduktion um bis zu 1,2 Millionen bbl/d entsprechen würde.


Warum der Deal eine historische Wende bedeutet

Die globale Ölnachfrage wird laut IEA dieses Jahr um 1,3 Millionen Barrel pro Tag steigen. Gleichzeitig ist die US-Ölproduktion bereits um mehr als 1 Million Barrel pro Tag gesunken. Mit der geplanten Produktionskürzung der Opec um circa 750.000 bopd, wird sich der globale Ölmarkt wesentlich schneller bereinigen als erwartet. Aufgrund der Tatsache, dass die Mehrheit der Spekulanten für dieses Szenario falsch positioniert ist, sind weitere Eindeckungen zu erwarten, die in kurzfristig steigenden Ölpreisen resultieren. Einerseits wird es für diese Marktteilnehmer immer brenzliger, signifikante Short-Positionen im Vorfeld des Opec-Meetings im November durchzuhalte, andererseits dürfte es den meisten Spekulanten widerstreben, weitere Wetten auf fallende Preise einzugehen.

Auch wenn im Hinblick auf die Umsetzung der Quoten durch die einzelnen Mitglieder gewisse Bedenken gerechtfertigt sind, bedeutet der gestrige Deal eine historische Wende: Es ist das Ende des Preiskampfs der Saudis, der mit dem verhängnisvollen Opec-Meeting vor zwei Jahren eingeleitet wurde. Ab sofort werden die Opec und Saudi Arabien zu ihrem aktiven Marktmanagement zurückkehren. Dass es den Saudis diesmal ernst ist, zeigt die Einigung mit dem Erzfeind Iran.

Kein Wunder, denn sowohl die Wirtschaft Saudi Arabiens, als auch die von Russland, befinden sich infolge der niedrigen Ölpreise in einem beispiellosen Niedergang. Zuletzt war etwa Saudi Arabien gezwungen, eine große Anleihe-Emission zu verschieben und die Gehälter leitender Beamter um 20 Prozent zu kürzen.

Wenn ein Deal mit dem Iran für 50,00 Dollar im Brent gut ist, dann würde eine Einigung mit Russland sicherlich einen Preis von 60,00 Dollar pro Barrel rechtfertigen.


Goldman mit Schieflage im Öl?

Nachdem die Ölpreise nach Bekanntwerden des Opec-Deals um mehr als 6 Prozent nach oben schnellten, kamen von der Wallstreet einmal mehr skeptische Kommentare. Goldman Sachs etwa geht davon aus, dass die Vereinbarung allenfalls kurzfristige Unterstützung für die Preise liefert, den Angebots-Ausblick jedoch nicht viel ändern wird. Die Investmentbank sieht keine Veranlassung, an ihrer Vorhersage von 43 Dollar pro Barrel WTI für das Jahresende und 53 Dollar in 2017 etwas zu ändern. Zuletzt sagte der Goldman-Chefanalyst Jeff Currie, dass der Ölrallye schon bald die Luft ausgehen wird, da der Ölmarkt über das nächste Jahr "sehr überversorgt" bleiben würde. Das würde es für Öl "schwer machen, über 55 Dollar pro Barrel zu kommen".

Vergessen wir nicht, dass Goldman noch Anfang des Jahres ein Ölpreis-Ziel von 10 Dollar in die Welt setzte und ähnlich niedrige Levels auf Jahre hinaus prophezeite. Wenn Goldman bei jeder Gelegenheit versucht, Öl nach unten zu reden, dann könnte sich durchaus der Verdacht aufdrängen, dass die US-Großbank auf einer erheblichen Short-Position im Öl sitzt und von der Opec-Entscheidung auf dem falschen Fuß erwischt wurde.



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