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Großbritannien und die Folgen des "Brexit"-Votums

15.10.2016  |  Prof. Dr. Thorsten Polleit
Seit der Verkündigung des britischen Brexit-Votums am 23. Juni 2016 hat das Britische Pfund etwa 20 Prozent gegenüber dem US-Dollar und etwa 18 Prozent gegenüber dem Euro verloren. Mit der erfolgten Währungsabwertung sind Risiken, aber auch Chancen für die Briten verbunden.

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Abbildung links: Quelle: Bloomberg
Abbildung rechts: Quelle: Thomson Financial; eigene Berechnungen


Auf der einen Seite könnte ein weitergehender Vertrauensverlust die Finanzierung des britischen Außenhandelsdefizites gefährden und eine Rezession auslösen. Werden die Handelsbeziehungen nach Kontinentaleuropa gestört, kann das den Briten zusätzlich Wachstumsverluste bescheren.

Auf der anderen Seite sorgt die Währungsabwertung für eine merkliche Erhöhung der preislichen Wettbewerbsfähigkeit der britischen Wirtschaft auf den Weltmärkten. Das fördert den Export. Es ermuntert auch den Zufluss von Auslandskapital nach Großbritannien und fördert dadurch die Leistungsfähigkeit der britischen Volkwirtschaft.

Es wird hier und da erwartet, dass London nach dem "Brexit" einen "Exit" erleben könnte: Banken und Finanzdienstleister würden die City verlassen und beispielsweise nach Paris, Frankfurt, New York abwandern, so ist zu hören. Was ist davon zu halten?

London ist weltweit der bedeutendste Finanzplatz für Aktien, Anleihen, Derivate und Rohstoffe - noch vor New York, Tokio und Hong-Kong. Aufgrund seiner geographischen Lage hat es vor allem einen nicht zu unterschätzenden Zeitzonen-Vorteil: Die Londoner Handelszeiten überlappen mit den Handelszeiten in anderen Teilen der Welt.

Die City of London hat jedoch noch weitere Vorteile im internationalen Finanz- und Handelsgeschäft. Da ist die englische Sprache. Und da ist die kulturelle Vielfalt als Erbe der ehemaligen Stellung Großbritanniens als weltpolitische und -wirtschaftliche Großmacht.

Dass sich die Finanzwelt, die durch und durch angelsächsisch geprägt ist, ohne Weiteres nach Paris oder Frankfurt verpflanzt, ist unwahrscheinlich. Nicht übersehen werden sollte auch, dass den Briten nach vollzogenem Austritt aus der EU die Möglichkeit offensteht, eine attraktive Steuerpolitik zu betreiben, um Unternehmen und qualifizierte Arbeitnehmer aus dem Ausland ("Expats") nach Großbritannien zu locken. (Von einem solchen Steuerwettbewerb sollten in der Folge auch die Steuerzahler in den kontinentaleuropäischen Ländern profitieren.)

Das alles wiederum würde nicht nur London als Standort für Unternehmer und Arbeitnehmer (noch) attraktiv(er) machen, sondern die gesamte britische Volkswirtschaft könnte davon profitieren. Denn die Briten können mit ihrer Steuerpolitik dafür sorgen, dass Investitionen in Großbritannien nicht nur für Banken und Finanzdienstleister, sondern auch für das produzierende Gewerbe lohnend werden im Vergleich zu Investitionen in Kontinentaleuropa.

Dass der Austritt Großbritanniens aus der EU für das Land von Nachteil sein wird, wäre folglich vorschnell geurteilt. Der Verfall des Pfund-Wechselkurses hat zwar die (Bestands-)Vermögensposition der Briten im internationalen Vergleich reduziert. Sie hat jedoch gleichzeitig dafür gesorgt, dass sich die britische Produktion im internationalen Vergleich verbilligt hat.

Das wiederum verbessert die konjunkturellen Beschäftigungs- und Einkommensaussichten in Großbritannien. Es wäre daher vorschnell geurteilt, würde man Großbritannien im internationalen Standortwettbewerb abschreiben wollen.


© Prof. Dr. Thorsten Polleit
Quelle: Auszug aus dem Marktreport der Degussa Goldhandel GmbH



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