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Breitangelegte Preiserholung

18.10.2016  |  Eugen Weinberg
Energie

Die Ölpreise erholen sich von ihren gestern erlittenen Verlusten. Brent handelt bei knapp 52 USD je Barrel, WTI wieder oberhalb von 50 USD je Barrel. Gestern Nachmittag waren beide Ölpreise binnen weniger Minuten um ca. 1 USD eingebrochen, obwohl der Datenanbieter Genscape einen Rückgang der US-Ölvorräte in Cushing um mehr als 2 Mio. Barrel berichtete. Denn gleichzeitig gab der Iran bekannt, seine Ölproduktion perspektivisch auf 5 Mio. Barrel pro Tag steigern zu wollen.

Der Markt ist offensichtlich stark auf die von der OPEC angekündigten Produktionskürzungen fokussiert. Jede Nachricht, die dies weniger wahrscheinlich macht, ist deshalb preisbelastend. Dazu zählt auch, dass Nigeria seine Ölproduktion bis zum Jahresende um gut 20% auf 2,2 Mio. Barrel pro Tag ausweiten will.

Wie die OPEC dennoch die Produktion vom gegenwärtigen Niveau um bis zu 1 Mio. Barrel pro Tag kürzen will, bleibt ein Rätsel. Dennoch muss die OPEC diese Erwartung glaubhaft aufrechterhalten, um einen Preisrutsch zu verhindern. Denn die spekulativen Finanzanleger haben in Erwartung von Produktionskürzungen ihre Wetten auf steigende Ölpreise massiv ausgeweitet.

Die Netto-Long-Positionen bei Brent sind in den letzten zwei Berichtswochen um insgesamt 110 Tsd. Kontrakte gestiegen und liegen damit fast wieder auf dem Rekordniveau von Ende April. Unterdessen soll die US-Schieferölproduktion im November laut US-Energiebehörde den 12. Monat in Folge sinken. Der von der EIA erwartete Rückgang um knapp 30 Tsd. Barrel pro Tag wäre aber der geringste seit neun Monaten. Es verdichten sich damit die Anzeichen, dass die Produktion bald ihren Boden erreicht.


Edelmetalle

Gold handelt am Morgen leicht fester bei 1.260 USD bzw. 1.145 EUR je Feinunze. Der Abbau der Netto-Long-Positionen bei Gold von über 106 Tsd. Kontrakten in den letzten beiden Berichtswochen (siehe TagesInfo Rohstoffe von gestern) entspricht dem Verkauf von 331 Tonnen Gold - wenn auch nur auf dem Papier. Dies ist dennoch eine beachtliche Menge: Es entspricht zum Beispiel der weltweiten Goldminenproduktion von 5½ Wochen. Und es zeigt, wieviel Gold über den Futures-Markt bewegt werden kann. Denn die physisch hinterlegten Gold-ETFs verzeichneten im Beobachtungszeitraum lediglich Zuflüsse von 14,4 Tonnen.

Legt man den durchschnittlichen ETF-Tageszufluss von bislang 3 Tonnen in diesem Jahr zugrunde, müssten die ETF-Anleger 112 Handelstage oder gut fünf Monate lang Gold kaufen, um den Verkauf am Futures-Markt in den beobachteten zwei Wochen aufzuwiegen. Auch ein weiterer Vergleich zeigt eindrucksvoll die Relationen: So lagen die monatlichen Goldimporte der beiden weltweit größten Nachfrageländer, China und Indien, in diesem Jahr im Durchschnitt bei 70 Tonnen (Netto-Goldimporte China aus Hongkong) bzw. 37 Tonnen (Indien). Beide Länder zusammen bräuchten also drei Monate, um die jüngsten Verkäufe zu absorbieren.

Der Verkaufsdruck seitens der spekulativen Finanzanleger sollte unseres Erachtens aber nachlassen. Und der Goldpreis scheint sich knapp unterhalb der charttechnisch wichtigen 200-Tage-Linie zu stabilisieren. Heute richtet sich der Fokus auf die US-Inflationsdaten. Eine steigende (Kern-)Inflation würde Argumente für eine Fed-Zinserhöhung im Dezember liefern und damit den Goldpreis belasten.


Industriemetalle

Die Metallpreise profitierten gestern zunächst nicht von der soliden US-Industrieproduktion im September und gaben in der Breite nach. Heute Morgen holen sie aber ähnlich wie die Ölpreise ihre Verluste in einem für Rohstoffe allgemein freundlichen Marktumfeld wieder auf. So steigt Nickel wieder auf 10.400 USD je Tonne und Zink und Blei kosten wieder mehr als 2.300 USD bzw. 2.000 USD je Tonne.

Gemäß Daten der International Nickel Study Group (INSG) war der globale Nickelmarkt im August zwar ausgeglichen, in den ersten acht Monaten des Jahres blieb das Angebot aber um 47,3 Tsd. Tonnen hinter der Nachfrage zurück. Letztere stieg demnach im Jahresvergleich um 6,1%, wozu vor allem China, Südkorea und Indien beitrugen. Das Angebot insgesamt ging dagegen zurück, wobei es hier unterschiedliche Tendenzen in den einzelnen Produzentenländern gab.

So fiel zum Beispiel die Nickelproduktion in China laut INSG-Daten zweistellig, während sie sich in Indonesien von niedrigem Niveau aus verdoppelte. Auffällig war auch ein deutlicher Rückgang der Nickelminenproduktion in vielen großen Produzentenländern. Ein Angebotsdefizit bestand Daten der International Lead and Zinc Study Group (ILZSG) zufolge in den ersten acht Monaten des Jahres auch am globalen Zinkmarkt (181 Tsd. Tonnen).

Am globalen Bleimarkt übertraf dagegen laut ILZSG von Januar bis August das Angebot die Nachfrage um 48 Tsd. Tonnen. In beiden Fällen setzten sich im August die Trends der vorangegangenen Monate fort.


Agrarrohstoffe

Die Kaffeepreise befinden sich weiter im Aufwind. Kaffee Arabica hat sich seit Ende vorletzter Woche um mehr als 7% auf 157 US-Cents je Pfund verteuert und nähert sich damit wieder dem vor knapp einem Monat verzeichneten 19-Monatshoch. Kaffee Robusta ist mit 2.100 USD je Tonne sogar so teuer wie zuletzt vor zwei Jahren. Von den Tiefständen zu Jahresbeginn ist der Preis für Kaffee Arabica um 40% gestiegen, der für Kaffee Robusta sogar um 55%. Grund für den Preisanstieg ist die angespannte Angebotslage.

Die Internationale Kaffeeorganisation ICO prognostiziert für das gerade zu Ende gegangene Erntejahr 2015/16 ein Angebotsdefizit von 3,3 Mio. Sack. Dies wäre das zweite Jahr in Folge, in dem das Angebot hinter der Nachfrage zurückbleibt. Dabei hat die ICO ihre Produktionsschätzung sogar um 4,7 Mio. auf 148 Mio. Sack nach oben revidiert. Kolumbien verzeichnete mit 14 Mio. Sack die beste Ernte seit 23 Jahren. Ohne diesen Impuls wäre das Defizit somit noch größer ausgefallen.

Auch Vietnam verzeichnete einen Anstieg um 3,8% auf 27,5 Mio. Sack. Dagegen fiel die Kaffeeernte in Brasilien um 5,4% auf 48,4 Mio. Sack, wobei Schätzungen anderer Marktbeobachtungen bei mehr als 50 Mio. Sack liegen. Aufgrund ungünstiger Wetterbedingungen sieht die ICO für Kolumbien, Indonesien und Vietnam im Erntejahr 2016/17 schwächere Ernten. Auch in Brasilien wird nächstes Jahr wegen des zweijährigen Erntezyklus mit einer geringeren Ernte gerechnet. Die Zeichen stehen damit für ein drittes Defizitjahr in Folge.

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