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Griechenland: Statistiker wird zum Volksfeind gemacht

30.11.2016  |  Vertrauliche Mitteilungen
Der griechische Ökonom Andreas Georgiou wurde jetzt in Griechenland mit zivil- und strafrechtlichen Verfahren überzogen, weil er während seiner Tätigkeit für die griechische Statistikbehörde Elstat bei der Aufarbeitung der Zahlen des Staatsdefizits von 2009 die Werte eigenmächtig nach oben korrigiert haben soll.

Der vorher für den Internationalen Währungsfonds tätige Beschuldigte ist sich indessen keiner Verfehlung bewußt:

"Vom ersten Tag an gab mir der Verwaltungsrat zu verstehen, daß er alles weiterhin so machen wollte wie bisher. Diese Leute verlangten, daß wir über die Zahlen abstimmen, um Griechenland zu helfen. Ich sagte ihnen, daß das illegal wäre.“

Nur wenige Wochen nach dieser Auseinandersetzung legten ihm Mitglieder der griechischen Behörde Dokumente aus seinem persönlichen E-Mail-Konto vor, woraufhin Georgiou Anzeige erstattete. Die Ermittlungen ergaben, daß er auf Weisung der Verwaltungsratsmitglieder offenbar vom ersten Tag an überwacht wurde.

Georgiou arbeitete weiter und bis zum Jahr 2015 hatte die europäische Statistikbehörde Eurostat (die vorher die griechischen Zahlen stets anzweifelte) an den von ihm ermittelten Werten nichts auszusetzen. Doch insbesondere mit einer Zahl machte er sich in Griechenland mehr Feinde, als ihm nun lieb sein kann.

Sie betrifft das Defizit des Jahres 2009, das die griechischen Behörden zunächst mit 13,6% der jährlichen Wirtschaftsleistung bezifferten. Georgious Überprüfung ergab aber einen Wert von 15,4%, was maßgeblich zu dem hohen Mißtrauen beitrug, das inzwischen alle internationalen Finanzinstitutionen den griechischen "Rechenkünsten“ entgegen bringen.

Der Präsident der griechischen Anwaltskammer, ein Parteifreund des damaligen Oppositionsführers Andonis Samaras, reichte schließlich Klage gegen Georgiou wegen angeblicher Verschwörung gegen den Staat ein. Der von ihm nach oben korrigierte Wert habe für das Land einen Schaden von über 200 Mio. € verursacht (z.B. wegen der danach steigenden Schuldzinsen).

Allein hierfür - weitere Anzeigen wegen angeblicher Dienstpflichtverletzungen folgten - droht Georgiou eine lebenslange Haft. Die griechische Justiz kann bei der Bearbeitung des Falls im übrigen auch auf die Unterstützung der aktuellen Regierung bauen. Zuletzt griff auch Ministerpräsident Alexis Tsipras Georgiou heftig an.

Der französische Ökonom Nicolas Véron (u.a. für die Brüsseler Denkfabrik Bruegel tätig) zeigte sich nun besorgt: "Es ist denkbar, daß es in anderen EU-Ländern ähnlichen Druck auf Statistiker gibt. Georgious Fall ist verheerend, weil jedermann sehen kann, daß professionelle Statistiker nicht genug gegen politische Vergeltungsaktionen verteidigt werden.“


© Vertrauliche Mitteilungen

Auszug aus den Infoblatt Vertrauliche Mitteilungen - aus Politik, Wirtschaft und Geldanlage, Nr. 4209



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