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Nervöse Märkte bei hohem spekulativen Interesse

29.11.2016  |  Eugen Weinberg
Energie

Das Hoffen und Bangen um die mögliche OPEC-Produktionskürzung bestimmt weiterhin das Auf und Ab der Preise am Ölmarkt. Von der ernüchternden Aussage des saudi-arabischen Ölministers, der Markt würde 2017 auch ohne Kürzung ins Gleichgewicht finden, haben sich die Preise überraschend gut erholt. Offensichtlich wird diese mehr als eine Verhandlungsstrategie als eine (erste) Absage an den Deal eingestuft. Brentöl notiert immerhin wieder bei knapp 48 USD je Barrel.

Auf dem gestrigen "Vortreffen" haben die Delegierten jedoch noch keine Einigung gefunden. Es bleibt also die Aufgabe der Minister morgen, das wohl größte Hindernis zu überwinden und eine Produktionsquote für den Iran festzulegen: Saudi-Arabien will die tägliche Produktion des Erzrivalen bei 3,7 Mio. Barrel festzurren, Teheran besteht dagegen auf 3,97 Mio. Barrel. Wir hatten schon gestern darauf hingewiesen, dass die Preise auf ein ergebnisloses Treffen mit starken Abschlägen reagieren dürften.

Schließlich ist das spekulative Engagement sehr hoch: Das zeigt sich zwar weniger an den üblicherweise betrachteten spekulativen Netto-Long-Positionen. Die sind an beiden Märkten dank des letzte Woche noch geltenden Optimismus gestiegen, sind aber auf einem eher moderaten Niveau. Alarmierend ist vielmehr die zuletzt massiv nach oben geschossene Summe offener spekulativer Positionen an der ICE. Denn die Short-Positionen sind nun rekordhoch, die Long-Positionen nicht weit von ihrem Allzeithoch entfernt. In welche Richtung die Preise "schießen", wird morgen entschieden.


Edelmetalle

Nachdem sich Gold gestern Morgen im Zuge eines schwächeren US-Dollar etwas erholt hatte, steht es seit gestern Nachmittag wieder unter Druck. Heute Morgen notiert es bei rund 1.190 USD je Feinunze. Denn die US-Währung nahm ihren Aufwärtstrend wieder auf. Zwar sind die Anleiherenditen etwas zurückgegangen, aber dies gibt dem Goldpreis kaum Unterstützung. Hier dürften die umfangreichen ETF-Abflüsse schwerer wiegen, die sich auch gestern fortsetzen.

Mit 6,3 Tonnen verzeichneten die von Bloomberg erfassten Gold-ETFs den zwölften Tagesabfluss in Folge. Deren Bestände wurden in dieser Zeit um über 116 Tonnen abgebaut und liegen damit auf dem tiefsten Stand seit Ende Juni.

Preisbelastend wirkt sich wohl auch der weitere Rückzug der spekulativen Finanzinvestoren aus. Diese haben gemäß CFTC-Statistik ihre Netto-Long-Positionen bei Gold in der Woche zum 22. November weiter auf 124,4 Tsd. Kontrakte reduziert, den niedrigsten Wert seit Anfang März.

Das einzige Edelmetall, bei dem Netto-Long-Positionen in der Berichtswoche aufgebaut wurden, war Palladium. Sie liegen nun sogar auf einem 6-Wochenhoch. Damit wird deutlich, dass der Preisanstieg von Palladium - das hauptsächlich in der Automobilindustrie verwendete Edelmetall markierte gestern bei über 760 USD je Feinunze ein 18-Monatshoch - zum Großteil spekulativ getrieben ist. Umfangreiche ETF-Abflüsse - gestern wurden die Bestände wieder um fast 25 Tsd. Unzen abgebaut - haben dagegen aktuell keine Auswirkungen auf den Preis.

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Industriemetalle

Nachdem die Metallpreise und hier allen voran Zink und Blei gestern Nachmittag nochmals merklich zulegten, kommt es heute Morgen zu Gewinnmitnahmen. So hat Zink von seinem gestern verzeichneten 9-Jahreshoch bei 2.985 USD je Tonne zeitweise um 160 USD nachgegeben. Blei verbilligt sich von seinem 5-Jahreshoch bei 2.577 USD je Tonne vorübergehend um gut 150 USD. Wir sehen weiteres Korrekturpotenzial für die Metallpreise, zumal der jüngste Preisanstieg wohl stark spekulativ getrieben war. Dies dürfte die LME-Statistik zur Positionierung der spekulativen Marktteilnehmer zeigen, die heute Nachmittag veröffentlicht wird.

An der Comex in New York haben die spekulativen Finanzinvestoren gemäß CFTC-Statistik in der Woche zum 22. November bei Kupfer ihre Netto-Long-Positionen bereits weiter ausgeweitet. Sie wurden um 8% auf ein neues Rekordhoch von 76,4 Tsd. Kontrakten erhöht. Sie dürften mittlerweile auch noch höher liegen, da der Kupferpreis nach dem Datenstichtag weiter deutlich gestiegen war. Damit steigt aber auch das Korrekturpotenzial.

Auf extreme Marktpositionierungen folgte in der Vergangenheit oftmals eine Gegenbewegung beim Preis, zumal sich Kupfer und die anderen Metalle von den Fundamentaldaten abgekoppelt haben.

Auch für den Eisenerzpreis könnte es kurzfristig bergab gehen. Denn die Stahlpreise in China stehen heute deutlich unter Druck. Zuletzt hat der Eisenerzpreis oft die Bewegungen der Stahlpreise nachvollzogen und gestern mit knapp 81 USD je Tonne den höchsten Stand seit über zwei Jahren erreicht.


Agrarrohstoffe

Das Kaffeehandelshaus Marex Spectron erwartet, dass das Kaffeejahr 2016/17 mit einem marginalen globalen Überschuss schließt. Ein Überschuss von 5,8 Mio. Sack bei Arabica-Kaffee soll durch ein Defizit von 5,6 Mio. Sack bei Robusta-Kaffee nahezu ausgeglichen werden. Damit ist Marex Spectron optimistischer als viele andere Beobachter, die ein drittes Defizitjahr in Folge erwarten. Allerdings weist Marex Spectron darauf hin, dass sich die Bilanz bei ihnen deshalb ins Positive dreht, weil sie auf der Angebotsseite die Freigabe staatlicher Lagerbestände durch die brasilianische Regierung berücksichtigen.

Die kurzfristig orientierten Marktteilnehmer haben in der Woche zum 22. November ihre Netto-Long-Positionen bei Baumwolle kräftig ausgeweitet. Sie liegen nun mit 80.437 Kontrakten nur noch marginal unter dem bisherigen Rekordstand von Anfang August. Damals begleiteten sie den rasanten Preisanstieg auf fast 77 US-Cents je Pfund, den höchsten Stand seit fast zwei Jahren.

Zwar sackte der Preis danach wieder ab, als sich die Sorge um Trockenheit in wichtigen US-Anbaugebieten legte. Doch seit September hat der Preis wegen der Aussicht auf ein zweites Defizitjahr in Folge seinen Aufwärtstrend wieder aufgenommen. Gestern schloss er bei 72 US-Cents je Pfund. Ende letzter Woche hatte der Informationsdienst Cotlook seine Defizitschätzung leicht reduziert, doch schätzt er den Fehlbetrag noch immer auf beachtliche 1,6 Mio. Tonnen.



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