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Tag der Entscheidung in Wien

30.11.2016  |  Eugen Weinberg
Energie

Die Marktteilnehmer schauen heute gebannt nach Wien, wo sich die OPEC zu ihrer 171. offiziellen Sitzung trifft. Erstmals seit acht Jahren könnten die OPEC-Länder eine Kürzung der Fördermenge beschließen, was eine Abkehr von der vor zwei Jahren beschlossenen Strategie der Markträumung über den Preis bedeuten würde. Der Ölmarkt ist im Vorfeld der Sitzung äußerst nervös. Gestern gaben die Preise um knapp 4% nach, heute liegen sie 6% im Plus. Eine gemeinsame Haltung der OPEC-Länder zeichnet sich bislang nicht ab.

Saudi-Arabien fordert vom Iran und vom Irak, sich an Produktionskürzungen zu beteiligen. Der Iran fordert wiederum von Saudi-Arabien eine stärkere Reduktion der Fördermenge. Die von Saudi-Arabien vorgeschlagene Kürzung der eigenen Produktion um 500 Tsd. Barrel pro Tag wäre nichts anderes als die Rückführung vom bis zuletzt noch immer hohen Sommerniveau auf das niedrigere Winterniveau. Wir erachten eine "kleine" Produktionskürzung um 700 Tsd. Barrel pro Tag daher als wahrscheinlichsten Ausgang, welche von Saudi-Arabien und den verbündeten Golfanrainerstaaten notfalls auch allein bestritten werden könnte. Dazu müssten sich die anderen OPEC-Länder aber verpflichten, ihre Produktion nicht auszuweiten. Der Markt würde darauf wohl mit einem Preisanstieg auf 50 USD je Barrel reagieren. Denn der Ölmarkt wäre damit im ersten Halbjahr 2017 ausgeglichen.

Kommt keine Einigung zustande, würde der Ölpreis voraussichtlich in Richtung 40 USD je Barrel abstürzen. Für einen Anstieg über 50 USD je Barrel wäre eine Kürzung der Fördermenge um mehr als 700 Tsd. Barrel pro Tag erforderlich. Dafür müssten sich andere Länder beteiligen, was unwahrscheinlich ist.

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Edelmetalle

Der Goldpreis bewegt sich weiter in einer sehr engen Handelsspanne und notiert heute Morgen weitgehend unverändert bei rund 1.190 USD je Feinunze. In Euro gerechnet kostet Gold knapp 1.120 EUR je Feinunze. Auch gestern gab es wieder ETF-Abflüsse. Die Bestände wurden diesmal um fünf Tonnen abgebaut und sind damit den 13. Handelstag in Folge gefallen.

Die niedrigen Goldpreise locken somit offenbar noch nicht wieder Käufer an. Im Gegenteil: So wird für Indien sogar ein deutlicher Rückgang der Goldnachfrage in den nächsten Monaten erwartet. Im Oktober waren die Goldimporte im Zuge der hinduistischen Feiertage noch deutlich gestiegen. Und auch im November waren sie in unmittelbarer Reaktion auf den Bargeldentzug der indischen Regierung nach oben geschossen. Mittlerweile hält sich die Bevölkerung dort aber mit Goldkäufen stark zurück. So erachtet der Verband der indischen Gold- und Schmuckhersteller die Goldimporte im Dezember und Januar als "vernachlässigbar".

Goldhändler in Indien, Dubai und Hongkong erwarten, dass die indischen Goldimporte in den nächsten beiden Monaten zusammen auf nur 60-70 Tonnen fallen könnten. Ein Jahr zuvor hatte Indien in diesem Zeitraum noch über 180 Tonnen Gold eingeführt. Derzeit läuft in Indien zwar die Hochzeitssaison, die für gewöhnlich die stärkste Nachfragezeit dort darstellt. Aufgrund des Bargeldentzugs werden aber viele Hochzeiten verschoben, so dass diesmal nicht mit positiven Impulsen für die Goldnachfrage zu rechnen ist.


Industriemetalle

Bei den Industriemetallen gab es gestern eine längst überfällige Korrektur. Der LME-Industriemetallindex fiel von seinem 18-Monatshoch um 3,4%. Besonders stark unter Druck standen Zink und Blei, welche beide fast 7% verloren. Nickel gab um annähernd 5% nach, Kupfer verbilligte sich um 3%. Neben Gewinnmitnahmen spekulativer Finanzanleger dürften auch die stark gefallenen Ölpreise im Vorfeld der heutigen OPEC-Sitzung (siehe Energie auf Seite 1) die Metallpreise belastet haben.

Auch heute Morgen sind die Metallpreise leicht im Minus. Sie handeln unseres Erachtens aber noch deutlich über den gerechtfertigten Niveaus, so dass wir weiteres hohes Korrekturpotenzial sehen.

In Chile ist im Oktober die Kupferminenproduktion eingebrochen. Gemäß Daten des nationalen Statistikinstituts ist sie im letzten Monat im Vergleich zum Vorjahr um 11% auf gut 445 Tsd. Tonnen gefallen. Dies ist der niedrigste Oktober-Wert seit 2003. Zwar haben auch niedrigere Metallgehalte in den Erzen eine Rolle gespielt. Als wichtigste Gründe für den starken Produktionsrückgang nannte das Statistikinstitut jedoch vorübergehende Minenschließungen nach Unfällen, technische Schwierigkeiten und Wartungsarbeiten. Da dies überwiegend temporäre Faktoren sind, dürfte die Kupferminenproduktion bald wieder ausgeweitet werden. Die chilenische Kupferkommission Cochilco erwartet im nächsten Jahr einen Anstieg um 5,5%.


Agrarrohstoffe

Laut Agenturberichten geht das US-Landwirtschaftsministerium USDA in ersten Projektionen für die nächsten Jahre davon aus, dass die Sojabohnenfläche in der kommenden Saison auf ein neues Allzeithoch ausgedehnt wird. Demnach soll sie um 2,2% auf 85,5 Mio. Morgen steigen. Dagegen wird die Maisfläche wohl um 5% auf 90 Mio. Morgen eingeschränkt. Diese weitere Verschiebung im Anbau legt vor allem das relative Preisverhältnis der beiden Produkte nahe. Trotz der größeren Fläche geht das USDA bei Sojabohnen für 2017/18 von einer 7% niedrigeren Produktion aus.

Offensichtlich unterstellt das USDA eine Normalisierung der Erträge vom diesjährigen Rekordniveau. Auch bei der gerade abgeschlossenen Ernte waren die Erträge allerdings wiederholt nach oben korrigiert worden. Bei Mais soll die Produktion um 7,7% sinken, auch hier wird also von etwas niedrigeren Erträgen ausgegangen. Bei der Ernte 2016 war auch hier ein Rekordniveau erzielt worden. Die Bestände von Mais und Sojabohnen Ende 2017/18 sollen unter denen in der laufenden Saison liegen.

Für die längerfristige Exportentwicklung zeigt sich das USDA eher skeptisch. In den nächsten 10 Jahren sollen die Sojabohnenexporte nur um 5% zulegen, die von Mais sogar leicht rückläufig sein. Die Weizenfläche soll einmal mehr weiter eingeschränkt werden. Dies verwundert nicht, da der Preis noch immer nahe eines 10-Jahrestiefs aus dem Sommer verharrt. Dagegen unterstellt das USDA bei Baumwolle für 2017/18 eine Flächenausweitung. Dafür spricht die positive Preisentwicklung. Die offiziellen Projektionen werden erst im Februar 2017 veröffentlicht.



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