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Potentielles Goldverbot in Indien sorgt für völlig übertriebene Panik am Goldmarkt

01.12.2016  |  Florian Grummes
1. Gold in USD

Rückblick:

In den letzten vier Wochen setzt der Goldpreis zunächst seine Erholung erwartungsgemäß fort. Wie vermutet bescherte die überraschende Wahl von Donald Trump am 9.November dem Goldmarkt darüber hinaus einen scharfen Anstieg bis auf 1.338 USD.

Wenige Stunden später allerdings und in der westlichen Hemisphäre zunächst weitgehend unbeachtet, wurden vom indischen Premierminister Narenda Modi in einem Handstreich knapp 86% der sich im Umlauf befindlichen Rupien-Banknoten für ungültig erklärt. Damit sorgte Modi nicht nur für ein unglaubliches Chaos, sondern löste darüberhinaus einen stark deflationären Druck auf sein Land und damit auch auf den Goldmarkt aus. 1,3 Mrd. Inder, traditionell Goldliebhaber, waren plötzlich nicht mehr in der Lage die essentiellsten Dinge zum (Über-)Leben zu bezahlen. Natürlich mussten die indischen Goldhändler alle Kauf- bzw. Importorders stornieren, da gar nicht absehbar war und ist, wie bzw. mit welchen Papiergeldscheinen die Kunden das Edelmetall denn bezahlen sollen. Gleichzeitig sind die Aufschläge auf den Goldpreis in Indien rasant gestiegen.

Neusten Äußerungen zufolge will Modi Indien zu einer "cashless society“ umbauen. Damit wäre auch ein Goldverbot in Indien denkbar. Diese potentielle Bedrohung hängt nun wie ein Damoklesschwert über dem Goldmarkt und hat in den letzten drei Handelswochen zu starker Verunsicherung und der massiven Liquidierung bestehender "Long-Positionen“ geführt. So kamen alleine durch den größten Gold-ETF "GLD“ in den letzten vier Wochen knapp 63 Tonnen Gold auf den Markt!


Gold in USD Monatschart:

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Die Lage auf dem logarithmischen Monatschart hat sich im November leider deutlich verschlechtert. Mit dem klaren Rutsch unter die wichtige Marke von 1.200 USD ist eine ganze Reihe von Indikatoren und Signalen in das Bärenlager gewechselt.

Insbesondere wurde das mittlere Bollinger Band (1.201 USD) unterschritten. Damit bewegt sich der Goldpreis nun in seiner unteren Handelsspanne und hätte hier theoretisch noch Platz bis 1.025 USD. Solange dieses mittlere Bollinger Band nicht zurückgewonnen wird, ist an eine Erholung nicht zu denken.

Kurz zuvor hatte bereits der trendfolgende Parabolic Sar Indikator sein Kaufsignal vom Februar revidiert. Hier benötigt es aktuell einen Goldpreis von 1.378 USD, um dieses negative Signal wieder zu drehen. Immerhin ist aber das MACD-Kaufsignal trotz des deutlichen Rücksetzers weiterhin intakt.

Das Verkaufssignal der Stochastik hingegen hat mittlerweile klarere Züge angenommen, könnte aber immer noch mit einem starken Erholungsmonat auf halber Wegstrecke wieder nach oben drehen. Sollte die Stochastik jedoch auf dem Monatschart ihre überverkaufte Zone anlaufen wollen, müssen wir uns auf Goldpreise um 1.000 USD einstellen.
Insgesamt kann der Monatschart aufgrund der Vielzahl an negativen Indikatoren und Entwicklungen derzeit bestenfalls noch mit „neutral“ bewertet werden. Ein bis zwei starke Monaten könnten aber die meisten Schwachpunkte schon wieder kitten.

Trotz der charttechnisch klar eingetrübten Situation muss aber gleichzeitig festgehalten werden, dass der Goldpreis in 2016 im Vergleich zu 2015 ein höheres Hoch und ein höheres Tief erreichen wird! Das wiederum spricht weiterhin für einen übergeordneten Trendwechsel. Zwar hat der erwartete Durchmarsch bis an die große und mittelfristig entscheidende Widerstandszone um 1.500 – 1.530 USD zuletzt deutlich an Wahrscheinlichkeit eingebüßt, gänzlich vom Tisch ist er aber noch nicht. Vielmehr scheint sich dieses Kursziel wohl erst später einstellen zu wollen.


Gold in USD Wochenchart:

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Nachdem der Goldpreis seine fünfjährige Abwärtstrendlinie im Sommer trotz zahlreicher Versuche letztlich nicht überwinden konnte, folgte in den letzten zehn Wochen die gnadenlose Quittung für dieses Scheitern. Die Bären leisteten ganze Arbeit und drückten die Notierungen am Bollinger Band entlang nach unten bis an die wichtige Unterstützung aus dem Jahre 2013 bei 1.180 USD. Hier wurden in der vergangenen Handelswoche noch kurzzeitig die letzten Stopps unterhalb von 1.180 USD im asiatischen Handel abgeräumt, bevor es mit einer scharfen Erholung direkt zu einer ersten Umkehrformation kam.

Obwohl die Korrektur ja schon Anfang Juli bei einem Goldpreis von 1.375 USD begonnen hatte, ist der RSI Indikator auf dem Wochenchart immer noch nicht überverkauft. Vielmehr kann sich hier die seit dem Frühjahr 2013 intakte Serie “höherer Tiefs“ halten. Gleichzeitig ist der MACD weiterhin ungefährdet im Verkaufsmodus. Die Stochastik hingegen kann kaum noch tiefer fallen und meldet extrem überverkaufte Werte. Damit hätte der Oszillator jetzt auf der Oberseite jede Menge Platz, allerdings fehlt es noch an einem klaren Kaufsignal!
In jedem Fall wird eine baldige Gegenreaktion immer wahrscheinlicher. Da das untere Bollinger Band (1.182 USD) stark überdehnt wurde, könnte der Goldpreis jederzeit schnell um 50 USD „zurückschnalzen“.

In der Summe bleibt der Wochenchart aber nur aufgrund der stark überverkauften Stochastik neutral. Wirklich bullisch wird es erst mit einem Ausbruch über die fünfjährige Abwärtstrendlinie, welche derzeit bei ca. 1.315 USD verläuft. Aktuell fehlen dem Goldpreis bis dahin knapp 130 USD! Auf die Bullen wartet also jede Menge Arbeit!
Unterhalb von 1.200 USD hingegen bleibt die „Bullenmarkt-These“ stark unter Druck! Das absolute Maximum, welches man dem Rücksetzer innerhalb des „neuen Bullenmarktes“ zustehen könnte, wären 1.117 USD. Bei Goldpreisen unterhalb dieser Marke ist das gesamte Kursgeschehen in diesem Jahr definitiv lediglich eine Bärenmarktrally gewesen...


Gold in USD Tageschart:

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Der logarithmische Tageschart für den Goldpreis schaut ohne Zweifel momentan ziemlich fürchterlich aus. Und obwohl sich die Abschläge seit Anfang Juli mittlerweile auf über 200,00 USD summiert haben, ist von den bullischen Marktkräften weit und breit nichts zu sehen.

Gab es am vergangenen Freitag mit dem zwischenzeitlich Rutsch bis auf 1.171 USD und der nachfolgenden steilen Erholung bis auf 1.196 USD zumindest ansatzweise ein vielversprechendes Umkehrsignal, so hat diese potentielle Formation mittlerweile stark an Überzeugungskraft und Wahrscheinlichkeit eingebüßt, denn Gold hängt nur noch am seidenen Faden knapp oberhalb von 1.180 USD. Kann diese Unterstützungszone nicht verteidigt werden, dürften die Notierungen zügig bis in den Bereich 1.120 USD bis 1.140 USD durchgereicht werden.

Dafür spricht vor allem auch die bärisch eingebettete Stochastik. Bereits seit über zwei Wochen bewegen sich die beiden Signallinien des Oszillators unterhalb von 20 und haben damit den Abwärtstrend festgezurrt. Da die Erholungsversuche der letzten Tage keine Auswirkungen auf die Stochastik zeigten, blieben sie auch nichts weiter als "Versuche“. Eine wirklich nachhaltige Erholung muss einfach genügend Kraft mit sich bringen, um diese "embedded Stochastik" zu durchbrechen. Bis dato ist davon nichts zusehen.

Zusammengefasst befindet sich der Goldmarkt also in einer üblen Bereinigung, deren Ende noch immer nicht abzusehen ist. Nachdem die Unterstützung vom Frühling bei 1.200 USD aus dem Weg geräumt wurde, wackelt nun die 61,8%-Fibonacci-Retracement Zone bei 1.171 USD. Als allerletzte Auffangstation wäre darunter nur noch das 78,6%-Fibonacci-Retracement bei 1.117 USD zu nennen. Nach der fulminanten Rally in der ersten Jahreshälfte wäre eine derart "tiefe“ Gegenbewegung durchaus normal, schließlich fehlt ja am Beginn eines neuen Aufwärtszyklus die Gewissheit, dass es sich tatsächlich um einen neuen Bullenmarkt handelt. Überwinden die Bären jedoch auch diese Marke ist der Weg bis 1.045 USD frei.

Gleichzeitig dürfen wir uns in der aktuellen Situation keinesfalls von den panischen Marktteilnehmern anstecken lassen, denn die Marke von 1.171 USD könnte letztlich doch noch halten. In diesem Fall steht der Goldpreis unmittelbar vor einer scharfen Erholung, deren logisches erstes Ziel die fallende 50-Tagelinie (1.267 USD) darstellt.
So wie sich der Goldmarkt derzeit aber präsentiert ist ein finaler Ausverkauf bis auf 1.120 USD in den nächsten ein bis drei Wochen am wahrscheinlichsten.


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