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OPEC überrascht die Märkte

01.12.2016  |  Eugen Weinberg
Energie

Die OPEC überraschte die Märkte gestern mit einer Produktionskürzung um 1,2 Mio. auf 32,5 Mio. Barrel pro Tag. Die Ölpreise stiegen seit gestern daraufhin um gut 10%. Brent erreichte in der Nacht zusätzlich unterstützt durch einen Kontraktwechsel bei knapp 53 USD je Barrel ein 6-Wochenhoch. Die Produktionskürzung soll ab dem 1. Januar 2017 gelten und ist auf die einzelnen Länder heruntergebrochen, was die Transparenz und Glaubwürdigkeit des Beschlusses erhöht.

Ein Komitee soll überprüfen, ob die Kürzungen von den Ländern eingehalten werden. Den Großteil davon trägt Saudi-Arabien mit knapp 500 Tsd. Barrel pro Tag. Diese Kürzung ist aber lediglich eine Anpassung der Produktion auf das übliche Winterniveau, was Saudi-Arabien bislang wohl aus taktischen Gründen unterlassen hatte. Auch der Irak hat sich überraschend zu einer Kürzung um 210 Tsd. Barrel pro Tag bereit erklärt. Der Iran darf seine Ölproduktion dagegen um 90 Tsd. Barrel pro Tag erhöhen. Laut dem katarischen Ölminister haben sich einige Nicht-OPEC-Länder bereit erklärt, ebenfalls um 600 Tsd. Barrel pro Tag zu kürzen. Die Hälfte davon soll von Russland kommen.

Doch auch ohne diesen Beitrag wäre der globale Ölmarkt bei einer Umsetzung der gestrigen OPEC-Beschlüsse im ersten Halbjahr 2017 nicht mehr überversorgt. Stattdessen würde auf Basis der IEA-Schätzungen zum Bedarf an OPEC-Öl sogar ein Defizit von 500 Tsd. Barrel pro Tag bestehen. Um diese Menge könnten also Libyen und Nigeria ihre Produktion erhöhen, ohne dass der Markt wieder ein Überangebot aufweist. Neben diesen beiden Ländern ist auch Indonesien von den Kürzungen ausgenommen, welches seine OPEC-Mitgliedschaft deswegen vorübergehend ausgesetzt hat.

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Edelmetalle

Gold kam gestern Nachmittag deutlich unter Druck und setzt seine Abwärtsbewegung heute Morgen fort. Es fällt zeitweise auf ein 10-Monatstief von gut 1.160 USD je Feinunze. In Euro gerechnet markiert es bei knapp unter 1.100 EUR je Feinunze den tiefsten Stand seit Ende Juni. Gute US-Konjunkturdaten und der kräftig gestiegene Ölpreis ließen die US-Anleiherenditen kräftig steigen und den US-Dollar aufwerten.

Bei den Gold-ETFs gab es gestern den 14. Handelstag in Folge Abflüsse, welche mit 2,5 Tonnen aber relativ moderat ausfielen. Im November wurden die ETF-Bestände damit um 108 Tonnen reduziert. Dies ist der höchste Monatsabfluss seit Juni 2013 und der fünftstärkste aller Zeiten. Belastet durch Gold wird auch Silber mit nach unten gezogen, welches am Morgen kurzzeitig auf 16,3 USD je Feinunze fiel, damit aber noch über dem Tief von Ende letzter Woche blieb.

Auch Platin steht unter Druck. Es markiert bei 900 USD je Feinunze wie Gold ein 10-Monatstief. Dagegen legt Palladium weiter auf ein neues 18-Monatshoch von 775 USD je Feinunze zu. Die Preisdifferenz zwischen Platin und Palladium ist in Folge dessen auf rund 140 USD je Feinunze zusammengeschmolzen. So teuer war Palladium im Verhältnis zu Platin zuletzt im April 2002. Wie die Industriemetalle hat sich aber auch Palladium unseres Erachtens von den Fundamentaldaten abgekoppelt. Wir sehen deutliches Korrekturpotenzial, zumal der jüngste Preisanstieg stark spekulativ getrieben ist (siehe TagesInfo Rohstoffe vom 29. November).


Industriemetalle

Die Korrektur an den Metallmärkten währte nur kurz und die meisten Metallpreise sind bereits wieder im Aufwind. Zink verteuert sich um bis zu 2%, Kupfer handelt wieder oberhalb von 5.800 USD je Tonne. Der offizielle Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe (PMI) in China ist im November entgegen den Erwartungen auf 51,7 gestiegen. Dies ist der höchste Wert seit Juli 2014 und deutet auf eine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage hin. Er reflektiert eine steigende Nachfrage nach Industriegütern sowie den starken Preisanstieg der Rohstoffe, allen voran von Stahl und Kohle. Der Einkaufsmanagerindex deutet zudem auf steigende Inflationserwartungen hin, was eine Aufwärtstendenz bei den Marktzinsen nahelegt. Dies verringert den Spielraum für weitere geldpolitische Lockerungen seitens der chinesischen Zentralbank.

Konträr zum offiziellen PMI entwickelte sich der von Caixin erhobene PMI, der im November stärker als erwartet auf 50,9 gefallen ist. Während für den offiziellen PMI hauptsächlich Staatsunternehmen befragt werden, werden von Caixin eher kleine und mittelgroße Unternehmen betrachtet. Letztere sind aber in der Regel Preisnehmer und nicht Preissetzer, so dass der Anstieg der Rohstoffpreise offenbar negative Auswirkungen auf diese hatte.

Heute Nachmittag wird in den USA der ISM-Index für das verarbeitende Gewerbe veröffentlicht. Nach den zuletzt veröffentlichten US-Konjunkturdaten besteht für den ISM-Index Aufwärtsrisiko. Dies könnte den Metallpreisen neuen Rückenwind geben.


Agrarrohstoffe

Russland dürfte auch im nächsten Jahr eine sehr gute Getreideernte einbringen. Das Beratungsunternehmen SovEcon rechnet mit einer Ernte von 112,5 Mio. Tonnen. Das wäre die zweithöchste jemals eingebrachte Erntemenge nach dem Rekordwert in diesem Jahr von 119,5 Mio. Tonnen. Die diesjährige Ernte umfasst 72,5 Mio. Tonnen Weizen, wovon laut SovEcon 28 Mio. Tonnen in den Export gehen sollen. Die Weizenvorräte sollen sich am 30. Juni 2017 auf 12,4 Mio. Tonnen belaufen. Die gesamten Getreideexporte beziffert SovEcon auf 38 Mio. Tonnen und die Lagerbestände zum Ende des Erntejahres auf 19,6 Mio. Tonnen.

Dieser sehr hohe Lagerbestand dürfte mit der prognostizierten zweithöchsten Ernte 2017/18 weiter anschwellen. Russland könnte daher versuchen, die Bestände im Vorfeld der nächsten Ernte durch höhere Exporte abzubauen, was den Weizenpreis in Paris im Frühjahr unter Druck setzen würde.

Die Internationale Kakaoorganisation hat die Schätzung für das Angebotsdefizit am globalen Kakaomarkt 2015/16 auf 150 Tsd. Tonnen reduziert. Bislang ging sie von 212 Tsd. Tonnen aus. Das weltweite Kakaoangebot soll um 43 Tsd. Tonnen höher ausfallen als bislang geschätzt, die Nachfrage um 19 Tsd. Tonnen niedriger. Trotz der Aufwärtsrevision soll die weltweite Kakaoproduktion aufgrund niedrigerer Ernten in der Elfenbeinküste und Brasilien noch immer 5% unter dem Vorjahresniveau liegen.



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