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Das Gold, die Zinsen und ein Komplott

18.12.2016  |  Manfred Gburek
Nach der Entscheidung der amerikanischen Zentralbank Fed vom vergangenen Mittwoch, den Leitzins minimal auf 0,50 bis 0,75 Prozent anzuheben, bleiben entscheidende Fragen offen. Zum Beispiel, was Fed-Chefin Janet Yellen bewogen haben mag, gleich noch drei - statt wie allgemein erwartet zwei - Zinserhöhungen für das kommende Jahr anzukündigen (bisher hat sie es seit ihrem Amtsantritt nur auf zwei gebracht).

Oder warum sie zur Begründung des Zinsanstiegs die gute US-Konjunktur anführt, obwohl der private Konsum, der an die 70 Prozent zur amerikanischen Wirtschaftsleistung beiträgt, im Weihnachtsgeschäft gegenüber derselben Vorjahreszeit enttäuschend nur um 0,1 Prozent gestiegen ist. Oder auch, wie sich der nochmals rückläufige Goldpreis damit reimt, dass die Inflation - allein schon wegen des im Jahresverlauf stark gestiegenen Ölpreises - bald kräftig anziehen wird.

Um gleich die passenden Antworten zu geben: Das Ankündigen von drei Zinserhöhungen kann als Warnung an den designierten US-Präsidenten Donald Trump interpretiert werden. Nach dem Motto: Wehe, dein Konjunkturprogramm ist mir zu üppig und der Dollar steigt weiter, dann droht mit einiger Zeitverzögerung die nächste Rezession. Hier zeichnet sich bereits ab, dass Yellen und Trump nicht gerade gut miteinander können. Am Ende wird Trump das Sagen haben, schließlich werden Fed-Chefs traditionell vom Präsidenten bestellt. Für genug Unsicherheit im Hinblick auf die amerikanische Geld- wie auch Fiskalpolitik ist also gesorgt. Und Überraschungen, die sich auf die Börsen auswirken werden, gehen damit zwangsläufig einher.

Warum hat der Goldpreis ein weiteres Mal nach unten gedreht? Die gängige Antwort, er leide unter steigenden Zinsen, ist irreführend und im Endeffekt sogar falsch. Denn nicht ein hoher Zins als solcher ist in diesem Zusammenhang der Antipode des Goldes, sondern die mathematisch zwingende Kombination des Kursrückgangs von Anleihen mit ihrem Renditeanstieg. Der Kursrückgang macht also die Rendite zunichte.

Das kann man sich beispielhaft so vorstellen: Angenommen, der Nominalzins einer zu 100 Prozent ausgegebenen Anleihe betrage 2 Prozent. Er bezieht sich auf ein ganzes Jahr, in dem viel passieren kann, etwa ein allgemeiner Zins- und damit Renditeanstieg. Seit Anfang November, also in kürzester Zeit, ist zum Beispiel die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen von rund 1,8 auf inzwischen 2,6 Prozent gestiegen. Dann passt sich die 2-prozentige Anleihe diesem Niveau über den Kurs an; das heißt, ihr Kurs fällt. Auf diese Weise verlieren Anleger ganz schnell sehr viel Geld. Sollte es, wie im Jahr 1994, zu einem allgemeinen Anleihencrash kommen, reicht sogar nur eine Woche, um den Nominalzins von 2 Prozent auszulöschen.

Zurück zum Gold. Hier spielt der Faktor Zeit ebenfalls eine wichtige Rolle, nur unter etwas anderen Vorzeichen als bei Anleihen: Zunächst achten Großanleger primär auf den steigenden oder schon gestiegenen Zins und lassen das zinslose Gold unter anderem deshalb links liegen. Erst danach besinnen sie sich auf den Kursrückgang der Anleihen. Warum sie das alles nicht von vornherein im Zusammenhang sehen und warum sie dabei den gigantischen internationalen Schuldenberg als darüber hinaus entscheidenden Antipoden des Goldes einfach ignorieren, wird wohl für immer ein Rätsel bleiben.

So ist am besten zu erklären, weshalb sich vor allem spekulativ handelnde Anleger zuletzt von ihren Goldbeständen getrennt haben, unter anderem nachzulesen bei der Interessenvereinigung World Gold Council (Internet: gold.org). Dazu nur zwei markante Beispiele: Die Anleger des iShares Gold Trust verkauften während des Novembers in Nordamerika per Saldo 28,6 Tonnen Gold, sodass der Trust-Bestand auf 202,4 Tonnen abschmolz. Bei SPDR Gold Shares ging es noch heftiger zu: Rückgang um 58,7 auf 883,9 Tonnen. Im Dezember ging der Abverkauf weiter, allerdings mit geringerem Volumen. Immerhin gibt es einen Goldstreif am Horizont: Die Spekulanten ziehen sich zurück, sie machen den langfristig orientierten Anlegern Platz.

Wenden wir uns der Zukunft zu. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Fed 2017 gleich drei Zinserhöhungen wagt, liegt nahe bei null; dafür ist die amerikanische Wirtschaft - allen gegenteiligen Bekundungen zum Trotz - einfach noch zu labil. Lässt Trump ein großes Konjunkturprogramm zur Sanierung der Infrastruktur auflegen, wird dies zeitversetzt mit einem Vorlauf von etwa zwei Jahren zum Auftrieb der Binnenwirtschaft führen. Derweil dürfte jedoch der amerikanische Export unter dem hohen Dollarkurs leiden. Allein schon der von vielen Bankern erwartete Dollarrückfluss in Richtung USA vonseiten internationaler US-Konzerne kann dieses Leiden erheblich verschlimmern. Und da will Fed-Chefin Yellen gleich drei Mal den Leitzins erhöhen? Sollte sie das auch nur ansatzweise wagen, würde sie sofort gefeuert.

Bei all der Zinsdiskussion wird in öffentlichen Runden und in den Medien seltsamerweise ein ganz wichtiger Aspekt kaum berücksichtigt: das globale Komplott mit dem Ziel, die Zinsen auf relativ niedrigem Niveau zu belassen. Der Begriff relativ schließt zwar nicht aus, dass der Leitzins - wie am vergangenen Mittwoch in Amerika geschehen - mal geringfügig erhöht wird. Aber in Anbetracht der gigantischen internationalen Schuldenberge dient eine solche Erhöhung eher dazu, die Gemüter zu beruhigen, als einen Zinstrend nach oben vom Zaun zu brechen.

Einen wichtigen Auslöser des Komplotts kann man im Kreditgeschäft der Banken finden. Ist Ihnen nicht auch aufgefallen, dass Bankaktien in letzter Zeit geradezu haussieren, und das bei einer noch bis vor Kurzem erbärmlich niedrigen Kreditzinsspanne? Die Ursache: Teil eins des Komplotts, das heißt, man lässt die Zinsen geringfügig steigen. Initiatoren sind dabei die führenden Zentralbanken: Fed, EZB, Bank of England, Bank of Japan u.a. Dadurch lohnt es sich für die Banken, wieder mehr Kredite zu vergeben; das soll die Wirtschaft ankurbeln. Teil zwei des Komplotts besteht dann darin, die Inflationsrate in Richtung 2 Prozent hochzutreiben (in Amerika hat sie dieses Niveau je nach Messlatte schon mehr oder weniger erreicht).

Ein niedriges Zinsniveau bei steigender Inflationsrate macht es den Schuldnern, allen voran den Staaten, besonders leicht, sich mit inflationiertem Geld zu entschulden. Denn der Realzins, also der Nominalzins abzüglich Inflationsrate, ist dann ja negativ - nur spüren die meisten Gläubiger (Sparer im weiteren Sinn) das nicht so schnell, weil sie gewohnt sind, in Nominalzinsen zu denken. Das heißt, sie geben sich mit 1 Prozent Verzinsung auf kurzfristiges Tagesgeld oder mit 2 Prozent auf langfristige Lebensversicherungen zufrieden.

Fassen wir zusammen, auch im Hinblick auf die weitere Entwicklung des Goldpreises: Steigende Anleiherenditen gehen konform mit fallenden Anleihekursen. Das ist für Anleger unter dem Strich ein Minusgeschäft. Es hat mit Gold insoweit zu tun, als sich in fallenden Anleihekursen auch das Misstrauen ins sogenannte Papiergeld widerspiegelt, also in den auf Schulden basierenden Antipoden des Goldes.

Der kürzliche Anstieg der Nominalzinsen verschafft den Banken Luft für ihr Kreditgeschäft. Derweil versuchen die Zentralbanken alles, um die Inflation in die Höhe zu treiben. Das führt zu negativen Realzinsen. Sowohl fallende Anleihekurse als auch negative Realzinsen sprechen für Gold als Schutz vor dem immer wertloser werdenden Papiergeld. Nur schlägt sich dies nicht im Goldpreis nieder. Noch nicht.


© Manfred Gburek
www.gburek.eu


Manfred Gburek ist neben seiner Funktion als Kolumnist privater Investor und Buchautor.



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