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Der Petrodollar - bedeutungslos für die Wirtschaft und den Goldpreis

18.03.2017  |  Steve Saville
In einem kürzlich auf Casey Research erschienenem Artikel wird die Meinung vertreten, der Petrodollar liege in den letzten Zügen und sein Tod werde - womöglich noch in diesem Jahr - massive Verwerfungen in der US-Wirtschaft und der Finanzwelt hervorrufen und zu einer Explosion des Goldpreises führen. Die Wahrheit ist jedoch, dass das letzte Stündlein des sogenannten "Petrodollars" wahrscheinlich noch nicht geschlagen hat. Selbst wenn es so wäre, hätte das keine dramatischen, wirtschaftlichen Folgen für die Vereinigten Staaten und den Rest der Welt.

Der Theorie vom "Petrodollar-System" zufolge haben die Regierungen der USA und Saudi-Arabiens 1974 eine Abmachung getroffen, in deren Rahmen sich die Saudis verpflichteten, ihren gesamten Ölhandel in US-Dollar abzuwickeln und auf andere OPEC-Mitglieder einzuwirken, damit diese das ebenfalls tun. Im Gegenzug sicherte die US-Regierung dem Saudi-Regime Unterstützung und Schutz zu. Dieser Theorie nach profitiert die US-Wirtschaft von dieser Übereinkunft, weil die Bepreisung von Öl in US-Dollar eine zusätzliche, weltweite Nachfrage nach US-Dollars und anderen US-Assets generiert.

Vielleicht gab es tatsächlich ein solches Abkommen, aber es gibt keinen Grund für die Annahme, dass es heute noch immer in Kraft wäre. Angesichts der Popularität des US-Dollars im internationalen Handel und der Größe der US-Wirtschaft ist eine Vereinbarung zwischen den Regierungen der beiden Staaten mehr nötig, um Saudi-Arabien einen Anreiz zu bieten, seine Ölexporte in Dollar abzuwickeln. Alles andere wäre ohnehin unpraktisch.

Doch selbst wenn es eine "Petrodollar"-Übereinkunft gab, die noch immer gültig ist, wäre das weitestgehend bedeutungslos, denn der internationale Ölhandel macht nur einen winzigen Bruchteil der globalen Geldströme aus.

Zur Erklärung: Die weltweite Ölproduktion beträgt ca. 96 Mio. Barrel pro Tag, doch nur ein Teil der Gesamtfördermenge wird grenzüberschreitend gehandelt. Der tägliche Ölverbrauch der Vereinigten Staaten beläuft sich beispielsweise auf ca. 19 Mio. Barrel, doch etwa 10 Mio. Barrel werden Tag für Tag im Inland produziert. Die USA importieren auf Nettobasis daher nur rund 9 Mio. Barrel am Tag. Die Gesamtmenge des international gehandelten Rohöls, welches die Nachfrage nach US-Dollars erhöhen könnte, wird auf etwa 50 Mio. Barrel pro Tag geschätzt.

Ausgehend von einem Handelsvolumen von 50 Mio. Barrel Rohöl am Tag und einem Preis von 50 $ je Barrel, ergibt sich auf das ganze Jahr hochgerechnet eine Summe von 900 Milliarden Dollar, die für internationale Ölgeschäfte verwendet werden. Anders gesagt beträgt der maximale positive Effekt, den das "Petrodollar-System" auf die globale Nachfrage nach dem US-Dollar haben kann, rund 900 Milliarden Dollar pro Jahr.

Nach Angaben der jüngsten Studie der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich belief sich das tägliche Handelsvolumen an den weltweiten Devisenmärkten per April 2016 auf durchschnittlich 5,1 Billionen Dollar. Der US-Dollar ist den Schätzungen zufolge an 88% all dieser Transaktionen beteiligt. Das bedeutet, dass im Währungshandel jeden Tag im Durchschnitt 4,5 Billionen US-Dollar den Besitzer wechseln.

Die schiere Menge an US-Dollars, die täglich an den globalen Währungsmärkten gehandelt wird - in erster Linie zu Investment- und Spekulationszwecken - ist also etwa fünfmal größer, als die Summe, die jährlich zur Abwicklung des internationalen Ölhandels verwendet wird. Aus diesem Grund ist der sogenannte "Petrodollar" praktisch bedeutungslos.

Daraus schlussfolgernd habe ich einen Vorschlag: Statt sich auf besonders ausgefallene Gründe für den Kauf von Gold zu konzentrieren, ist es sinnvoller, seine Aufmerksamkeit den vielleicht weniger spannenden, aber weitaus plausibleren Faktoren zu widmen, die dafür sorgen könnten, dass Goldinvestitionen sich wieder einer steigenden Beliebtheit erfreuen.


© Steve Saville
www.speculative-investor.com


Dieser Artikel wurde am 14. März 2017 auf www.tsi-blog.com veröffentlicht und exklusiv für GoldSeiten übersetzt.



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