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Wall Street in absurder Phantasiewelt: Warum die Gefahr täglich größer wird!

08.04.2017  |  Uli Pfauntsch
Als "Animal Spirits" (dt., animalische Instinkte) werden von der Finanzwelt irrationale Elemente im Wirtschaftsgeschehen, wie unreflektierte Instinkte, Emotionen und Herdentrieb bezeichnet. Mit der Wahl von Donald Trump sind diese animalischen Instinkte zum Leben erweckt worden.

Das zeigt sich etwa am Consumer Confidence Index, der im März mit 125,6 Punkten das höchste Niveau seit Dezember 2000 erreichte. Der Index misst, wie zuversichtlich der gewöhnliche Amerikaner die Wirtschaft und seine eigenen Finanzen beurteilt.

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Wie Bloomberg am 28. März berichtete, befinden sich die Erwartungen der Amerikaner, wonach U.S. Aktien weiter steigen werden, ebenfalls auf einem 17-Jahreshoch. Mehr als 47 Prozent der Befragten gaben an, dass sie den Aktienmarkt in den nächsten 12 Monaten höher sehen. Das entspricht dem höchsten Anleger-Optimismus seit Januar 2000. Was damals passierte, sollte uns eine Warnung sein: Kurz nachdem der Optimismus seinen Höhepunkt erreichte, markierte der Aktienmarkt im März 2000 sein Top und mündete in den darauffolgenden Bärenmarkt. Bis Oktober 2002 stürzte der S&P 500 um 49,1 Prozent ab.

Der Grund für den höchsten Anleger-Optimismus seit Januar 2000 ist der neue US-Präsident. Die Investoren greifen mit vollen Händen am Aktienmarkt zu, weil sie Trump für einen erfolgreichen Geschäftsmann halten, der viel Gutes tun wird - für Unternehmen, Arbeitsplätze und den gewöhnlichen Amerikaner. Seit seiner Wahl legten S&P 500, Dow Jones und Nasdaq um bis zu 15 Prozent zu. Es war eine der stärksten "Honeymoon-Rallyes" aller Zeiten. Im Nachhinein betrachtet, ist es nicht schwer zu erraten, was die Investoren derart aus dem Häuschen brachte. Schließlich hatte Trump versprochen, massiv Steuern zu senken, die Wirtschaft über ein gewaltiges Stimulus-Programm anzukurbeln und Regulierungen abzubauen.

Doch bekanntlich geht jeder Honeymoon einmal zu Ende. Irgendwann müssen die frisch Verliebten ihre Koffer packen und aus ihrem 5-Sterne Luxus-Ressort auschecken. Zuhause angekommen, müssen sie wieder an die Arbeit gehen und sich Sorgen über die Bezahlung ihrer Rechnungen machen. Spätestens dann sind sie wieder in der Realität angekommen. In genau dieser Phase befindet sich nun der Markt.

Das Problem ist, dass der neue Präsident unfähig ist, das Land zu regieren. Die Demokraten hassen Trump und nutzen jede Gelegenheit, ihm das Leben zur Hölle zu machen. Und auch aus den eigenen Reihen formiert sich Widerstand. Schon das gescheiterte Vorhaben über die Abschaffung und Ersetzung von Obamacare, war ein deutliches Signal, dass es Trump nicht gelingen wird, seine Versprechen einzulösen.


Statt "Fiscal Stimulus", "Fiscal Horrorshow"

David Stockman glaubt, dass der Markt in einem "La-La-Land" lebt, einer kompletten Phantasiewelt, in der Robo-Maschinen wie automatische Handelsalgorithmen jeden Tweet aufgreifen und nach dem stündlichen Sentiment handeln. Der ehemalige Haushaltsdirektor unter Reagan, hält das Obamacare-Debakel erst für einen kleinen Vorgeschmack zu dem, was uns über die kommenden Monate auf uns zukommt. Stockman glaubt, dass die versprochenen Steuersenkungen und der Stimulus nicht kommen werden - "nicht in einer Million Jahren" und schon gleich nicht bis August.

Grund ist der hoffnungslose Bankrott der US-Regierung: Das Congressional Budget Office (CBO) projiziert einen Anstieg des staatlichen Defizits auf 1,4 Billionen Dollar bis 2027. Das bedeutet, dass der bereits horrenden Staatsverschuldung von derzeit 20 Billionen Dollar noch mindestens 10 Billionen Dollar hinzugefügt würden. Diese "rosige" Schätzung basiert auch noch auf der absurden Annahme, dass es über eine Zeit von 206 Monaten (von Juni 2009 bis September 2027) keine Rezession in den USA geben wird, was in der Menschheitsgeschichte noch nie vorgekommen ist.

Die geplanten Steuersenkungen von Trump würden die Einnahmen der Regierung über das nächste Jahrzehnt um mindestens 4 Billionen Dollar reduzieren. Viele Abgeordnete fordern, dass diese fehlenden Einnahmen an anderer Stelle eingespart werden müssen. Die Frage ist nur, wo. Laut Stockman ist die schockierende Nachricht, dass die "bunte" Trump-Regierung buchstäblich unfähig ist, auch nur einen einzigen Dollar aus dem staatlichen Budget zu schneiden.

Im Klartext: Noch bevor es irgendeine Berücksichtigung von Ausgabekürzungen oder so genannten dynamischen Prognosen von Einnahme-Rückflüssen aus Steuersenkungen geben kann, müsste die Republikanische Partei eine Budget-Resolution verabschieden, die einen Anstieg der Staatsverschuldung auf mindestens 34 Billionen Dollar vorsieht und bis 2027 ein Defizit von 2,0 Billionen Dollar hinterlässt. Einen derart unverantwortlichen Haushaltsplan, ist sich Stockman sicher, werde der Kongress niemals durchwinken.

Indes wird die Haushaltslage zunehmend bedrohlicher. Laut Stockman schrumpft der Kassenbestand des Schatzamts um 3 bis 5 Milliarden Dollar pro Tag und wird bis Juni/Juli verbrannt sein. Es ist keinesfalls auszuschließen, dass es anstatt des "Fiscal Stimulus", der im Markt eingepreist ist, zu einer "Fiscal Horrorshow" kommt, die schlimmstenfalls im Government-Shutdown, also der Stilllegung der Regierung, resultiert.

Auf eine gelähmte Regierungsmaschinerie, die von politischem Konflikt und Dysfunktion bestimmt sein wird, ist der Markt nicht vorbereitet. Tatsächlich dürften wir uns auf ein völlig anderes Szenario zubewegen, wie es in den Märkten eingepreist ist.



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