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Überraschender Preisrutsch am Ölmarkt

20.04.2017  |  Eugen Weinberg
Energie

Der Ölpreis ist gestern um 4% gefallen. Der vielfach genannte überraschende Anstieg der US-Benzinlagerbestände taugt kaum als Erklärung nach dem am Vortag bereits ähnlich ausgefallenen API-Bericht. Vielmehr sollten massive Glattstellungen spekulativer Positionen dafür verantwortlich sein. Wir glauben, dass die OPEC selbst für die gegenwärtige Ernüchterung der Anleger mitverantwortlich ist, weil sie durch ihre Kommunikationspolitik die Erwartungen des Marktes massiv erhöht und den Fokus komplett auf die OPEC-Produktion gelenkt hat.

Es ist aus unserer Sicht sehr kurzsichtig, alles davon abhängig zu machen, ob es der OPEC gelingt, das Angebot künstlich knapp zu halten. Denn in Zukunft dürfte es mehr "Schwindel" innerhalb der OPEC geben. Auch die Kooperation der Nicht-OPEC-Länder wie Russland oder Kasachstan ist keineswegs sicher. Vor allem aber bestimmt die OPEC nicht mehr im Alleingang den Ölpreis. Aktuell erinnert die OPEC eher an einen Magier, der die Aufmerksamkeit des Publikums auf seine Hände lenkt (auf ihre Förderpolitik), während die Aktion anderswo stattfindet (beim Nicht-OPEC-Angebot).

Man sollte aber nicht enttäuscht sein, wenn die OPEC kein Kaninchen aus dem Hut zaubert. Natürlich kann noch ein "Wunder" geschehen und die OPEC-Produktion stark sinken, zum Beispiel weil finanzielle Schwierigkeiten in Venezuela oder Unruhen im Mittleren Osten und Nigeria die Produktion und entsprechend die Exporte dort beeinflussen oder aber der Iran wieder unter ein Ölembargo fallen könnte. Aber allein darauf bauen sollte die OPEC nicht. Die OPEC sollte ihre Strategie erneut umdenken und dem Markt deutlich mehr Zeit zur Bereinigung geben.


Edelmetalle

Obwohl der US-Dollar heute Morgen leicht abwertet und es gestern mit 1,5 Tonnen den zehnten Tageszufluss in Folge in die Gold-ETFs gab, handelt Gold am frühen Morgen noch unter 1.280 USD je Feinunze. Gestern gab Gold im Zuge eines etwas festeren US-Dollar rund 10 USD nach. Während die Gold-ETFs im ersten Quartal Zuflüsse von 56 Tonnen verzeichneten (siehe TagesInfo Rohstoffe vom 3. April), zeigte sich die Münznachfrage in den USA in den ersten drei Monaten des Jahres sehr verhalten.

Gemäß Daten der US-Münzanstalt wurde von Januar bis März mit 166 Tsd. Unzen fast ein Drittel weniger Goldmünzen verkauft als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Und auch im April fallen die Münzabsätze bislang schwach aus. Es wurden bisher lediglich 3,5 Tsd. Unzen abgesetzt, während im letzten Jahr der April einer der verkaufsstärksten Monate war (105,5 Tsd. Unzen).

Offenbar hat der Preisanstieg von Gold - im ersten Quartal ist Gold um fast 9% gestiegen und hat im April um weitere 2,5% zugelegt - viele Privatinvestoren in den USA abgeschreckt. Die Verkäufe von US-Silbermünzen brachen im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahr sogar um 46% auf 79,6 Mio. Unzen ein. Auch hier dürfte das erhöhte Preisniveau zur Kaufzurückhaltung beigetragen haben.

Die Schwäche der Goldmünzabsätze scheint sich vordergründig aber nur auf die USA zu beschränken. Denn die britische Münzanstalt zum Beispiel hat für das erste Quartal 20% höhere Verkäufe von Goldmünzen gemeldet.


Industriemetalle

Trotz der Stilllegung von Kapazitäten wurde die Stahlproduktion in China bis einschließlich März stark ausgeweitet. Wie das Nationale Statistikbüro kürzlich mitteilte, wurden im März rekordhohe 72 Mio. Tonnen bzw. 2,32 Mio. Tonnen Stahl pro Tag hergestellt. Die Stahlproduktion im ersten Quartal lag demnach mit 201,1 Mio. Tonnen 4,6% über dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum.

Auslöser für den Produktionsanstieg waren wohl die stark gestiegenen Stahlpreise, die zu entsprechend hohen Erträgen bei den Stahlherstellern führten. Der nächstfällige Futures-Kontrakt für Betonstahl an der SHFE in Shanghai hatte Mitte März mit fast 3.700 CNY je Tonne den höchsten Stand seit Dezember 2013 erreicht. Seitdem ist der Preis aber um 24% gefallen. Dies könnte die Stahlhersteller veranlassen, ihre Produktion zu drosseln. Damit würden die chinesischen Produzenten in den nächsten Monaten wohl auch nicht mehr so große Mengen Stahl exportieren.

Aufgrund der hohen inländischen Stahlpreise und hohen heimischen Stahlnachfrage für Infrastrukturprojekte - 2017 sollen zum Beispiel 35 neue Eisenbahnprojekte in Angriff genommen werden - lagen die Ausfuhren im ersten Quartal schon 25% unter dem Vorjahr. Noch stärker als Stahl sind die Eisenerzpreise gefallen. Seit Mitte März ist in Singapur ein Rückgang um 32% und in Dalian ein Rückgang um 37% zu beobachten. Für eine Tonne Eisenerz muss heute noch 61 USD bzw. 465 CNY bezahlt werden.

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Agrarrohstoffe

Im Winter notierte Raps in Paris zeitweise bei fast 430 EUR je Tonne. Seither ist der Preis unter die 400 EUR-Marke gesunken. Vor allem zog der in dieser Zeit um 10% nachgebende Sojabohnenpreis Raps mit nach unten. Aber auch am Rapsmarkt deutet sich eine Entspannung an: Da sich die Bestände weitgehend in gutem Zustand befinden, hat die EU-Kommission Ende März ihre Prognose für die EU-Rapsernte 2017 leicht angehoben und erwartet nun 22,55 Mio. Tonnen, ein Anstieg um 12,5% gegenüber Vorjahr. Zum einen ist die Rapsfläche um 4,4% größer, zum anderen waren die Erträge im letzten Jahr besonders niedrig. Andere Beobachter sind vorsichtiger als die EU-Kommission.

So bleiben die Analysten von Strategie Grains, Oil World und Coceral für 2017 deutlich unter 22 Mio. Tonnen. Anfang März hatte der EU-Bauernverband sogar unter 20 Mio. Tonnen prognostiziert. Für Deutschland rechnet die Kommission bei marginal größerer Fläche als 2016 mit einem Produktionsplus von 13% auf 5,2 Mio. Tonnen, der DRV erwartet aber nur 4,9 Mio. Tonnen.

In Frankreich soll die Produktion laut Kommission trotz 4% kleinerer Fläche um 6,5% auf 4,9 Mio. Tonnen steigen, in Polen - dem drittgrößten EU-Rapsproduzenten – bei 10% größerer Fläche um 19% auf 2,6 Mio. Tonnen. Noch bleibt abzuwarten, ob der neuerliche Kälteeinbruch in Teilen der EU in dieser Woche zu Schäden an den Winterfrüchten führt. In Kanada, dem zweitgrößten Anbieter nach der EU, steht laut Umfragen ebenfalls eine Ausdehnung der (Sommer-)Rapsfläche um 5% an.



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