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Craig Hemke: "Das ganze Kartenhaus wird zusammenbrechen"

18.05.2017  |   Mike Gleason
Mike Gleason: Heute habe ich das Vergnügen Craig Hemke von der Webseite TF Metals Report bei uns zum Interview begrüßen. Craig betreibt einen der angesehensten und bekanntesten Blogs in unserem Sektor und schreibt schon seit fast einem Jahrzehnt über die Edelmetallmärkte. Seine Berichte zu den Intrigen der Banken, den Unzulänglichkeiten des keynesianischen Wirtschaftssystems und den Beweisen für die Manipulation der Gold- und Silbermärkte zählen zu den Besten, die Sie im Internet finden werden. Craig, schön, dass Sie heute wieder unser Gast sind!

Craig Hemke: Hallo Mike, es ist mir immer ein Vergnügen. Danke für die Einladung.


Mike Gleason: Im Moment geben die Edelmetallkurse wieder nach. Wir hatten einen großartigen Start ins Jahr 2017, aber der Großteil der Gewinne hat sich in den verghttp://www.goldseiten.de/images/bold.gifangenen Wochen in Luft aufgelöst, insbesondere bei Silber. Das Muster scheint nur allzu vertraut. Das Open Interest am Silbermarkt hat ein neues Rekordhoch erreicht und die Bullionbanken haben neue Kontrakte an alle verkauft, die welche haben wollten, ohne sich darum sorgen zu müssen, all das Papier mit echtem Metall zu decken.

Die Preise fallen also, und die Banken haben kräftig nachgeholfen. Jetzt decken sie ihre Short-Positionen ein und machen dabei einen netten Gewinn. Das unterstreicht ein weiteres Mal, wie verfälscht und korrupt die Preisfindung an den Edelmetallmärkten ist. Mit diesem Thema beschäftigen Sie sich ja schon seit vielen Jahren. Vielleicht können Sie unseren Lesern und Zuhörern, die nicht mit den Manipulationsmechanismen vertraut sind, einmal kurz erklären, wie die Bullionbanken den Markt beeinflussen. Glauben Sie, dass den Banken irgendwann die Leute ausgehen, die noch bereit sind, in diesem betrügerischen Kasino zu spielen?


Craig Hemke: Ganz genau, Mike. Ich kann Ihnen sagen, dass es wirklich frustrierend war die Kursentwicklung mit anzusehen, denn wir wussten ja schon Ende März und Anfang April, was kommen würde, nicht wahr? Wie Sie schon gesagt haben, können die Banken, die mittlerweile wohl de facto die Marktmacher an der COMEX sind, einfach neue Kontrakte schöpfen und herausgeben. Diese bieten sie dann am Markt zum Verkauf an, d. h. sie selbst nehmen dabei eine Short-Position ein, während die Spekulanten, die Silberexposure wollen und bei Aufwärtstrends kaufen, die Long-Positionen einnehmen.

Statt den Handel auf eine bestimmte Menge an Kontrakten zu begrenzen, bestehen für die Banken keinerlei Einschränkungen. Sie können jede beliebige Anzahl an Kontrakten an die Spekulanten verkaufen. Und dann müssen sie einfach nur abwarten. Auf diese Weise haben sie das Open Interest kürzlich bis auf das Allzeithoch von 235.000 Kontrakten erhöht, was in etwa 1,15 Milliarden Unzen Papiersilber entspricht, die zu diesem Zeitpunkt an der COMEX gehandelt wurden. Die gesamte Silberproduktion der Welt beläuft sich dagegen auf weniger als 900 Millionen Unzen im Jahr.

Dieser Unsinn scheint außer uns und einigen anderen Edelmetallanlegern allerdings niemanden zu stören. Die Regulatoren, die US-Börsenaufsichtsbehörden CFTC und SEC und das Justizministerium, interessieren sich nicht im Geringsten dafür. Die Banken spielen dieses Spiel, weil es sichere Gewinne verspricht. Sie sitzen einfach da und geben so viele Short-Kontrakte heraus, wie sie benötigen, beispielsweise im Laufe von drei Wochen und zu Preisen zwischen 18 $ und 18,65 $.

Dann müssen sie nur noch darauf warten, dass die Spekulanten angesichts der fallenden Kurse das Weite suchen und ihre Positionen liquidieren, und schon können die Banken die Kontrakte zurückkaufen und ihre Shorts zu niedrigeren Preisen eindecken. Wenn sie dabei vielleicht einen Gewinn von einem Dollar je Unze machen und 20.000 Kontrakte halten, ist das jede Menge Geld. Ein Kontrakt entspricht immerhin 5.000 Unzen Silber. Aus diesem Grund spielen die Banken dieses Spiel. Sie wissen, dass sie die totale Kontrolle darüber haben.

Im April habe ich eine Reihe öffentlicher Artikel darüber geschrieben, was an den Edelmetallmärkten vor sich geht, und vorausgesagt, wie es leider wieder enden wird. Den letzten Beitrag habe ich so zusammengefasst: "Sehen Sie, wenn Sie immer noch naiv genug sind, es mit den Bullionbanken aufzunehmen, und wenn Sie denken 'Hey, ich kann Wellen zählen und bin schlauer als der durchschnittliche Trader. Ich werde am Terminmarkt einsteigen und den Banken zeigen, wer hier der Boss ist'.... Wenn Sie das glauben, dann verdienen Sie es nicht anders."

Wenn Sie nicht verstehen, mit welchen Kräften Sie es an den Edelmetallmärkten zu tun haben, dann verdienen Sie jeden einzelnen Dollar, den sie beim Handel mit Futures an der COMEX verlieren. Was nun all die anderen Gold- und Silberinvestoren betrifft, die über die Jahre hinweg ebenfalls unter den Manipulationen zu leiden hatten - das steht natürlich auf einem anderen Blatt. Ich glaube, wir sollten alle wütend, wenn nicht sogar etwas verbittert sein, weil sich in all den Jahren nichts geändert hat. Aber wenn Sie trotz allem immer noch glauben, Sie könnten beim Trading an den Terminbörsen gegen die Banken gewinnen, dann sind Sie wirklich selbst schuld an Ihren Verlusten.


Mike Gleason: Ja, da stimme ich Ihnen zu. Es wäre auf jeden Fall schön, wenn es weniger Spekulanten am Terminmarkt gäbe, die bereit sind, die andere Seite des Handels einzunehmen. Sollen die Banken ihr Spiel doch allein spielen.

Craig Hemke: Genau so ist es Mike. Es gibt immer noch mehr als genug Trader, die mit Gold- und Silberfutures handeln und das glauben, was sie bei CNBC und in anderen Medien hören - "so wird der Preis nun einmal gebildet." Auf diese Weise legitimieren sie den bestehenden Mechanismus und sorgen dafür, dass das Problem weiterhin existiert.

Die Terminkontrakte werden aus dem Nichts erschaffen und mit Lichtgeschwindigkeit zwischen den Computern hin- und hergetauscht. Sie handeln digitales Silber, wenn man es so nennen will. Mit physischem Silber hat das auch nicht mehr zu tun, als würde man Baseball-Sammelkarten handeln. Doch genau dieser Preis, der durch die uneingeschränkte Schöpfung digitaler Silberkontrakte entsteht, wird aus irgendeinem Grund auch als Preis für das physische Edelmetall akzeptiert.

Dabei gibt es keinerlei physische Komponente! Der Preis leitet sich nicht aus realem Angebot und realer Nachfrage ab, aus der Minenproduktion oder den Verkäufen im Einzelhandel oder jedem anderen Grund, den die Marktbeobachter im Allgemeinen für die sinkenden Kurse anführen.

Anschließend verjagen sie die Spekulanten und es klingelt in der Kasse. Es geschieht immer und immer wieder. Zumindest für den Moment ist es aber wahrscheinlich erst einmal vorbei. Der Silberkurs ist vor Kurzem bis auf 16 $ gefallen und dieses Preisniveau stellte in der Vergangenheit eine stabile Unterstützungslinie dar. Vermutlich ist es nun an der Zeit für eine Erholungsrally. Ich kann Ihnen jedoch garantieren, dass die Banken da sein werden, um exakt das gleiche Spiel zu wiederholen, wenn der Silberpreis später in diesem Jahr erneut steigt. Genau das meine ich, wenn ich davor warne, Futures oder Optionsscheine zu handeln. Die Karten sind gezinkt. Es ist kein faires Spiel und Sie sollten sich davon fernhalten.



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