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Risikoaversion und Dollarschwäche im Blickpunkt

18.05.2017  |  Eugen Weinberg
Energie

Brentöl handelt am Morgen bei 52 USD je Barrel. Gestern Nachmittag war der Preis nach der Veröffentlichung der US-Lagerdaten zwischenzeitlich bis auf 52,6 USD gestiegen. Die US-Rohöllagerbestände sind in der letzten Woche laut US-Energieministerium um 1,75 Mio. Barrel gefallen. Dies war der sechste Lagerabbau in Folge. Da das API am Vorabend einen Anstieg der US-Rohölvorräte berichtet hatte, reagierten die Ölpreise positiv auf die Lagerdaten.

Die deutlich gestiegene Risikoaversion an den Finanzmärkten hatte bislang erstaunlich wenig Auswirkungen auf die Ölpreise. Denn diese geht mit einem schwächeren US-Dollar einher, was die negativen Auswirkungen auf die Marktstimmung kompensiert. Zudem richtet sich das Augenmerk der Marktteilnehmer zunehmend auf die OPEC-Sitzung heute in einer Woche.

Sollte die OPEC wie allgemein erwartet eine Verlängerung der Produktionskürzungen zumindest bis zum Jahresende beschließen und diese auch weitgehend umsetzen, wäre der globale Ölmarkt im zweiten Halbjahr deutlich unterversorgt. Die kommerziellen Lagerbestände in den OECD-Ländern würden dann wie von der OPEC beabsichtigt bis zum Jahresende auf den 5-Jahresdurchschnitt zurückkehren.

Die Einhaltung der Produktionskürzungen durch die OPEC-Länder dürfte wegen des weiteren Verlustes von Marktanteilen an die US-Schieferölproduzenten allerdings bröckeln. Daher rechnen wir mit einer steigenden OPEC-Produktion im Jahresverlauf, was die Ölpreise wieder unter Druck setzen würde (siehe Rohstoffe kompakt Energie: OPEC vor Verlängerung der Produktionskürzungen vom 17. Mai).


Edelmetalle

Der schwache US-Dollar bzw. starke Euro - der EUR-USD-Wechselkurs notiert auf einem 6-Monatshoch - gibt den Edelmetallpreisen weiterhin Unterstützung. Der US-Dollar neigt wegen des politischen Chaos in den USA und der sich häufenden Skandalmeldungen über den US-Präsidenten Trump zur Schwäche. Im Zuge dessen ist auch die Risikoaversion merklich gestiegen. Daneben weist der Euro eine gewisse Stärke auf, da zum einen das Vertrauen in die Euroraum-Konjunktur zunimmt.

Zum anderen erwartet die Mehrheit der Marktteilnehmer mittlerweile eine erste Zinserhöhung der EZB vor Mitte 2018 - eine Einschätzung, die unsere Volkswirte nicht teilen. Gold profitiert von dieser Gemengelage und steigt heute Morgen auf ein 2½-Wochenhoch von über 1.260 USD je Feinunze. Es hat gestern zudem die charttechnisch wichtige 200-Tage-Linie überwunden, was zusätzlichen Auftrieb gab. Im Fahrwasser von Gold wurde Silber mit nach oben gezogen und hat zeitweise wieder die Marke von 17 USD je Feinunze überwunden.

Unterdessen wird offenbar ein in den letzten Wochen sehr beliebter Trade - Kauf Palladium und Verkauf Platin - rückabgewickelt. Während Platin seit einigen Tagen zulegt, steht Palladium zunehmend unter Druck. Gestern stand zeitweise ein Minus von 2% zu Buche.

Die Preisdifferenz zwischen Platin und Palladium hat sich im Zuge dessen wieder auf rund 160 USD je Feinunze ausgeweitet. An der Comex bestanden in der letzten Berichtswoche bei Platin rekordhohe Netto-Short-Positionen, während die Netto-Long-Positionen bei Palladium noch nahe dem Allzeithoch lagen. Bei beiden Edelmetallen war daher von dieser Seite mit einer Gegenbewegung zu rechnen.

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Industriemetalle

Eine höhere Risikoaversion der Marktteilnehmer, die sich unter anderem in fallenden Aktienmärkten widerspiegelt, führt heute Morgen zu sinkenden Metallpreisen. Kupfer gibt um fast 2% auf 5.500 USD je Tonne nach, Nickel und Blei verlieren jeweils rund 1,5%. Die gestiegenen Häuserpreise in China geben den Metallpreisen keine Unterstützung. Laut Angaben des Nationalen Statistikbüros sind die Immobilienpreise im April im Vergleich zum Vorjahr um 12,6% gestiegen, etwas weniger stark als im März.

Unsere Volkswirte sind der Meinung, dass gerade in den erstrangigen Städten des Landes die Preise ihren Zenit überschritten haben. Die von der Regierung und der Zentralbank eingeführten Beschränkungen auf dem Immobilienmarkt und die verschärften Regulierungen im Bankensektor würden immer mehr ihre Wirkung entfalten. Die erwartete weitere Verlangsamung dürfte auch das Wirtschaftswachstum in den nächsten Quartalen dämpfen und könnte die Metallnachfrage negativ beeinflussen.

Nach zweimonatigem Rückgang ist der Eisenerzpreis in Singapur gestern um 3,4% nach oben gesprungen. Er gibt heute Morgen aber bereits wieder nach und handelt im nächstfälligen Futures-Kontrakt bei 61 USD je Tonne. Wir sehen nach wie vor Korrekturpotenzial, da der seewärtige Markt überversorgt ist. Während das Angebot in den nächsten Jahren vor allem aus Australien und Brasilien weiter steigen wird, lässt die chinesische Importdynamik nach.


Agrarrohstoffe

Der deutlich schwächere US-Dollar gab den Preisen für Weizen, Mais und Sojabohnen trotz überwiegend negativer Nachrichtenlage Unterstützung und verhinderte somit einen Preisrückgang. Dazu kommt es allerdings heute. Mais und Sojabohnen geben um mehr als 1% nach, Weizen etwas weniger. Auf Mais lastet der rasche Aussaatfortschritt in den USA (siehe TagesInfo Rohstoffe von gestern), auf Sojabohnen die gerade eingebrachte Rekordernte in Brasilien. Hinzu kommt ein gegenüber dem schwachen US-Dollar fallender Brasilianischer Real, welcher das auf den Markt drückende Sojabohnenangebot aus Brasilien für internationale Käufer billiger macht.

Heute Nachmittag werden die wöchentlichen Exportdaten des US-Landwirtschaftsministeriums Aufschluss darüber geben, ob sich die Nachfrage nach US-Agrarprodukten in der letzten Woche erholt hat. In der vorherigen Berichtswoche waren die Netto-Exportverkäufe von Weizen und Mais auf die niedrigsten Niveaus im laufenden Erntejahr gefallen.

Bei Weizen war es wegen größerer Stornierungen sogar zu negativen Netto-Verkäufen gekommen. Angesichts aktuell sehr hoher Netto-Short-Positionen unter den kurzfristig orientierten Marktteilnehmern bei allen drei Agrarprodukten sollte der Großteil an preisbelastenden Nachrichten bereits eingepreist sein, so dass wir nicht mehr mit einem weiteren merklichen Abrutschen der Preise rechnen. Sollte es zu Short-Eindeckungen kommen, könnten die Preise innerhalb kurzer Zeit auch kräftig steigen.



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