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Das Komplott der Schuldensünder

11.06.2017  |  Manfred Gburek
Was steckt wirklich hinter der Geldpolitik der EZB? Nichts weniger als das: Ein Komplott der Euro-Schuldenländer, die im EZB-Rat die Mehrheit stellen. Das sagt zwar niemand in der Öffentlichkeit, aber die Abstimmungsergebnisse sprechen eindeutig dafür. So auch am vergangenen Donnerstag aus Anlass der Ratssitzung im estländischen Tallinn - mit der pikanten Note, dass Volkswirte und sonstige Kommentatoren sich mehr mit einem fehlenden Halbsatz im EZB-Statement als mit den Kernaussagen von Mario Draghi beschäftigten.

Der in den vorangegangenen Ratssitzungen stets wiederholte Halbsatz hatte besagt, die EZB werde die Zinsen bei Bedarf weiter senken. Jetzt ist er weg, einfach so aus dem Programm gestrichen. Na und? Die extrem lockere Geldpolitik mit dem weiteren Aufkauf von Anleihen wird mindestens bis zum Jahresende fortgesetzt, gegebenenfalls noch länger. Das ist entscheidend.

Doch nun zur Sache. Draghi schießt sich zunehmend auf die Inflationsrate ein. Sie liegt derzeit bei 1,5 Prozent und soll nachhaltig auf etwas unter 2 Prozent steigen. Wird sie danach dort etwa einfach angebunden? Gelänge dies, müssten alle Bücher zur Geldpolitik neu geschrieben werden. Natürlich wird es nicht gelingen. Aber warum tauchen dann die 2 Prozent immer wieder in offiziellen Verlautbarungen der EZB auf? Die plausibelste Antwort: Weil dieser faule Zauber Präzision widerspiegeln soll. Durch ihr Inflationsziel passt die EZB sich angelsächsischen Gepflogenheit an - mit dem Nebeneffekt, dass Deutschland geldpolitisch nach und nach erst isoliert und dann zum Mitmachen genötigt wird.

Wie soll das alles weitergehen? Die Isolierung findet bereits statt, was darauf hinausläuft, dass der Großteil der anderen Euroländer von Deutschland Zugeständnisse erpresst, sei es beim Abtragen des italienischen Schuldenbergs, sei es bei den Griechenland-Hilfen. Das geht deshalb so einfach, weil die Schuldensünder im EZB-Rat die Mehrheit stellen und weil jedes Ratsmitglied eine Stimme hat, das kleine Malta mit demselben Gewicht wie das große Deutschland.

Der Kauf von Staatsanleihen durch die EZB verwischt die Grenze zwischen Geld- und Fiskalpolitik. Die Notenbanken des Eurosystems sind die größten Gläubiger der Euroländer. Dadurch wächst vonseiten dieser Länder der Druck auf das ganze System, mit der extrem lockeren Geldpolitik einfach fortzufahren, sich also dem Schulden-Schlendrian zu ergeben. So wird aus Maßnahmen, die ursprünglich vor allem der Krisenbewältigung dienen sollten, eine Dauereinrichtung - mit dem Nebeneffekt, dass der Zins seine disziplinierende Wirkung verliert.

Dazu ließ Bundesbank-Präsident Jens Weidmann eine interessante Zahl ermitteln: Ausgehend vom Zinsniveau im Jahr 2007, haben die Euroländer allein aufgrund der gefallenen Zinsen bis heute 1 Billion Euro gespart. Die ganze Brisanz, die dahinter steckt, wird dadurch belegt, dass gleich drei große Euroländer - Frankreich, Italien und Spanien - die Zinsersparnis für neue Ausgaben statt für die Tilgung ihrer Schulden genutzt haben.

Insofern relativieren sich auch die vollmundigen Versprechen des neuen französischen Präsidenten Emmanuel Macron, der wortreich eine Art neues Europa beschwört. Daraus wird zumindest so lange nichts, bis nach der einen oder anderen europäischen Wahl auch der Deutsche Bundestag im September gewählt ist.

Die Zeit bis dahin wird mehr von der großen Politik als von geldpolitischen Erwägungen geprägt sein. Auch nach der Britenwahl vom Donnerstag und nach den ausschweifenden Machtkämpfen zwischen US-Präsident Donald Trump und seinen Gegnern werden die politischen Unruhen anhalten. Das Feri-Institut bringt sie so auf den Punkt: "Isolationistische und nationalistische Tendenzen in Großbritannien und in den USA sind nach dem islamistischen Fundamentalismus die größte geopolitische Gefahr für die westliche Welt."

Aus dieser Entwicklung lassen sich zwar keine unmittelbaren Schlüsse zu Ihrer Anlagepolitik ziehen, aber zumindest ein paar wichtige Erkenntnisse gewinnen, die verhindern, dass Sie total auf dem falschen Fuß erwischt werden. Dazu gehört zuvorderst die an dieser Stelle schon mehrfach genannte Risikostreuung in Tagesgeld, Gold und Silber, Aktien und - bei großen Vermögen - ein Haus oder eine Wohnung für den Eigenbedarf. Die jeweilige Gewichtung sollte davon abhängen, wie teuer oder wie preiswert eine Anlageklasse gerade ist.

Aber was bedeutet teuer oder preiswert? Nähern wir uns der Antwort ganz pragmatisch. Zum Beispiel lässt sich Tagesgeld derzeit mit Fug und Recht als teuer bezeichnen, weil es - ähnlich wie Anleihen - so gut wie keine Zinsen abwirft. Es gibt allerdings eine Überlegung, die unabhängig von der Zinshöhe für Tagesgeld spricht: Sollten die Aktienkurse einbrechen, können Sie umso günstiger auf Schnäppchenjagd gehen, je mehr Tagesgeld Ihnen dafür zur Verfügung steht. Diesen Gedanken kann man auch auf das Verhältnis zwischen einerseits Gold und Silber, andererseits Tagesgeld übertragen - ja sogar auf Immobilien und Tagesgeld, nur dass Immobilien gerade viel zu teuer sind.

Wie steht es um die Preiswürdigkeit von Gold und Silber? Klare Antwort: Beide Edelmetalle sind aktuell preiswert, wenn man davon ausgeht, dass die Kaufkraft des sogenannten Papiergeldes langfristig gegen Null tendiert und Gold wie auch Silber ihre Kaufkraft erhalten.

Einer der Knackpunkte ist indes der Faktor Zeit: Solange die Inflationsrate als Indikator für die Schwindsucht des Papiergeldes ihr jetziges relativ niedriges Niveau in den wichtigsten Ländern beibehält, lässt der nächste Preisaufschwung der Edelmetalle auf sich warten. Es sei denn - und das ist der wichtigere zweite Knackpunkt -, die vom Feri-Institut befürchteten Tendenzen entladen sich in einer neuen Finanzkrise, die allein schon wegen der stark wachsenden Schuldenberge ohnehin längst fällig ist. Es gilt also, weiterhin auf Gold und Silber zu setzen und Geduld zu bewahren.

Mit der Geduld hat es etwas Besonderes auf sich: Sie umfasst den Faktor Zeit. Das heißt, je weiter die Zeit fortschreitet, desto mehr wird Ihre Geduld strapaziert. Auf die Geldanlage bezogen: Wenn Sie für Ihren Anlageerfolg zehn Jahre warten müssen, mag Ihr Gewinn noch so hoch sein, auf die Rendite pro Jahr bezogen, sieht er dann doch nicht ganz so toll aus. Dieser Zusammenhang spricht dafür, vor jedem Engagement - egal, in welcher Anlageklasse - so gründlich wie möglich zu recherchieren.

Doch zugegeben, das fällt besonders bei Gold und Silber schwer, weil hier Kennzahlen zur Bewertung, anders als zum Beispiel bei Aktien oder Anleihen, eher spärlich vorhanden sind. Lassen Sie sich aber auf keinen Fall zum Edelmetall-Trading verführen. Dann doch lieber Geduld bewahren, auch wenn sie - wie zuletzt in den Jahren von 2011 bis 2015 - arg strapaziert wird. Das kann sich ja, wie wir in den ersten Monaten 2016 gesehen haben, schnell ändern.

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© Manfred Gburek
www.gburek.eu


Manfred Gburek ist neben seiner Funktion als Kolumnist privater Investor und Buchautor.



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