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Jim Rickards: Gold, Blockchain und der Niedergang des Dollars

28.06.2017  |   Mike Gleason
Mike Gleason: Ich habe heute das Vergnügen, James Rickards wieder zu einem Interview begrüßen zu dürfen. Mr. Rickards ist der Herausgeber des monatlichen Newsletters "Strategic Intelligence" und der Leiter des James Rickards Project, das sich mit der komplexen Dynamik geopolitischer Entwicklungen und globaler Kapitalflüsse beschäftigt.

Zudem ist er der Autor mehrerer Bestseller, darunter "Die Geldapokalypse: Der Kollaps des internationalen Geldsystems", "Währungskrieg: Der Kampf um die monetäre Weltherrschaft", "Gold: Wie Sie sich vor Inflation, Zentralbanken und finanzieller Repression schützen" und sein neustes Buch "Der Weg ins Verderben: Wie die Eliten die nächste Krise vorbereiten und wie Sie sich davor schützen können".

Darüber hinaus ist Mr. Rickards als Portfoliomanager und Anwalt tätig und wurde als renommierter Ökonom u. a. von CNBC, BBC, Bloomberg und CNN interviewt. Jim, schön, dass Sie heute wieder bei uns sind. Wie geht’s?


Jim Rickards: Gut Mike, danke. Vielen Dank für die Einladung.


Mike Gleason: Beginnen wir heute einmal mit der Geldpolitik. Wie allgemein erwartet wurde, hat die US-Notenbank Federal Reserve den US-Leitzins, die Federal Funds Rate, um 0,25% angehoben. Während der Sitzung sagte die Vorsitzende Janet Yellen jedoch auch, dass sie die Bilanz der Fed normalisieren möchte. Das bedeutet, dass die Notenbank jeden Monat Finanzassets im Wert von 50 Milliarden $ auf den Markt werfen könnte.

Sie kritisieren die Fed und ihre Geldpolitik ja schon seit vielen Jahren sehr offen. Wie schätzen Sie die Notenbanker ein? Glauben Sie, dass diese ihren Worten tatsächlich Taten folgen lassen und die Staatsanleihen und anderen Finanzwerte abverkaufen werden, die mit einem Wert von mehr als 4 Billionen $ in den Büchern der Fed stehen? Und wenn ja, wie würden die Märkte darauf reagieren, einschließlich des Goldmarktes?


Jim Rickards: Ich denke, die Notenbanker meinen das durchaus ernst. Es ist allerdings wichtig, die Funktionsweise der Fed zu verstehen, denn sie wird die Staatsanleihen nicht verkaufen, ihre Bilanz aber dennoch um 2-2,5 Billionen $ reduzieren. Zur Erklärung möchte ich einen kurzen Überblick geben: Vor der Finanzkrise von 2008 belief sich die Bilanzsumme der Fed auf etwa 800 Milliarden $. Infolge der quantitativen Lockerungen (QE1, QE2, QE3) und all der anderen Maßnahmen, die die Notenbank unterdessen ergriffen hat, ist die Bilanz auf 4,5 Billionen $ angewachsen.

Wenn die Fed ein Hedgefonds wäre, hätte sie übrigens eine Leverage von 115:1. Sie wäre ein wirklich schlechter Hedgefonds. Die Fed hat etwa 40 Milliarden $ Eigenkapital und 4,5 Billionen $ an Assets, größtenteils US-Wertpapiere verschiedener Art. Das Verhältnis ihrer Finanzwerte zum Eigenkapital liegt also deutlich über 100:1.

Wenn man die Bilanz entsprechend des Marktwertes ihrer Assets bewerten würde, wäre die Fed technisch gesehen manchmal insolvent. Nicht immer, denn das hängt vom jeweiligen Zinsniveau ab, aber manchmal. Würde man den Marktwert ansetzen, hätte die Fed zeitweise ein negatives Eigenkapital. Jede andere Institution wäre dann im Grunde genommen pleite. Das zeigt, wie hoch die Leverage ist, und wie extrem die Situation ist.

Die Notenbanker wollen die Bilanz nun auf eine Summe reduzieren, die sie als normal betrachten. "Normal" ist natürlich völlig subjektiv. Es gibt keine wissenschaftliche Formel mit der sich kalkulieren ließe, was normal ist. Die Fed kann sich also am Jahr 2008 orientieren, als die Bilanz noch 800 Milliarden $ betrug, und ausrechnen, wie hoch die Summe 2017, 2018 oder 2019 wäre, wenn sich die Bilanz damals weiterhin im gleichen Tempo wie zuvor erhöht hätte. Auf diese Weise erhält sie einem Wert von ca. 2 Billionen $.

Sie muss und wird die Bilanz also gar nicht auf 800 Milliarden $ reduzieren, sondern wird wahrscheinlich nur eine Verringerung auf etwa 2,5 Billionen $ anstreben. Das heißt, dass sie die Bilanz um mindestens 2 Billionen $ reduzieren muss, um zum Normalzustand zurückzukehren.

Wie wird sie das tun? Die Notenbanker werden, wie gesagt, keine Anleihen verkaufen, sondern diese einfach auslaufen lassen. Was passiert, wenn Sie vor fünf Jahren eine Staatsanleihe gekauft haben, die heute fällig ist? Das Finanzministerium überweist Ihnen Ihr Geld, wie bei jeder Anleihe. Sie müssen die Anleihe nicht verkaufen oder überhaupt irgendetwas damit tun. Die Gegenpartei kennt Ihre Bankdaten und das Geld taucht einfach auf Ihrem Konto auf. Bei der Fed ist das nicht anders. Die Notenbank hält all diese kurz-, mittel- und langfristigen US-Treasuries, Hypotheken usw. Wenn diese fällig werden, überweist das Finanzministerium der Fed einfach das entsprechende Geld.

Warum ist die Bilanz dann bislang noch nicht gesunken? Weil die Fed den Erlös wieder investiert hat. Immer, wenn beispielsweise eine 5-jährige US-Staatsanleihe fällig wurde, hat die Fed sie mit einer neuen 5-jährigen Anleihe ersetzt. Auf diese Weise hat sie die Bilanz konstant gehalten. Während der QE-Programme hat die Notenbank mehr als das getan. Sie hat nicht nur ihre bestehenden Assets immer wieder verlängert, sondern neue Wertpapiere dazugekauft - mit Geld, das aus dem Nichts erschaffen wurde.

Falls einige von Ihnen nicht mit dem Geldschöpfungsprozess vertraut sind, will ich ihn ganz kurz erklären. Die Federal Reserve ruft einen sogenannten "Primary Dealer" an, d. h. eine Großbank wie Goldman Sachs, City, JP Morgan und die anderen üblichen Verdächtigen, und sagt, "bietet mir Treasuries mit einer Laufzeit von fünf oder zehn Jahren an, ganz egal." Der Händler bietet die Schuldpapiere zu einem bestimmten Preis an, die Fed ist einverstanden und die Bank liefert die Treasuries.

Die Fed bezahlt dafür, aber das Geld kommt buchstäblich aus dem Nichts. Wenn Sie oder ich Staatsanleihen von Merrill Lynch oder Goldman Sachs kaufen wollen, müssen wir sie mit echtem Geld von unserem Makler- oder Bankkonto bezahlen. Wenn die Fed Anleihen kauft, schöpft sie einfach neues Geld.

Das waren also die quantitativen Lockerungen - Gelddrucken, um Anleihen zu kaufen und die Bilanz zu erhöhen. Dieses neu geschöpfte Geld floss ins Bankensystem. Die Banken haben damit natürlich nichts anderes gemacht, als es der Fed in Form von Überschussreserven zurückzugeben. Auf diese Reserven erhielten sie Zinsen.


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