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Gold, Silber und die Kurzsichtigkeit der breiten Masse

29.06.2017  |  The Gold Report
In den letzten Tagen und Wochen bin auf dem Schiff der öffentlichen Meinung langsam aber sicher nach steuerbord gewandert, wo die erfahreneren Veteranen (d. h. die "Alten") üblicherweise landen. Mit Blick auf die Investmentwelt bedeutet das, dass ich nun offiziell unter die Zyniker gegangen bin. Sich eine leicht zynische Weltsicht zuzulegen hat eine Reihe eindeutiger Vorzüge. Einer davon ist die schon fast unheimliche Fähigkeit, den "Bullshit-Radar" immer eingeschaltet zu lassen, während ein eklatanter Nachteil darin besteht, dass man Chancen verpasst, die man vielleicht genutzt hätte, als man noch jünger und unbeirrbar optimistisch war.

Ich möchte Ihre Aufmerksamkeit an dieser Stelle auf den 16. Oktober 1962 lenken. Das war eine Zeit, in der die Welt wie auf glühenden Kohlen saß und nervös auf die beiden mit Atomwaffen ausgestatteten Supermächte blickte, die einer militärischen Auseinandersetzung gefährlich nahe waren. Diese als Kubakrise bekannten zwölf Tage (falls Sie zu jung oder zu ungebildet sind, um das zu wissen) fühlten sich an wie mehrere Monate. US-Präsident Kennedy und der sowjetische Premierminister Chruschtschow starrten sich über den grünen Filz des thermonuklearen Pokertischs hinweg an und warteten auf das "Blinzeln", das den Krieg vermeiden konnte und sollte, von dem viele glaubten, dass es der letzte sein würde.

Ich war damals neun Jahre alt und stieg im Eishockey gerade von der Stadtteilsliga in die Metro Toronto Hockey League auf. Während der Fahrt zu einem der Wettkämpfe, die alle zwei Wochen im Großraum Toronto stattfanden, fragte ich meinen Vater: "Dad, wenn die Amerikaner und die Russen einen Krieg anfangen, wird das dann das Ende der Welt sein?"

Die Antwort, die ich von ihm bekam, ist mir fest in Erinnerung geblieben und ich habe sie mein ganzes Leben lang in meinem Gedächtnis bewahrt, denn sie illustriert die Tendenz zur Überheblichkeit und Anmaßung, die unsere Spezies schon in ihrer gesamten Geschichte an den Tag legte.

"Mein Sohn", sagte er, "zuerst einmal haben die Yankees und die Russkies viel zu viel Angst vor einem Krieg, denn sie wissen, dass es keinen Sieger geben wird. Zweitens wird die die 'Welt' keinesfalls enden, selbst wenn es zum Krieg kommt. Die Menschheit wird vielleicht ausgelöscht und mit ihr wahrscheinlich zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, aber der Planet wird sich anpassen und darauf einstellen und auch dann noch voller Leben sein, wenn die Menschheit längst verschwunden ist."

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Die Antwort meines Vaters fügt sich sehr schön in meinen neu entdeckten Zynismus ein, denn sie hilft, das allgemein akzeptierte Narrativ zu umgehen und die verschiedenen Ausprägungen der Voreingenommenheit zu erkennen, die heute fest in unseren Gedanken und folglich auch in unserem Verhalten verankert sind.

Durch die Geschichte zu streifen und dabei zu glauben, dass die Menschheit das Nonplusultra des Lebens auf der Erde sei, ist wissenschaftlich betrachtet so egozentrisch, wie es nur geht. Das soll nicht heißen, dass unsere Bemühungen, die globale Selbstvernichtung zu verhindern, nutzlos sind, doch diese Sichtweise unterstellt, dass nur die Menschheit die Macht hat, das Steuer herumzureißen und den Kurs zu ändern.

Wenn wir das nun auf das Investmentklima im Jahr 2017 übertragen, so kann ich mir definitiv eine schönere, freundlichere Zeit vorstellen. Eine Zeit, bevor sich die Regierung in alles einmischte, bevor die Zentralbanken Finanzassets in rauen Mengen aufkauften, bevor das Plunge Protection Team oder der Londoner Goldpool ins Leben gerufen wurden oder sogar bevor die Südseeblase entstand.

Ich kann mir eine Zeit vor Supercomputern und Algorithmen und Bitcoin vorstellen, in der Vermögen noch in Ackerland, Pferden und Gold gemessen wurde, und in der sich der Staat aus dem Handel und aus Dienstleistungsgeschäften heraushielt und Kapital automatisch zu den Unternehmen floss, die aufgrund ihres freien Cashflows und ihrer Rentabilität als die effizientesten angesehen wurden.

Wie bei der Verfassung der Vereinigten Staaten oder dem kanadischen Verfassungsgesetz von 1867 ist es die rohe Einfachheit eines Dokuments, die es ihm erlaubt, über Verfälschungen erhaben zu sein und sich den Eigeninteressen derjenigen zu entziehen, die seinen Inhalt zu ihrem Nutzen ändern wollen. In dieser Situation finde ich mich heute, im Sommer 2017 wieder.


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