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Inside EZB: Die ganze Wahrheit

23.07.2017  |  Manfred Gburek
Da hat Mario Draghi am vergangenen Donnerstag wieder mal allen gezeigt, wer der Herr im Hause EZB ist. Das bedeutet: Der Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik lässt - allen anders lautenden vorherigen Spekulationen zum Trotz - noch länger auf sich warten. Frühestens im Herbst wird entschieden, wie es weiter geht; bis dahin bleibt alles beim Alten: 0 Prozent Leitzins, 0,4 Prozent Strafzins für Banken, die Geld bei der EZB parken, und Fortsetzung des Anleihenkaufs in Höhe von monatlich 60 Milliarden Euro mindestens bis zum Ende dieses Jahres.

Draghi verbittet sich sogar die Diskussion über das Inflationsziel von etwas unter 2 Prozent. Was darunter liegt, gilt als unerwünscht und muss sich ändern, egal wie, basta.

Das alles bietet ausreichend Gelegenheit, zum Kern der Wahrheit vorzudringen. Wie? Ganz einfach: Indem man Insider, von denen es in der EZB genug gibt, hinter vorgehaltener Hand zu Wort kommen lässt. Was sie zu sagen haben, entspricht nicht immer Draghis glatten Worten und ist gerade deshalb so spannend. Hier sind die interessantesten Informationen:

Die EZB verfügt weder über eine konkrete Strategie zur Begründung eines späteren Ausstiegs aus ihrer lockeren Geldpolitik noch über ein Konzept, mit dem sich verhindern ließe, dass die EZB immer mehr zum Gläubiger der Euroländer wird. - Ob die Geldpolitik dazu taugt, das Inflationsziel zu erreichen, bleibt äußerst fraglich, weil es durch nichts stichhaltig begründet werden kann. - Angenommen, die Inflationsrate steigt in die Gegend um 2 Prozent, wird es in der EZB zu einer heißen Diskussion über die Nachhaltigkeit des Anstiegs kommen, mit dem Ergebnis, dass die 2 Prozent einfach für noch nicht nachhaltig erklärt werden. - Daraus ergibt sich: Das Inflationspotenzial wird umso größer, je länger die Befürworter des Nachhaltigkeits-Arguments sich im EZB-Rat durchsetzen, an vorderster Stelle Draghi selbst.

Entgegen anderslautenden Informationen ist eine Erhöhung des Anleihenkaufprogramms jederzeit möglich. - Da die Notenbanken des Eurosystems inzwischen die größten Gläubiger der Euroländer sind, besteht allergrößte Gefahr, dass der politische Druck auf die EZB zunimmt. - Dass der Kauf von Staatsanleihen durch die EZB die Gefahr einer Deflation, also des Gegenteils der Inflation, verhindern kann, gehört ins Reich der Fabel. - Das ganze Eurosystem ist bis heute für jegliche Krisen anfällig, weil dessen Mitgliedsstaaten die Souveränität über die Wirtschafts- und Finanzpolitik behalten haben und sich deshalb ungestraft zum Beispiel exorbitant hohe Schulden leisten können.

Die Gemeinschaftshaftung ist zum Teil schon längst Realität. - Um sie nicht ausarten zu lassen, bieten sich zwei Verfahren an: Entweder die Euroländer europäisieren ihre Wirtschafts- und Finanzpolitik, oder die Maastricht-Verträge werden von Grund auf reformiert. - Beide Verfahren haben erst dann Aussicht auf Erfolg, wenn die nächste Krise kommt und mir ihr Entscheidungen fällig werden. - Dass Staatsanleihen immer noch als risikolos gelten und deshalb in Bankbilanzen nicht mit Eigenkapital unterlegt zu werden brauchen, ist ein Witz. - Folglich arbeiten ganze Abteilungen der EZB fieberhaft daran, diesen unhaltbaren Zustand zu ändern. - Ihr gewagtester Vorschlag besteht darin, aus Staatsanleihen von guter und von schlechter Bonität Pakete zu schnüren, die danach Großanlegern als Gemeinschaftsbonds untergejubelt werden können, möglichst versehen mit dem Siegel der AAA-“Bonität“.

Beginnen jetzt bei Ihnen nicht auch die Alarmglocken zu läuten? Denn da war ja mal was vor einem Jahrzehnt: die sogenannte Subprimekrise in den USA, die den Beginn eines kolossalen Durcheinanders an allen Finanzmärkte der Welt markierte. Eine ihrer Besonderheiten: Damals wurden fleißig Pakete mit wenig gutem und viel schlechtem Inhalt geschnürt. Sie hießen Mortgage Backed Securities (gedeckt durch Immobilien, die allerdings rasend schnell an Wert verloren) oder Asset Backed Securities (durch alles Mögliche gedeckt, was sich später als großer Schwindel entpuppte).

Bekanntlich handelte es sich nicht allein um den Beginn des erwähnten Durcheinanders, sondern um eine der größten globalen Wirtschafts- und Finanzkrisen. Sie zog sich von 2007 bis 2009 hin und löste eine riesige Geldschwemme aus, die im Euroraum bis heute anhält.

Es fehlt an Erfahrungen, wie man eine solche Geldschwemme erfolgreich eindämmt. Das heißt nichts anderes, als dass wir es hier in Bezug auf den Euroraum mit einem doppelten Problem zu tun haben: Einerseits sind die Euroländer heterogen; das starke Deutschland und die schwachen Mittelmeer-Anrainer lassen sich einfach nicht mit einer einheitlichen Geldpolitik steuern. Andererseits erwächst aus dieser Geldpolitik etwas, was wir bestenfalls erahnen können. Für Überraschungen ist also hinreichend gesorgt.

Ich wiederhole mich gern, wenn ich Ihnen aufgrund dieser Erkenntnisse nochmals empfehle, Ihr Vermögen auf vier (gegebenenfalls nur drei) Anlagen aufzuteilen: Gold einschließlich Silber, Tagesgeld, Aktien (allerdings erst, nachdem ihre Kurse gefallen sind) und eine selbst genutzte Immobilie (die mögliche Nummer vier). Eine solche Aufteilung ist nicht nur aus grundsätzlichen Erwägungen sinnvoll, sie vermittelt Ihnen auch das Gefühl, Ihr Risiko vernünftig aufgeteilt zu haben.

Das ist psychologisch von großer Bedeutung. Fallen beispielsweise die Aktienkurse, freuen Sie sich über Ihr Tagesgeld, und umgekehrt. Oder drohen an den Börsen Turbulenzen, sind Sie mit Gold und im Zweifel auch mit Silber gut bedient. Über Immobilien brauche ich mich nicht weiter auszulassen; sie sind bei Eigennutzung sowohl Anlage- als auch Konsumgut. Im Übrigen sind ihre Preise in den deutschen Metropolen und Universitätsstädten gerade völlig überreizt.

Nachdem sich bereits zur Mitte der vergangenen Woche angedeutet hatte, dass die Preise von Gold und Silber einfach nicht weiter fallen wollten, zogen sie bis zum Freitag ordentlich an. Allerdings enttäuschten die Kurse der Minenaktien. Es ist zu früh, aus dieser Entwicklung konkrete Schlüsse zu zielen. Denn für den Fall einer Edelmetallhausse, wie wir sie zuletzt im ersten Halbjahr 2016 erlebt haben, steigen die Kurse der Minenaktien, verglichen mit den Edelmetallpreisen, nach allen bisherigen Erfahrungen überproportional.

Insofern wird es spannend sein, zu beobachten, wie die Entwicklung in der vor uns liegenden Woche weiter geht. Immerhin lässt sich schon jetzt behaupten, dass die nächste Edelmetallhausse nicht mehr lange auf sich warten lässt, falls die Minenaktien im Vergleich zu den Edelmetallpreisen relative Stärke zeigen. Bitte achten Sie in den nächsten Tagen auf diesen Zusammenhang.

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© Manfred Gburek
www.gburek.eu


Manfred Gburek ist neben seiner Funktion als Kolumnist privater Investor und Buchautor.



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