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Axel Merk: Machen Sie Ihr Portfolio krisensicher!

17.08.2017  |   Mike Gleason
Mike Gleason: Heute habe ich die Ehre Axel Merk, den Vorsitzenden und Chief Investment Officer von Merk Investment und Autor des Buches "Sustainable Wealth", zu einem Interview begrüßen zu dürfen. Axel ist ein sehr gefragter Gast auf Finanzkonferenzen sowie bei TV-Sendern und anderen Medien auf der ganzen Welt, daher freuen wir uns besonders, ihn heute endlich bei uns zu haben. Axel, vielen Dank, dass Sie sich heute Zeit für uns nehmen.

Axel Merk: Danke für die Einladung.


Mike Gleason: Zu Beginn möchte ich auf einen Artikel zu sprechen kommen, den Sie kürzlich über die Selbstzufriedenheit an den Märkten geschrieben haben. Wir beobachten derzeit eine außergewöhnlich niedrige Volatilität und die Anleger zeigen nur wenig Interesse für Safe-Haven-Assets wie die Edelmetalle, zumindest in den USA. Axel, können Sie uns erklären, warum sich die Investoren aktuell kaum Sorgen zu machen scheinen und was uns das über unsere Position im Marktzyklus verrät?

Axel Merk: Ja, gerne. Für die geringe Volatilität gibt es viele verschiedene Gründe. Einige davon sind technischer Art, beispielsweise die Theorie, dass Informationen infolge des vermehrten automatischen Handels von den Märkten schneller absorbiert werden. All diese technischen Faktoren mögen eine gewisse Rolle spielen. Meinen Analysen zufolge haben jedoch die als QE bekannten quantitativen Lockerungsprogramme der Zentralbanken den größten Einfluss. Wenn die Notenbanken Geld drucken, werden die sogenannten Risikoprämien verringert, d. h. die Junk-Bonds bringen z. B. nur noch geringe Rendite ein.

Auf die Schuldtitel der Peripherieländer der Eurozone gibt es folglich verglichen mit den deutschen Bundesanleihen nur einen geringen Risikoaufschlag. Zudem sinkt dadurch auch die Volatilität an den Aktienmärkten. Wenn die Schwankungsbreite der Kurse niedriger ist, sind die Bewertungen höher. Eine Aktie wird traditionell entsprechend der künftig erwarteten Gewinne und Cashflows bewertet. Wenn die erwarteten Zahlungsströme weniger stark abgezinst werden, sind auch die Bewertungen höher. Niedrigere Volatilität bedeutet also höhere Aktienkurse.

Die Edelmetalle waren unterdessen, wie Sie erwähnt haben, vor dem Hintergrund dieser Marktumgebung nicht besonders gefragt, weil die Anleger denken, "Hey, die künftigen Cashflows sind ja sicher." Wenn die Volatilität steigt, bekommen diese Zahlungsströme aber plötzlich Gegenwind. Ein Vorteil von Gold ist, dass Gold keinerlei Cashflows generiert, die man diskontieren müsste. Relativ gesehen erfreut sich Gold also immer dann einer steigenden Beliebtheit, wenn die Volatilität zunimmt. Das ist einer der Gründe dafür, dass sich der Goldkurs tendenziell gut entwickelt, wenn es eine sogenannte Krise gibt.


Mike Gleason: Der Markt preist die Risiken also wahrscheinlich nicht angemessen ein. Was könnte denn den nächsten großen Abverkauf an der Wall Street auslösen? Ein möglicher Kandidat sind die Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed. Zudem haben die Zentralbanker angekündigt, dass sie die QE-Maßnahmen, an die sich die Märkte so gewöhnt haben, beenden werden und ihre Bilanz wieder verkürzen wollen. Man sollte meinen, dass die Aktienmärkte eines Tages darauf reagieren müssen.

Gleichzeitig blicken viele Anleger besorgt auf China und fürchten eine potentielle Schuldenkrise, die sich in dem Land entwickeln könnte. Hier in den USA ist die Erholung bestenfalls als kraftlos zu beschreiben und womöglich steuern wir bereits auf die nächste Rezession zu - ganz besonders, falls sich der Optimismus, den viele angesichts der von Trump versprochenen Steuerreform und Infrastrukturprogramme geäußert hatten, als falsche Hoffnung erweist. Auch in Europa sind die strukturellen Probleme nicht beseitigt. Weltweit schwelen zahlreiche potentielle Krisen. Was, glauben Sie, wird die nächste Hiobsbotschaft sein?


Axel Merk: Das kann ich Ihnen auch erst rückblickend sagen. Aber wenn eine Entwicklung nicht nachhaltig und langfristig tragbar ist, wird sie eines Tages enden müssen. Ich glaube beispielsweise, dass die Volatilität nicht dauerhaft so niedrig bleiben kann wie heute. Meiner Erfahrung nach - und ich mache diesen Job jetzt schon seit ein paar Jahrzehnten - ist geringe Volatilität der besten Indikator für Spekulationsblasen, weil sie die Selbstgefälligkeit an den Märkten widerspiegelt. So war das schon während der Dotcom-Blase und der Immobilienblase und so ist es auch heute wieder.

In meinen Augen ist die Geldpolitik der Federal Reserve und der anderen Zentralbanken auf der ganzen Welt der entscheidende Einflussfaktor für die Volatilität. Die Kursänderung der Fed hat es den anderen Notenbanken nun im Grunde genommen ermöglicht zu sagen, "Hey, wir können die Zinsen auch wieder anheben". Wenn darüber hinaus auch die quantitativen Lockerungen ins Gegenteil verkehrt werden, erhält man quantitative Straffung, und infolgedessen sollte die Volatilität wieder steigen.

Vielleicht werden wir also von irgendeinem Ereignis hören, das den nächsten Einbruch der Märkte auslöst, z. B. eine wie auch immer geartete Krise in China oder eine neue politische Entwicklung oder irgendetwas anderes. Wir werden froh sein, wenn wir ein bestimmtes Ereignis verantwortlich machen können. Aber ich glaube dennoch, dass die neue geldpolitische Ausrichtung der Fed angesichts der aktuellen Marktlage der eigentliche Katalysator sein wird.

Das ist übrigens auch der Grund dafür, warum die Notenbank immer einen Schritt vorwärts und dann wieder einen halben Schritt rückwärts geht. Sie sagen, dass sie künftig zu quantitativen Straffungen übergehen werden, aber noch im gleichen Satz erklärt Janet Yellen, dass das für die Märkte eigentlich völlig uninteressant ist, so spannend wie "Wandfarbe beim Trocknen zuzusehen".

Ich bin da ganz anderer Meinung. Aber mit ihrer Bemerkung versucht sie, die Erwartungen zu dämpfen, dass die Fed ihre Geldpolitik jetzt wirklich stark straffen wird. Die Notenbanker fürchten einen plötzlichen Anstieg der Volatilität, weil dann die Kurse der Schrottanleihen abstürzen und die Renditen in die Höhe schießen würden. Das würde bedeuten, dass sich die sogenannte "finanzielle Lage" verschlechtert.

Die Fed kümmert sich nicht so sehr um die Aktienmärkte, sondern beschäftigt sich vielmehr mit der Verfügbarkeit von Krediten. In der aktuellen Marktumgebung ist das jedoch mehr oder weniger das Gleiche. Und aus diesem Grund ist die Fed derzeit darauf eingestellt, die Assetpreise weiterhin zu managen.



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