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Schöne Neue Märkte: Warum die Gefahr eines katastrophalen Crashs steigt

06.09.2017  |  Chris Martenson
Eines ist klar: Das sind nicht mehr gleichen Märkte wie damals, als unsere Eltern in unserem Alter waren. Der Aufstieg der Maschinen, d. h. der Hochfrequenzhandels-Algorithmen, hat die sogenannten Kapitalmärkte völlig umgekrempelt.

Betrachten wir diese Entwicklung als Vorher-Nachher-Geschichte. Vor der Ankunft der Maschinen waren Märkte ein Ort, an dem Menschen, die ungefähr über die gleichen Information und Reflexe verfügten, den Preis finanzieller Vermögenswerte durch Käufe und Verkäufe festlegten. Die Fundamentaldaten spielten eine wichtige Rolle.

Nach der Machtübernahme durch die Computer wurden die Märkte hinsichtlich des Handelsvolumens, der Liquidität und der Preisbildung von Maschinen beherrscht, die im Zeitfenster von einem Millionstel einer Sekunde agieren. Diese Computer und ihre Algorithmen nutzen unerbittliche Routinen und Tricks, um "ihren Willen zu bekommen" - Quote Stuffing, Spoofing, Preismanipulationen... Die Fundamentaldaten sind nicht mehr von Bedeutung. Das einzige, was zählt, ist die unendliche, von den Zentralbanken bereitgestellte Liquidität. Derart leistungsfähige Computer und ihre Codierer sind nämlich sehr teuer sind und erfordern hohe Investitionen.

Die verschiedenen Finanzmärkte sind heute so verzerrt, dass ich schon vor Längerem dazu übergegangen bin, das Wort in Anführungszeichen zu setzen - die "Märkte" - um deutlich zu machen, dass sie nicht mehr den Märkten der Vergangenheit gleichen. In dem Versuch, die absurde Verfälschung zu verdeutlichen, verwende ich seit einigen Jahren zum Teil sogar doppelte Anführungszeichen. Diese ""Märkte"" sind mittlerweile nicht nur ein Gebilde, das menschliche Trader aus der älteren Generation nicht mehr wiedererkennen würden. Sie sind sogar zu einem Ort geworden, an dem menschliche Entscheidungen und Handlungen ganz gleich welcher Art kaum noch Einfluss haben.

Doch warum sollten Sie sich überhaupt dafür interessieren? Zwei Gründe:
  • 1. Die "Märkte" können aufgrund ihrer automatisierten Reaktion auf Liquiditätsspritzen spielend leicht von Zentralbanken und anderen staatlichen Akteuren beeinflusst werden. Geht es an der Börse bergab, wenn Ihnen das gerade nicht in den Kram passt? Dann signalisieren Sie den Computern einfach mittels einem der stark gehebelten Mechanismen, dass es Zeit ist zu kaufen statt zu verkaufen. Typische Ansatzpunkte dafür sind der Wechselkurs zwischen dem japanischen Yen und dem US-Dollar, umfassende Verkäufe beim Volatilitätsindex VIX, um die Kursschwankungen zu reduzieren, und massive Kauforders bei Index-Futures.

  • 2. Diese Manipulationen funktionieren - bislang. Wenn die Strategien eines Tages versagen, dann wahrscheinlich auf äußerst spektakuläre Weise. Das wird zur Schließung der zerschmetterten Märkte führen, bis der Schaden abgeschätzt werden kann. Investoren werden nicht in der Lage sein, auf ihr Kapital zuzugreifen und weder kaufen noch verkaufen können, während man versucht, die Dinge in Ordnung zu bringen. Wenn die Märkte schließlich doch wieder öffnen, werden die Kurse deutlich niedriger liegen, weil das enorme (Phantom-)Handelsvolumen weggefallen ist, dass zuvor von den nunmehr abgeschalteten Algo-Tradern bereitgestellt wurde.

Das größte Dilemma ist nun, dass die Zentralbanken eine gewaltige Kluft zwischen den aktuellen Marktbewertungen und der Realität geschaffen haben, indem sie die Kurse weiter und weiter in die Höhe trieben. Ein offensichtliches Beispiel ist der Immobilienmarkt in San Francisco, wo sich Menschen mit durchschnittlichem Einkommen überhaupt kein eigenes Haus mehr leisten können. Der dortige Immobilienmarkt kann nur dann wieder auf ein tragfähiges Niveau kalibriert werden, wenn entweder die Einkommen enorm ansteigen (während die Immobilienpreise konstant bleiben), oder wenn die Preise deutlich fallen. An den Aktienmärkten ist es das gleiche Spiel. Auch hier leiden die Kurse unter einer massiven Diskrepanz zwischen Schein und Wirklichkeit. Gleiches gilt für die Anleihemärkte.


Offensichtliche Preismanipulationen

Meine Kritik erstreckt sich übrigens auf alle "Märkte", nicht nur auf Gold und Silber. Die Edelmetallpreise wurden und werden manipuliert, das ist inzwischen eine etablierte Tatsache. Doch die gleichen Dynamiken, die die Gold- und Silberterminmärkte der COMEX dominieren, befallen auch andere Sektoren. So wie ich die Sache sehe, haben die HFT-Algorithmen völlig die Kontrolle über das Marktgeschehen übernommen und arbeiten zusammen oder spielen sich gegenseitig aus, um plötzliche, massive Kursbewegungen auszulösen, die durch nichts gerechtfertigt sind. Es geht nur darum, die Orderbücher zu füllen.

Ein aktuelles Beispiel dafür liefert uns der WTIC-Ölmarkt der NYMEX:

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Gegen 6:30 Uhr am Morgen begannen die Öl-Futures leicht nachzugeben. 6:40 Uhr erhöhte sich das Handelsvolumen etwas und dann - Bam! - genau 6:44 Uhr EST explodierte das Handelsvolumen auf der Verkäuferseite. Ich konnte das zufällig in Echtzeit beobachten und begann, die Sekunden zu zählen. Nach drei Sekunden war alles vorbei (im Chart repräsentiert jede Kerze eine Minute, daher sind die drei Sekunden nicht einzeln zu erkennen). Es wurden also 8.000 Kontrakte innerhalb von drei Sekunden verkauft. Wow.

Sie können das zum Spaß ja mal auf ein ganzes Jahr hochrechnen. Das Ergebnis ist eine völlig absurde Zahl. Was ich damit sagen will, ist, dass diese Spikes des Handelsvolumens (vor allem auf der Verkäuferseite) eine Intensität aufweisen, die die Marktstruktur einfach überwältigt. Genau darin besteht ja auch das Ziel solcher Aktivitäten, darin liegt die Essenz der Preismanipulationen.


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