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Sicher ist sicher - mit Gold und Silber

20.08.2017  |  Manfred Gburek
In wenigen Tagen, am 24. August, kommt der Film "Tulpenfieber" in deutsche Kinos. Darin geht es um den rasanten Anstieg und den noch rasanteren Absturz der Tulpenpreise, die im Jahr 1637 total zusammenbrachen. Zuvor waren sie zum Teil auf dem Preisniveau ganzer Häuser gehandelt worden. Viele Holländer - reiche ebenso wie arme - hatten Haus und Hof mit Krediten überzogen, nur um am Tulpenwahn teilzunehmen.

Übrigens bekam die Geschichte in diesem Mai eine pikante Note: Pieter Duisenberg, Sohn des ersten EZB-Präsidenten, überreichte dem jetzigen Präsidenten Mario Draghi aus Anlass von dessen Besuch im niederländischen Parlament einen Tulpentopf. Die Anspielung mit dem Vergleich von Tulpenmanie und EZB-Geldpolitik saß. Draghi war stinksauer.

Zuletzt geriet er wieder mal unter Beschuss, als das Bundesverfassungsgericht sich an den Europäischen Gerichtshof wandte, um prüfen zu lassen, ob die EZB mit ihren Anleihenkäufen nicht doch die monetäre Staatsfinanzierung betreibe. Gewichtige Gründe sprächen dafür. Derweil spielt Draghi auf Zeit. Das kann er sich leisten, denn Anleihenkäufe in Höhe von monatlich 60 Milliarden Euro stehen bis zum Ende dieses Jahres fest, und sogar eine Verlängerung darüber hinaus ist nach früheren Aussagen von Draghi möglich. Die EZB beharrt einfach auf dem Standpunkt, die Anleihenkäufe seien durch ihr Mandat gedeckt, basta.

Dem widerspricht der frühere EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing, auch heute noch einer der gefragtesten Experten in Sachen Geldpolitik, ganz entschieden: "Meine Sorge ist, dass sich die EZB eine politische Aufgabe aufgebürdet hat, für die sie kein Mandat besitzt, nämlich die Zusammensetzung des Euroraums in der bestehenden Form zu garantieren." Aha, das also ist das vermeintliche EZB-Mandat: heiße Luft.

Da braut sich etwas Gewaltiges zusammen. Nicht etwa, dass wir an den Börsen eine Art neues Tulpenzwiebel-Desaster erleben müssten, nur weil Draghi weiter auf seiner extrem lockeren Geldpolitik beharrt. Nein, aber mittlerweile häufen sich so viele Warnsignale, dass es sinnvoll erscheint, sie Revue passieren zu lassen. Beginnen wir mit einem, das - zumindest für die Freunde der Edelmetalle - auch sein Gutes hat: Die Preise von Gold und Silber wollen jetzt ganz einfach nach oben, die 1300 Dollar je Feinunze Gold sind keine wirklich ernst zu nehmende Barriere auf dem Weg nach oben.

Die Preise signalisieren: Sicher ist sicher, mag von der großen weiten Welt auch noch so viel Unsicherheit ausgehen, die sich über kurz oder lang an den Börsen entladen kann.

Zählen wir deshalb zusätzlich zum Knatsch um die Anleihenkäufe durch die EZB in Kurzform noch weitere aktuelle und potenzielle Ursachen auf: Donald Trump, Nordkorea, Überschuldung der Amerikaner, niedrige Zinsen, Brexit-Folgen, Bundestagswahl, Umbruch der Autoindustrie, Flüchtlingsproblem, Cyberangriffe, Terroranschläge, Bitcoins. Da behaupte noch jemand, wir lebten in der besten aller Welten, nur weil die Konjunktur brummt und auch sonst alles in Ordnung zu sein scheint. Ist es aber nicht.

Knöpfen wir uns drei Ursachen besonders vor. Zuerst die Schulden der Amerikaner: Sie belaufen sich auf 9 Billionen Dollar für Hypotheken- und auf fast 4 Billionen Dollar für sonstige Schulden (Kreditkarten, Autokredite u.a.) - ein neuer Rekord. Allein im zweiten Quartal dieses Jahres mussten die acht führenden amerikanischen Kreditkartenfirmen nahezu 3,3 Prozent ihrer Kredite abschreiben. Solche Zahlen scheinen die meisten Amerikaner nicht zu beunruhigen. Sie richten ihre Blicke lieber nach Washington, wo Donald Trump wiederholt von einem Fettnäpfchen ins nächste tritt. Ihre Ignoranz in Sachen Kredite hat bereits Tradition.

Niedrige Zinsen galten jahrelang als Segen für Kapitalmärkte und Unternehmen - bis sich herausstellte, dass sie weniger den Unternehmen zugute kamen als den Spekulanten: Die Kurse der Aktien und Anleihen schossen zusammen mit den Immobilienpreisen weltweit in die Höhe, was immer wieder neue Käufer anlockte und das Kreditvolumen nach oben trieb.

Aus dem Segen ist längst ein Fluch geworden: Banken verdienen mit ihrem Zinsgeschäft kein Geld mehr und verschwinden im schlimmsten Fall von der Bildfläche. Versicherer, Pensionsfonds und sonstige für die Altersvorsorge zuständige Institutionen speisen ihre Kunden nur noch mit Kleckerbeträgen ab, das ganze System droht zulasten der Sparer aus den Fugen zu geraten.

Wundern Sie sich nicht, wenn ich von den übrigen Unsicherheitsfaktoren ausgerechnet noch die Kryptowährung Bitcoin herausgreife. Im Duden steht für krypto: geheim, verborgen. Das ist eine treffende Bezeichnung, denn es handelt sich um eine digitale Währung. Sie ist seit Anfang August zweigeteilt, was sie noch geheimnisvoller erscheinen lässt. Ihre bisherige Geschichte ist phänomenal: Sie begann erst im Jahr 2010 mit weniger als 0,10 Dollar je Bitcoin. Daraufhin verzehnfachte sich sich die Kryptowährung, und zwar drei Mal in Folge.

Nun strebt sie schon im vierstelligen Bereich auf 10.000 Dollar zu. Diese unglaubliche Geschichte, bei der vor allem viele Chinesen kräftig mitmischen, erinnert stark an die eingangs erwähnte Tulpenmanie. Sie hat inzwischen das Zeug in sich, die Börsen ebenso durchzuschütteln wie die anderen Unsicherheitsfaktoren.

Aber was geschieht, falls von diesen einschließlich Bitcoins bis auf Weiteres noch keine Gefahr für die Börsen ausgeht? Zu dieser Frage hat sich vor einigen Tagen in einem etwas anderen Zusammenhang der Aktienexperte Mark Hulbert auf marketwatch.com besonders treffend geäußert: Egal, welchen Bewertungsmaßstab man nimmt, amerikanische Aktien sind überbewertet. Ein größerer Rückgang der Aktienkurse ist ohne einen einzigen Anstoß von außen möglich.

Aktien können für längere Zeit überbewertet bleiben, ihre Kurse können auch dann weiter steigen - bis schon eine Kleinigkeit sie purzeln lässt. Dazu sei nur noch bemerkt, dass einem alten Börsianerspruch zufolge gilt: Sobald Amerika hustet, bekommt Europa einen Schnupfen.

Bleibt für Freunde der Edelmetalle noch zu klären, wie sicher vor dem hier beschriebenen Szenario ihre Anlagen in Gold und Silber sind. Und: Bewegen sich deren Preise entgegengesetzt zu den Kursen der üblichen Aktien aus Dax, Dow Jones & Co.? Die erste Frage ist leicht zu beantworten: Gold und Silber sind, gemessen an ihrer Funktion, der realen Werterhaltung, in unruhigen Zeiten wie jetzt ebenso sicher wie in Friedenszeiten. Insbesondere für Gold gilt: Auch wenn sein Preis noch so sehr schwanken mag, bleibt seine Kaufkraft erhalten.

Edelmetallpreise und Aktienkurse können sich zwar zeitweise parallel entwickeln, aber nicht auf Dauer. Es handelt sich ja um ganz unterschiedliche Anlageklassen: Die einen, Gold und Silber, sind besonders unter dem Sicherheitsaspekt interessant (Gold mehr als Silber), während die anderen den Vorgaben der Konjunktur, der Fiskal- und vor allem der Geldpolitik folgen. Ein Musterbeispiel dafür, dass sich die Preise beider Edelmetalle und die Aktienkurse vorübergehend parallel entwickeln können, lieferten die Krisenjahre 2008 und 2009. Danach war damit jedoch weitgehend Schluss. Derzeit spricht unter dem Aspekt der Sicherheit viel für eine schon bald gegenläufige Entwicklung, also für Gold und Silber.

Neu bei gburek.eu: Vom richtigen Umgang mit Aktien


© Manfred Gburek
www.gburek.eu


Manfred Gburek ist neben seiner Funktion als Kolumnist privater Investor und Buchautor.



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