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Gold ist die verlässliche Währung in unsicheren Zeiten

04.09.2017  |  Prof. Dr. Thorsten Polleit
"Die Schwankungen im Weltpreise der Edelmetalle scheinen mir gegenwärtig immer noch geringere Gefahren in sich zu schließen als die Regelung des inneren Tauschwertes des Geldes durch Regierungen oder soziale und politische Parteien." - Carl Menger (1840 - 1921)


Erst Finanzkrise, dann politischer Umbruch

Auf die Finanz- und Wirtschaftskrise folgt der politische Umbruch. Das ist der Eindruck, der sich beim Blick auf die weltweiten Geschehnisse aufdrängt. In den Vereinigten Staaten von Amerika scheint es US-Präsident Donald J. Trump nicht zu gelingen, seine Agenda "Make America Great Again" wie versprochen in die Tat umzusetzen. Der Widerstand des "Establishment", des "Deep State" ist groß. Vor allem die Republikanische Partei verweigert ihrem Präsidenten die Gefolgschaft.

Die Spannungen im Land wachsen. Auf der einen Seite steht die Trump-Wählerschaft, die nach Reformen, die nach einer Kurskorrektur ruft - und ungeduldiger wird. Auf der anderen Seite stehen die Verteidiger des bisherigen Obama-Clinton-Kurses in der amerikanischen Innen- und Außenpolitik.

Die innenpolitische Auseinandersetzung in den Vereinigten Staaten von Amerika aber lediglich als ein "für oder gegen Trump" abzutun, würde zu kurz greifen. US-Präsident Trump steht für eine Anti-Washington-, eine Anti-Establishment-Agenda: die heimische Wirtschaft stärken, den Staatsapparat zurückdrängen, den "Globalisten-Kurs" in Washington beenden.

Mit Trump ist diese politische Bewegung nun im Weißen Haus, in Washington angekommen. Die Widerstände im Politik- und Bürokratieapparat gegen die von den US-Wählern in Auftrag gegebene Veränderungen sind immens - und vermutlich zu beharrlich, als dass sich ein rascher Erfolg der "Make America Great Again"-Agenda erwarten ließe. Der Geist der Revolution von unten ist jedoch aus der Flasche - und lässt sich vermutlich kaum mehr in die Flasche zurückdrängen.

In Europa ist die Protestwelle gegen das "Establishment" angekommen, spätestens mit der Entscheidung der Briten im Juni 2016, aus der Europäischen Union (EU) auszusteigen ("Brexit"). Der wohl entscheidende Faktor, der die ohnehin seit der Finanz- und Wirtschaftskrise labilen EU in besonders schwieriges Fahrwasser gebracht hat, liegt in der Migrationskrise - beziehungsweise in der Entscheidung der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel - einem außen- und innenpolitischen Alleingang -, die Grenze zu öffnen. Die Folge ist bis heute eine unkontrollierte Wanderungsbewegung, die die EU politisch und sozial überfordert. Eine überzeugende, abgestimmte Reaktion der Gemeinschaft auf diese Herausforderung lässt immer noch auf sich warten.

Damit hat die EU nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht versagt: Das Euro-Projekt hat in vielen Ländern nicht die erhoffte Wohlstandsmehrung gebracht. Im Gegenteil. Viele Länder haben ihre Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt. In einer ganzen Reihe von Ländern herrscht nach wie vor Massenarbeitslosigkeit. Und die Konjunkturen werden nur durch künstlich gesenkte Zinsen der Europäischen Zentralbank (EZB) in Gang gehalten. Und nun zeigt sich auch noch vor aller Augen, dass die EU die Sicherheitsinteressen der Bürger in den Teilnehmerländern nicht wahrt, sondern dass die einzelnen Länder auf sich selbst angewiesen sind, um ihre Grenzen zu schützen.

Die wachsenden politischen Spannungen dies- und jenseits des Atlantiks, aber auch die nach wie vor ungelösten Probleme im Mittleren und Nahen Osten und großen Teilen Afrikas setzen nicht zuletzt auch die Risikotragfähigkeit des internationalen Finanz- und Wirtschaftssystems unter Druck - denn man sollte nicht meinen, die Probleme des ungedeckten Geldsystems seien in den letzten Jahren aus der Welt geschafft worden. Es ist folglich ein guter Zeitpunkt, um der Frage nachzugehen, ob der Goldpreis derzeit angemessen bewertet ist, beziehungsweise ob es für Anleger attraktiv ist zu kaufen.


Geldmenge und Goldpreis

Der Goldpreis hängt bekanntlich von einer Vielzahl von Faktoren ab. Hierzu zählen zum Beispiel die weltweite Einkommensentwicklung (die wiederum zum Beispiel die industrielle Goldnachfrage und auch Schmuck-nachfrage nach Gold wesentlich bestimmt), die Renditen auf den Finanzmärkten (Renten- wie Aktienmärkten), die Risikosorgen der Investoren und nicht zuletzt natürlich auch die Angebotssituation im Goldmarkt. (Siehe hierzu die nachstehende Übersicht.) Aber es ist nicht nur die Vielzahl der Faktoren, die den Goldpreis beeinflussen und damit eine Preisprognose für das gelbe Metall schwierig machen.

Eine weitere Schwierigkeit, den künftigen Goldpreis verlässlich einzuschätzen, rührt auch daher, dass der Einfluss der preisbestimmenden Faktoren sich im Zeitablauf verändern kann. Es gab beispielsweise Phasen, in denen ein steigendes Finanzmarktrisiko (gemessen anhand der Kursschwankungen an den Börsen) den Goldpreis in die Höhe trieb. Gleichwohl gab es auch Phasen, in denen steigende Risiken keine sichtbaren Effekte auf den Goldpreis ausübten. Kurzum: Es gibt keine "feste Formel", die uns sagen könnte, ob und wie der Goldpreis auf bestimmte Faktoren in einer quasi mechanischen Weise reagiert.


Einflussfaktoren auf den Goldpreis

Der Goldpreis wird durch eine Vielzahl von Faktoren beeinflusst. Zudem scheint es keine im Zeitablauf kon-stante Beziehung zwischen dem Goldpreis und seinen preisbestimmenden Faktoren zu geben. Dennoch las-sen sich aus ökonomischer Sicht einige grundsätzliche (wenn auch nicht abschließende) Einflussgrößen identifizieren und ihre prinzipielle Wirkung abschätzen.


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Diese Schwierigkeit gilt vor allem in der "kurzen Frist". Langfristig betrachtet, liegt es hingegen nahe, dass der Goldpreis (insbesondere) mit der Ausweitung der Geldmenge positiv verbunden ist. Denn das Ansteigen der Geldmenge steht üblicherweise für zwei Entwicklungen: (1) Die Volkswirtschaften wachsen, und steigende Einkommen gehen mit einer Erhöhung der Geldmenge einher. (2) Die steigende Geldmenge reflektiert dabei nicht nur eine steigende Güterversorgung (die die Volkswirtschaften reicher macht), sondern auch die steigenden Preise, für die sie gesorgt hat (also einen inflationären Effekt). Es wäre zu erwarten, dass der Goldpreis auf beide Effekte positiv reagiert.


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