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David Morgan: Der Dollar ist in Schwierigkeiten - Edelmetallrally spätestens 2018

06.10.2017  |   Mike Gleason
Mike Gleason: Heute habe ich das Vergnügen, unseren Freund David Morgan, den Herausgeber des Börsenbriefs The Morgan Report, zum Gespräch willkommen zu heißen. David, schön, dass Sie wieder bei uns sind. Wie geht’s?

David Morgan: Sehr gut, Mike. Danke für die Einladung.

Mike Gleason: Zuallererst möchte ich Sie fragen, was Ihrer Ansicht nach der Grund für die jüngsten Kursrücksetzer im Edelmetallsektor ist. Der Goldpreis lag kürzlich noch bei über 1.350 $ und ist aktuell auf deutlich unter 1.300 $ gefallen. Auch Silber hat nachgegeben und notiert wieder in der Nähe der Untergrenze seiner diesjährigen Handelsspanne. Wie schätzen Sie die neusten Kursbewegungen ein und welche Ursachen sehen Sie dafür, David?


David Morgan: Nun, ein Großteil des Handelsvolumens an diesen Märkten geht auf Algorithmen zurück. An dieser Tatsache kommt man nicht vorbei. Der zweite Punkt ist, dass viele Anleger - meiner Meinung nach - ziemlich faul sind und davon ausgehen, dass technische Analyse prinzipiell nicht funktionieren kann, weil der Markt manipuliert ist. In Wirklichkeit funktioniert sie jedoch ziemlich gut. Sie ist nicht perfekt, aber ein nützliches Werkzeug - etwas, das man nicht völlig außer Acht lassen sollte.

Wenn der Kurs z. B. auf eine Widerstands- oder Unterstützungslinie trifft, sind normalerweise drei Anläufe nötig, um diese Linie nach oben oder unten zu durchbrechen. Eine solche Widerstandslinie war in letzter Zeit die 1.300-$-Marke, die ebenfalls dreimal getestet wurde, bevor Gold nach oben ausbrechen konnte. Beim dritten Mal klappte es dann und der Kurs stieg bis auf 1.350 $. Ich habe unsere Abonnenten zu diesem Zeitpunkt davor gewarnt, dass eine solche Linie normalerweise auch noch einmal von der anderen Seite getestet wird und einen Rückgang des Preises auf 1.300 $ oder tiefer vorhergesagt.

Ich will damit nicht sagen, dass ich immer richtig liege, sondern vielmehr deutlich machen, dass die technische Analyse durchaus ihre Daseinsberechtigung hat. Es gibt einige allgemeine Prinzipien, die fast immer zutreffen, wie das genannte Beispiel. Was mich in diesem Fall bestärkt hat, war der Commitments of Traders Report. Man sollte immer so viele Fakten und so viel Vorwissen wie möglich berücksichtigen, die unnützen Informationen aussortieren und die Diamanten behalten. Der COT-Bericht machte jedenfalls keinen guten Eindruck, als der Goldkurs in Richtung seines 11-, 12-Monatshochs stieg. Die Daten deuteten ebenfalls auf einen Rücksetzer hin.

So banal das auch klingt, aber das ehrlichste, was man über einen Markt sagen kann, ist, dass die Preise steigen, wenn es mehr Käufer gibt als Verkäufer, und dass sie umgekehrt fallen, wenn die Verkäufer überwiegen. Dabei ist es ganz gleich, ob es sich um Weizen, Reis, Aktien, ETFs, Gold oder Silber handelt. Es spielt keine Rolle. Bei Verkaufsdruck fallen die Kurse, bei Kaufdruck klettern sie.

Alle wollen die Ursachen für bestimmte Kursbewegungen wissen, aber diese sind schwer zu erkennen, weil es auch ganz individuelle Gründe geben kann. Irgendjemand befindet sich vielleicht in einer Notlage und muss große Mengen Silber verkaufen, weil das seine einzigen Rücklagen sind. Wer weiß. Ich will mich nicht zu tief in diesen Kaninchenbau vorwagen, Mike. Meist lässt sich feststellen, dass die US-Notenbank Fed irgendetwas beschlossen hat, eine Zinsanhebung oder die Bilanzkürzung zum Beispiel, und dann sagen alle, das sei der Grund für die Preisentwicklung. Nun, das ist vielleicht ein Grund oder auch einer der Hauptgründe, aber nicht unbedingt der einzige Grund. Dabei will ich es belassen.

Mike Gleason: Sie haben in der Vergangenheit sowohl kurz- als auch langfristige Tops sehr gut vorhergesagt. Ich bin daher neugierig, wie sie die Stimmung an den Edelmetallmärkten im Allgemeinen einschätzen. Im Einzelhandel überwiegen noch immer die Käufer, aber in letzter Zeit wollen mehr Menschen ihre Edelmetalle verkaufen als wir das normalerweise beobachten. Weltweit, und insbesondere in Asien, ist die Nachfrage nach physischem Gold allerdings unverändert hoch oder steigt womöglich sogar.

Ich weiß, dass Sie auch zu den Tradern an den Terminmärkten engen Kontakt pflegen und sich regelmäßig mit Vertretern und Investoren der Bergbaubranche austauschen, daher haben Sie einen noch breiteren Überblick über den Sektor. Sie sagen oft, dass dieser Markt die Anleger entweder ermüdet oder verschreckt. Lässt sich das auch aktuell beobachten oder ist die Stimmung eher optimistisch?


David Morgan: Zu viel Optimismus. Das Sentiment ist umgeschlagen, vor allem am Silbermarkt. Das ist ein sehr kleiner Markt. Die Investoren scheinen mir dort ein wenig volatiler zu sein als am Goldmarkt, ganz wie die Edelmetalle selbst - zumindest habe ich diese Erfahrung in den letzten 40 Jahren gemacht. Am Silbermark kann die Stimmung sehr schnell zwischen extremem Pessimismus und extremem Optimismus wechseln. Das ist auch in den letzten Monaten passiert. Wir haben gesehen, dass Gold die 1.300-$-Linie zuerst nicht knacken konnte. Als der Kurs dann nach oben ausbrach, bot sich eine Gelegenheit für einen schnellen Trade, wenn Sie geschickt waren.

Als die Mainstreampresse berichtete, dass Gold auf einem 11-Monatshoch notiert, wurde das Sentiment sehr schnell äußerst bullisch. Normalerweise ist ein neues Hoch an einem wirklich freien Markt ein ziemlich gutes Zeichen. Aber wenn ein Asset lange in einem Trend gefangen war, wie Gold, dann muss es auf dem Weg nach oben jede Menge Widerstände überwinden.

Es gibt schließlich Anleger, die Gold für 1.400 $, 1.500 $ oder 1.600 $ je Unze gekauft haben. Das ist zwar schon lange, lange her, aber manche von ihnen warten noch immer darauf, dass der Preis wieder auf dieses Niveau steigt, um ihr Gold dann so schnell wie möglich loszuwerden, weil sie mit der Preisentwicklung der letzten Jahre sehr unzufrieden waren. Das Gleiche gilt natürlich auch für Silber. Das Sentiment hat sich also grundlegend geändert.

Mike Gleason: David, als nächstes möchte ich mit Ihnen gern über die Korrelationen zwischen den verschiedenen Märkten sprechen. Die Gold- und Silberpreise hängen natürlich vom Kurs des US-Dollars ab - wenn der Dollar fällt, steigen die Edelmetallpreise tendenziell an. In der letzten Ausgabe des Morgan Report haben Sie aber darauf hingewiesen, dass die Korrelation zwischen den Edelmetallen und den Aktienmärkten noch größer ist. Wenn es an der Börse aufwärts geht, sind das schlechte Neuigkeiten für Gold und Silber, aber wenn die Aktienkurse sinken, verzeichnen die Metalle typischerweise einen Anstieg.

Sollte es zu einer ernsten Liquiditätskrise wie 2008 kommen, dann wäre natürlich erst einmal alles möglich. Diese Korrelation könnte die kraftlose Performance des Edelmetallsektors dennoch zumindest teilweise erklären. Für den Dollar war 2017 bislang ein wirklich schreckliches Jahr, aber Gold und Silber haben kaum davon profitiert. Wie ist Ihre Meinung zu diesen Zusammenhängen und zur aktuellen Lage an den Aktienmärkten im Allgemeinen?



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