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David Morgan: Der Dollar ist in Schwierigkeiten - Edelmetallrally spätestens 2018

06.10.2017  |   Mike Gleason
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David Morgan: Viele Analysten und Freunde von mir konzentrieren sich auf die Korrelation zwischen Gold und dem Dollar. Ian McAvity war zum Beispiel einer von ihnen. Leider ist er bereits verstorben, ein großartiger Typ, den ich lange kannte. Ian hat argumentiert, dass Gold der Anti-Dollar ist. Er hat einen Dollarchart genommen, ihn auf den Kopf gestellt und gesagt, "das ist ein Goldchart". Dann hat er den echten Goldchart darüber gelegt und die Korrelation war deutlich erkennbar.

Aber objektiv und mathematisch betrachtet ist die Korrelation zwischen Gold und den Aktienmärkten noch größer. Aufgrund der Finanzialisierung der Wirtschaft in den letzten Jahrzehnten sind die Aktienmärkte gegenüber den zugrundeliegenden realen Vermögenswerten, d. h. gegenüber allen börsennotierten Unternehmen, heute stark verzerrt. Ich spreche hier vor allem von den USA. Der Aktienmarkt ist kein Spiegel der Realwirtschaft mehr, aber das bedeutet noch lange nicht, dass er keine negative Korrelation zum Goldmarkt aufweisen kann. Wenn man es durchrechnet und die Zahlen objektiv betrachtet, stellt man fest, dass diese umgekehrte Korrelation zwischen Gold und den Aktien am deutlichsten ist.

Man könnte jetzt natürlich glauben, dass die immer höher und höher kletternden Aktienkurse einen tiefer und tiefer fallenden Goldpreis implizieren würden, aber es besteht keine hundertprozentige Korrelation. Eine perfekte Übereinstimmung ist nur möglich, wenn es sich um ein und dieselbe Sache handelt. Der Goldkurs schlägt sich im Grunde genommen ziemlich wacker, immerhin hat er kürzlich einen Widerstand nach oben durchbrochen und ein Jahreshoch verzeichnet. Sicher, anschließend kam es zu einem Rücksetzer, aber man muss auch bedenken, dass das vor dem Hintergrund der von Rekord zu Rekord eilenden Aktienkurse geschieht. Nüchtern betrachtet entwickelt sich Gold also ziemlich gut, trotz des Gegenwinds infolge seiner negativen Korrelation zu den Aktienmärkten.

Mike Gleason: Ja, trotz des jüngsten Rücksetzers beträgt der Kursgewinn seit Jahresanfang immerhin 11%. Gold schlägt sich tatsächlich ziemlich gut.

Die Kryptowährungen haben in diesem Jahr überall Schlagzeilen gemacht und Gold und Silber den Wind aus den Segeln genommen. Zumindest ein Teil des neuen Anlagekapitals ist in Kryptowährungen statt in die Edelmetalle geflossen. Doch letzten Endes ist die sprunghaft gestiegene Nachfrage nach virtuellen Währungen auch ein Votum der Anleger gegen die Fiatwährungen der Regierungen. Wir könnten natürlich darüber sprechen, dass die Kryptowährungen durch nichts gedeckt sind, und dass sich Gold und Silber über Jahrtausende hinweg als Geld bewährt haben und die bessere Alternative darstellen. Ich würde aber lieber diese Verschiebung diskutieren, den Trend, dass die Menschen zunehmend nach Alternativen zum Dollar suchen, und was das eventuell für die Regierungen bedeutet. Wie sehen Sie das, David, und was sagt uns diese Entwicklung über das Vertrauen in das aktuelle System?


David Morgan: Zuerst will ich noch einmal betonen, dass ich für wirklich freie Märkte bin. Jeder sollte immer und überall seine eigenen Entscheidungen treffen können. Was die Kryptowährungen betrifft, bin ich ziemlich neutral eingestellt. Sie sind durchaus eine Alternative, daran kann kein Zweifel bestehen. Aber es ist noch nicht ganz klar, inwiefern sie wirklich sicher vor staatlichen Eingriffen sind. Ich bin der Ansicht - aber das ist angelesenes Wissen, dieser Markt ist wirklich nicht mein Fachgebiet - dass einige der kleineren Kryptowährungen tatsächlich außerhalb der Reichweite der Regierungen sind, weil sie ganz einfach zu unbedeutend sind und die Mühe nicht lohnen. Bei beliebteren Währungen besteht schon eher die Gefahr staatlicher Einflussnahme, und diese ist wahrscheinlich größer als viele glauben.

Verstehen Sie mich nicht falsch, ich bin nicht gegen Bitcoin. Ich denke, dass Bitcoin, Ethereum und eine Reihe anderer bedeutender Kryptowährungen fortbestehen und die Finanzwelt grundlegend verändern werden, wenn sie das nicht schon getan haben. Ich bin allerdings auch Realist. An jedem Markt geht es bergauf und bergab und bei Bitcoin sind die Kursschwankungen besonders stark. Außerdem sind bereits einige Menschen für ihre Aktivitäten am Bitcoin-Markt ins Gefängnis gekommen und je nachdem wo Sie leben, gibt es eventuell Steuerfragen, die noch geklärt werden müssen. Bitcoin ist also vielleicht nicht die Alternative zu den Fiatwährungen, für die manche es halten. Einige Anleger verstehen die Kryptowährung womöglich auch nicht gänzlich. Es gibt definitiv den ein oder anderen Haken.

Was nun das Argument betrifft, dass die virtuellen Währungen durch nichts gedeckt sind - nun, manche sind gedeckt, andere nicht. Es ist ein wenig verwirrend. Es gab z. B. die chinesische ACCchain, deren erste Einheit praktisch auf Tee basierte. Tee hat in China einen hohen Stellenwert. Es handelt sich um einen in großen Mengen gehandelten Rohstoff, der unterschiedliche Qualität aufweisen kann usw. Auf jeden Fall ist Tee etwas Greifbares, ein Nahrungsmittel oder zumindest ein Getränk. Die Idee dahinter ist die Digitalisierung realer Vermögenswerte und ich denke, dass das eine Entwicklung ist, die man definitiv weiter beobachten sollte, ganz gleich, welche Einstellung Sie sonst zu den Kryptowährungen haben. Ich bevorzuge immer noch Hartgeld, d. h. Gold und Silber, weil es sich in der Geschichte als beste Form des Geldes erwiesen hat. Aber das sind nur meine persönlichen Präferenzen.

Fakt ist jedenfalls, dass die Kryptowährungen eine Zukunft haben. Wenn Sie in diesen Sektor investieren wollen, sollten Sie allerdings extrem vorsichtig sein. Auch wenn Sie bei günstigen Kursen eingestiegen sind und dann die Rally miterlebt haben, heißt das nicht, dass es sich um ein gutes Investment handelt. Es bedeutet vor allem, dass der Markt überhitzt ist und Sie sehr genau aufpassen müssen. Ich selbst bin aktuell neutral bis bullisch. Zum Zwecke der Offenlegung will ich darauf hinweisen, dass ich ebenfalls investiert bin, allerdings nur mit einer geringen Summe und nur in eine Kryptowährung, die durch Silber gedeckt ist und das Edelmetall praktisch monetarisiert. Vielleicht werde ich mit dieser Anlage einen Gewinn machen, vielleicht aber auch einen Verlust. Auf jeden Fall würde ich Ihnen empfehlen, in diesem Sektor nur mit Geldsummen zu spekulieren, deren Verlust Sie im Ernstfall verschmerzen können.

Mike Gleason: Kommen wir noch zu einem anderen Thema, den Platingruppenmetallen. Palladium hat sich in diesem Jahr überdurchschnittlich gut entwickelt, aber Platin stagniert. Nach beiden Edelmetallen besteht in der Automobilindustrie große Nachfrage, daher lohnt es sich zu analysieren, warum sich die Kurse derzeit so unterschiedlich verhalten. Vielleicht können Sie das unseren Lesern und Zuhörern kurz erklären und auch etwas zu dem Einfluss sagen, denn die Elektroautos künftig auf die Platingruppenmetalle haben werden.

David Morgan: Sicher. Platin wird in den Katalysatoren für Dieselmotoren verwendet und die Volkswagen-Affäre um die manipulierten Abgaswerte hat dem Markt für Dieselfahrzeuge einen ziemlichen Dämpfer verpasst. Platin wird außerdem zur Schmuckherstellung verwendet, insbesondere in Japan. Natürlich findet man Platinschmuck auf der ganzen Welt, aber beliebt ist er vor allem in Japan.

Palladium hat ähnliche Eigenschaften wie Platin und war früher deutlich billiger als Platin. Aktuell haben beide Metalle etwa den gleichen Preis. Auch die bekannten, unterirdischen Platin- und Palladiumreserven sind ungefähr gleich. Ich war früher der Ansicht, dass es weniger Palladium gäbe, aber inzwischen habe ich mir die wenigen verfügbaren Berichte zu den Platingruppenmetallen gekauft und genau studiert. Aus diesen Daten geht hervor, dass die Minenproduktion bei beiden Metallen ähnlich ist. Allerdings wird mehr Palladium benötigt, weil es vorwiegend in den Katalysatoren für Ottomotoren zum Einsatz kommt, nach denen eine größere Nachfrage besteht. Die Palladiumnachfrage ist also höher, aber der Preis und die Fördermengen sind in etwa gleich. Das sollte den Palladiumpreis also steigen lassen.


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