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Sind Roboter die besseren Anlageberater?

12.11.2017  |  Manfred Gburek
Am vergangenen Donnerstag erhielten Kunden der Direktbank ING-DiBa eine verheißungsvolle Einladung: "Lassen Sie Ihr Geld doch einfach von Experten verwalten. Schnell, einfach und unkompliziert. Mit einer professionellen Online-Vermögensverwaltung ab 10.000 Euro." Ohne feste Laufzeit, ohne feste Kündigungsfristen, für jährliche Gebühren von insgesamt 0,75 Prozent, berechnet in zwölf monatlichen Raten. Also quasi ein Geschenk für Anleger, weil das Angebot der Direktbank auf den ersten Blick besonders günstig erscheint?

Gehen wir ihm mal auf den Grund. Es basiert auf ETFs, den in den vergangenen Jahren immer mehr verbreiteten börsengehandelten Indexfonds. Also wahrlich keine Innovation, sondern Mainstream. Als Kooperationspartner der ING-DiBa dient Scalable Capital, einer der zahlreichen in Deutschland vertretenen Roboter-Vermögensverwalter. Seit Juni dieses Jahres ist BlackRock, größter Vermögensverwalter der Welt, maßgeblich an Scalable Capital beteiligt. Sie und viele andere lehren die deutschen Banken und Sparkassen schon seit Jahren das Fürchten. Und das ist erst der Anfang, denn bei Kalibern wie dem hier beschriebenen Trio geht es um ein Milliardengeschäft.

In der Glücksspielbranche gilt der Spruch: Die (Spiel-)Bank gewinnt immer, jedenfalls auf Dauer gesehen. Er lässt sich auch für das traditionelle Bankgeschäft verwenden – und im Besonderen für das Geschäft mit Fonds, seien sie provisions- und gebührenträchtig gemanagt oder seien sie für scheinbar wenig Geld in eines der vielen ETF-Pakete verpackt. Auf jeden Fall müssen Anleger sich mit dem zufrieden geben, was am Ende übrig bleibt, mal mehr, mal weniger, mal ein Gewinn, mal ein Verlust.

Aber wie soll daraus für die Anbieter ein Milliardengeschäft entstehen? Ganz einfach: Indem sie Anlegern vorgaukeln, rational handelnde Roboter könnten erfolgreicher mit Aktien, Anleihen oder Rohstoffen umgehen als die nicht nur rational handelnden, sondern in entscheidenden Börsenphasen sehr stark auch von Emotionen getriebenen Menschen. Doch warum propagieren die ING-DiBa und Scalable Capital gerade jetzt und nicht zu einer anderen Zeit die Vermögensverwaltung mittels Roboter?

Die plausibelste Antwort: Weil die seit Jahren aufwärts gerichteten Kurven von Aktienindizes wie Dax oder Dow Jones den meisten Anlegern den Eindruck vermitteln, an der Börse sei viel Geld zu verdienen. Unter Börsianern heißt das: Blick in den Rückspiegel. Man stelle sich im Gegensatz dazu nur mal vor, das Duo wäre mit dem Angebot unmittelbar nach dem Krisenjahr 2008 auf den Markt gekommen, also zur für Kunden optimalen, dagegen für Anbieter ungünstigsten Zeit. Kaum ein Anleger hätte es wahrgenommen, und der Marketingchef wäre mitsamt seinem Vorstandschef gefeuert worden.

Sind Roboter in Bezug auf die Geldanlage wirklich schlauer als Menschen? Viele Fondsmanager und so manche Professoren vertreten ja diese Meinung, unter anderem deshalb, weil Roboter sich im Gegensatz zu Menschen nie von Gefühlen leiten lassen. Den abschließenden Beweis bleiben sie allerdings schuldig. Warum, liegt auf der Hand: Weil die Zahl der Daten, die Kurse beeinflussen, ins Unendliche geht.

Daraus folgt: Irgendeine wichtige Kennzahl oder Chartformation, ein politischer Schwenk oder ein sogenannter Schwarzer Schwan, Symbol für ein scheinbar unmögliches Ereignis, wird von einem Roboter nicht berücksichtigt, und schon bricht dessen ganzer Algorithmus, also der zugrunde gelegte schematische Rechenvorgang, in sich zusammen. Wer das nicht glauben mag, braucht nur, beginnend mit dem Crash vom Oktober 1987, an den einen oder anderen Flash Crash der amerikanischen Aktienkurse in den vergangenen Jahren zu denken.

Apropos Crash: In letzter Zeit häufen sich wieder mal die Crash-Prognosen. Offenbar wollen bestimmte Gurus später von sich behaupten, sie hätten den letzten Crash vorhergesagt. Das mag in manchen Fällen unterhaltsam sein, zumal wenn die Argumente stichhaltig erscheinen. Fest steht indes, dass ein Crash ebenso wenig vorhersehbar ist wie eine Naturkatastrophe.

Da fragt sich so mancher Anleger zu Recht, warum Billionen Euro dafür investiert werden, dass Banker umfangreiche Anlagestudien erstellen lassen, dass Finanzanalysten nichtssagende Kursziele veröffentlichen oder dass Fonds und Vermögensverwalter ihre Portfolios hin und her bewegen, als wüssten sie, wie die Kurse sich weiterentwickeln werden.

Die nächstliegende Antwort: Börsen sind Tummelplätze für die ganz Großen in diesem Geschäft, seien es Vermögensverwalter wie BlackRock oder Investmentbanken wie Goldman Sachs, für langfristig orientierte Strategen wie Warren Buffett und für private Daueranleger, für Herausgeber von Tippdiensten und für Börsenspieler, die es an einem einzigen Tag auf mehr als hundert Transaktionen bringen, nicht zuletzt auch für Betrüger, die wie Gordon Gekko alias Michael Douglas im Film "Wall Street" schamlos falsche Spuren legen, um davon zu profitieren.

An alldem wird sich grundsätzlich nie wirklich etwas ändern, ganz egal, ob die Börsianer jubeln wie in diesen Tagen oder ob sie depressiv werden wie seinerzeit im Jahr 2008. Nach dem nächsten Crash wird halt wieder mal mehr reguliert, die Finanzaufsicht mit zusätzlichen Beamten aufgestockt, die von der Börse nur wenig verstehen. Und kaum ist das Gröbste überstanden, beginnt alles wieder von vorn. Die einzige Gewissheit besteht darin, dass an der Börse die Baisse der Hausse folgt, und umgekehrt; außerdem, dass die Aktienkurse langfristig einen Aufwärtstrend bilden - immerhin eine nicht zu unterschätzende Erkenntnis, vor allem für Daueranleger.

Diese Erkenntnis gilt im Übrigen auch für Gold und ein wenig eingeschränkt für Silber. Man sehe sich dazu nur deren Langfristcharts an. Wobei die zwei Edelmetalle ihre beste Zeit noch vor sich haben dürften. Der Grund ist ja längst bekannt: öffentliche und private Verschuldung. Sie lässt sich weder regulieren noch stoppen, weil sie international ist. Und während in Europa - zu Recht - besonders Italien am Pranger steht, scheinen viele Volkswirte noch nicht registriert zu haben, dass die chinesische Verschuldung der ganz dicke Brocken ist.

Daraus erklärt sich unter anderem, dass die Chinesen, der Staat wie auch private Sparer, zusammen wahrscheinlich schon einen der größten Goldhorte der Welt besitzen. Falls die Verschuldung so wie bisher weiter fortschreitet, kann das Vertrauen der Anleger in die boomende chinesische Wirtschaft schnell schwinden. Dies dürfte den Preisen von Gold und Silber neuen Auftrieb verleihen.

Eine solche Entwicklung bahnt sich bereits auch aus einem weiteren Grund an: China hat einen riesigen Bedarf an Kupfer, vor allem wegen des zunehmenden Bedarfs zur Verbesserung der Infrastruktur, verfügt schätzungsweise aber nur über 28.000 Kilotonnen. Zum Vergleich: Chile, Kupferland Nummer eins, hat etwa 210.000 Kilotonnen.

Fazit: Das Establishment der Banken und Vermögensverwalter überschwemmt, wie das Beispiel ING-DiBa zeigt, Anleger mit ETFs, Ausgang ungewiss. Roboter sollen die Aufgaben von Menschen übernehmen, stoßen jedoch schnell an ihre Grenzen. Der Blick in den Rückspiegel ist für Anleger verfänglich, weil er in erster Linie dem Marketing der Anbieter von Finanzprodukten dient. Ein Crash kann zwar nicht vorhergesehen werden, aber er liegt wegen der hohen internationalen Verschuldung, Schwerpunkt China, in der Luft. Gold und Silber bieten sich als Schutz vor den Unbilden der Finanzmärkte an.


© Manfred Gburek
www.gburek.eu


Manfred Gburek ist neben seiner Funktion als Kolumnist privater Investor und Buchautor.

Neu bei gburek.eu: Achtung, Window Dressing!



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