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Zweifel an OPEC-Einschätzung zum Ölmarkt

14.11.2017  |  Eugen Weinberg
Energie

Die Ölpreise geben leicht nach. Brent fällt zeitweise unter 63 USD je Barrel, WTI unter 57 USD je Barrel. Der OPEC-Monatsbericht konnte trotz einiger überraschender Aussagen den Preisen keinen weiteren Auftrieb mehr geben. Demzufolge soll der globale Ölmarkt bei gleichbleibender OPEC-Produktion im nächsten Jahr ein Defizit von gut 800 Tsd. Barrel pro Tag aufweisen. Dies würde auf einen fortgesetzten Abbau der Lagerbestände hindeuten.

Die OPEC unterstellt dabei einen etwas stärkeren Anstieg der globalen Ölnachfrage um 1,5 Mio. Barrel pro Tag. Der Bedarf an OPEC-Öl soll auch deswegen deutlich höher ausfallen als in diesem Jahr und als bislang erwartet. Hauptgrund hierfür ist allerdings ein vergleichsweise geringer Anstieg des Nicht-OPEC-Angebotes um 650 Tsd. Barrel pro Tag in diesem Jahr und um 870 Tsd. Barrel pro Tag im nächsten Jahr. Diese Prognose erachten wir angesichts der aktuellen Produktionsentwicklung in den USA und der positiven Auswirkungen des höheren Preisniveaus auf die künftige Produktion als deutlich zu niedrig.

Die US-Energiebehörde erwartet in ihrem gestern veröffentlichten Drilling Productivity Report einen weiteren Anstieg der US-Schieferölproduktion im Dezember um 80 Tsd. auf ein Rekordniveau von 6,17 Mio. Barrel pro Tag. Innerhalb von 12 Monaten würde die US-Schieferölproduktion somit um fast 1 Mio. Barrel pro Tag steigen. Die IEA rechnet für 2018 mit einem Plus beim Nicht-OPEC-Angebot von 1,4 Mio. Barrel pro Tag. Bei einem stärker steigenden Nicht-OPEC-Angebot fallen der Bedarf an OPEC-Öl und damit auch das Marktdefizit entprechend niedriger aus.


Edelmetalle

Gold fiel am Morgen innerhalb weniger Minuten um fast 10 USD auf 1.270 USD je Feinunze. Es dürfte sich vermutlich wie schon am Freitagnachmittag um eine größere Verkaufsorder auf dem Futures-Markt handeln. Die Nachrichtenlage ist dagegen sehr dünn. Auf einer EZB-Konferenz in Frankfurt nehmen an einer Podiumsdiskussion neben EZB-Präsident Mario Draghi die scheidende Fed-Vorsitzende Janet Yellen sowie die Gouverneure der Bank of England und der Bank of Japan, Mark Carney und Haruhiko Kuroda, teil. Sie diskutieren über die Herausforderungen und Chancen der Kommunikationspolitik von Zentralbanken.

In vielen Fällen hat die Kommunikationspolitik der Zentralbanken nicht funktioniert. Dies wird vor allem in den Zinserwartungen des Marktes deutlich. So glaubt die Mehrheit der Marktteilnehmer noch immer nicht an den von der Fed in Aussicht gestellten Zinserhöhungszyklus. Und auch für andere Länder rechnet der Markt in absehbarer Zeit entweder mit gar keiner Zinswende (Japan) oder nur mit homöopathischen Schritten (Großbritannien).

Neue Erkenntnisse über die Geldpolitik der beteiligten Zentralbanken dürfte die Konferenz aber nicht bringen. Die spekulativen Finanzinvestoren haben gemäß CFTC-Statistik ihren Rückzug bei Gold vorerst beendet und in der Woche zum 7. November wieder Netto-Long-Positionen aufgebaut. Auch bei Silber wurde zuletzt wieder stärker auf steigende Preise gewettet. Der weltweit größte Verarbeiter von Platin und Palladium, Johnson Matthey, hat die Veröffentlichung seines halbjährlichen Berichts zur Lage an den Platin- und Palladiummärkten auf Mitte Februar verschoben.

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Industriemetalle

Nach dem teilweisen merklichen Preisanstieg gestern zeigen sich die Metalle heute Morgen entweder unverändert oder geben moderat nach. In China ist gemäß Daten des Nationalen Statistikbüros (NBS) die Industrieproduktion im Oktober um 6,2% gewachsen, ein Zehntel weniger als vom Markt erwartet. Daneben ließ die Dynamik bei den Investitionen in Sachanlagen weiter nach und verzeichnete mit +7,3% das schwächste Wachstum seit Ende 1999.

Die Daten legen nahe, dass die Staatsausgaben gesunken sind und sich die Binnennachfrage spürbar abgeschwächt hat. Auch in den kommenden Monaten dürften die Konjunkturdaten weiter leicht nach unten tendieren. Die chinesische Aluminiumproduktion ist Daten des NBS zufolge auch im Oktober deutlich gefallen. Mit 2,55 Mio. Tonnen lag sie 6,5% unter dem Vorjahresniveau und hat zugleich den niedrigsten Wert seit acht Monaten erreicht. Auf Tagesbasis war dies sogar die geringste Menge seit Februar 2016.

Vom Rekordhoch im Juni ist die Aluminiumproduktion mittlerweile um 13% zurückgegangen. Die chinesischen Behörden hatten die Schließung illegaler Schmelzen angeordnet. Zudem wurden viele der eigentlich erst ab Mitte November geltenden Produktionskürzungen während der Wintermonate schon früher umgesetzt. Die Stahlproduktion hat sich dagegen im Oktober vom schwachen Septemberniveau wieder etwas erholt und lag mit 72,4 Mio. Tonnen 5,6% über Vorjahr.


Agrarrohstoffe

Besseres Wetter in Brasilien ließ den Sojabohnenpreis gestern sinken. Das Unterschreiten wichtiger charttechnischer Linien löste zudem technische Verkäufe aus. So schloss der Sojabohnenpreis gestern 1,3% im Minus bei 974 US-Cents je Scheffel auf dem niedrigsten Stand seit einem Monat. In Brasilien hatten verbreitete Regenfälle über das Wochenende zu einer verbesserten Ausgangslage für die frühe Entwicklung der jüngst ausgebrachten Saat geführt und damit die Sorge vor den Wirkungen eines sich möglicherweise entwickelnden La-Niña-Phänomens gemildert.

Auch die US-Exportdaten hatten dem nichts entgegenzusetzen. Zwar lagen die Sojabohnenexporte in der letzten Berichtswoche mit gut 2 Mio. Tonnen im Bereich der Erwartungen, jedoch deutlich unter den 2,8 Mio. Tonnen in der Vorjahreswoche. Diese Informationen lagen am vergangenen Dienstag, dem Stichtag für die CFTC-Daten zur Marktpositionierung, noch nicht vor. In der Berichtswoche hatte der Sojabohnenpreis zugelegt, wohl auch dadurch unterstützt, dass die kurzfristig orientierten Marktteilnehmer anders als in den beiden Vorwochen ihre Netto-Long-Positionen ausdehnten.

Derweil geht die Ernte in den USA ihrem Ende entgegen. Bis Sonntag waren 93% der Felder abgeerntet, nur marginal weniger als im Durchschnitt der letzten Jahre zu diesem Zeitpunkt. Deutlicher hinter dem normalen Tempo zurück bleibt die Ernte bei Mais. Bisher wurden 83% der Felder abgeerntet, im Durchschnitt der letzten Jahre waren es zu diesem Zeitpunkt bereits 91%.



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