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Die Herausforderung unserer Tage

14.11.2017  |  Klaus Singer
Ray Dalio, Bridgewater Associates, befasst sich in einem kürzlich erschienenen Artikel mit dem, was er die größte wirtschaftliche, soziale und politische Herausforderung unserer Tage nennt. Sie hat sich unter der Decke von statistischen Mittelwerten entwickelt. Diese liefern aufgrund der extremen Spreizung der zugrunde liegenden Datenreihen keine relevante Aussage mehr dazu, wie es um die Lebensbedingungen eines durchschnittlichen US-Amerikaners bestellt ist. Dalio fokussiert die USA, seine Ausführungen sind jedoch auf die industrialisierten Länder insgesamt übertragbar.

Er stellt in der Vermögensverteilung die oberen 0,1% der Bevölkerung der Gruppe der unteren 90% gegenüber. Seit den frühen 1980er Jahren hat sich der Anteil der reichsten Gruppe von 7% auf 22% verbessert, während der Anteil der unteren 90% von 36% auf 24% zurückgegangen ist. Andere Zeiten, ähnliche Verläufe: In den 1920er Jahren stieg der Anteil der reichsten 0,1% von 15% auf 25%, während der Anteil der unteren 90% von 23% auf 15% sank. Die ab 1930 einsetzende Umkehrbewegung hielt bis in die frühen 1980er Jahre an.

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Teilt man die gesamte Bevölkerung nach Einkommen, bzw. Vermögen im Verhältnis 60 zu 40 auf, so ergibt sich, dass die unteren 60% seit 1980 so gut wie keine Steigerung ihres realen Einkommenssteigerung gesehen haben. Ähnliches gilt auch für die Vermögensentwicklung. Bei den oberen 40% hingegen hat es deutliche Zuwächse gegeben, insbesondere beim Vermögen, und hier insbesondere seit 2009. Hier schlägt sich die Geldflutpolitik der Zentralbanken nieder, die die Asset-Preise inflationiert hat. Der durchschnittliche Haushalt der Top-40 verdient heute vier Mal mehr als der in den unteren 60%. 1980 hatte der durchschnittliche Top-40-Haushalt ein sechsfach höheres Vermögen als der Gegenpart. Aktuell liegt dieser Faktor bei zehn.

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Ein Blick auf die Entwicklung des Vermögensanteils der unteren 60% am Gesamtvermögen zeigt, dass sich dieser seit 1980 nahezu halbiert hat. Auch hier schlägt sich die Zeit seit 2009 in einer beschleunigten Abnahme nieder. Bei den oberen 40% verläuft die Entwicklung spiegelbildlich, ihr Anteil kommt aktuell auf etwa 88%.

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Es verwundert nicht weiter, dass sich der Anteil der US-Amerikaner, die Regierung, Medien und Banken vertrauen, nahe 35-jähriger Tiefs bewegt.

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Neben der Ähnlichkeit des aktuellen Verlaufs der Vermögensverteilung zu demjenigen Ende der 1920er Jahre fällt eine weitere Parallele auf. Damals konnten radikale politische Strömungen Fuß fassen, was in den 1930er Jahren zum Nazi-Regime in Deutschland und auch in anderen Ländern zu faschistischen Diktaturen führte. Seit einigen Jahren erleben wir ebenfalls erstarkende nationalistische und im politischen Spektrum weit rechts angesiedelte politische Bewegungen. Zu denen ist auch eine Regierung Trump in den USA zu zählen.

(Quellen Charts: Die bis hierhin gezeigten Charts sind dem Artikel "Our Biggest Economic, Social, and Political Issue" entnommen. https://www.linkedin.com/pulse/our-biggest-economic-social-political-issue-two-economies-ray-dalio/)

Weitere Informationen zur Verteilung von Einkommen und Vermögen finden Sie u.a. in diesem Artikel: “Weitere Charts zur Verteilung von Einkommen und Vermögen“!

Die Abnahme des Anteils einer Bevölkerungsgruppe am Gesamtvermögen bedeutet nicht zwingend auch einen absoluten Rückgang ihres Vermögens, nämlich dann nicht, wenn die gesamte Vermögensmasse so stark steigt, dass dies die Schrumpfung des Anteils mindestens kompensiert. So dürfte sich das Vermögen der reichsten Bevölkerungsgruppe trotz ihres zwischen dem Ende des zweiten Weltkriegs und den frühen 1980er Jahren von 10% auf 7% sinkenden Anteils am gesamten Kuchen absolut vermehrt haben, weil in dieser Zeit die Volkswirtschaften der industrialisierten Länder deutlich gewachsen sind.


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