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IEA widerspricht OPEC

15.11.2017  |  Eugen Weinberg
Energie

Die Ölpreise gerieten gestern Nachmittag deutlich unter Abgabedruck. Brent fiel um bis zu 3% auf 61,5 USD je Barrel, WTI auf 55 USD je Barrel. Auf diesen Niveaus notieren die Preise auch heute Morgen. Der Preisrutsch setzte nahezu zeitgleich mit dem bei Industriemetallen ein. Einen ölmarktspezifischen Auslöser für den Preisrutsch gab es nicht. Die pessimistische Markteinschätzung der Internationalen Energieagentur am Vormittag wurde vom Markt zunächst noch gut weggesteckt. Die IEA berichtete zwar einen kräftigen Lagerabbau im dritten Quartal.

Die Abweichung der kommerziellen OECD-Ölvorräte vom 5-Jahresdurchschnitt verringerte sich demnach bis Ende September auf 119 Mio. Barrel. Viel weiter dürfte sie aber nicht mehr sinken. Für das laufende Quartal sieht die IEA einen ausgeglichenen Ölmarkt. Im ersten Halbjahr 2018 dürften die Ölvorräte sogar wieder steigen. Die globale Ölnachfrage soll 2018 laut IEA um 1,3 Mio. Barrel pro Tag steigen, das Nicht-OPEC-Angebot noch etwas stärker um 1,4 Mio. Barrel pro Tag. Die OPEC hat somit keinerlei Spielraum, die Produktion im nächsten Jahr zu erhöhen.

Die IEA kommt daher zu einer gänzlich anderen Einschätzung als die OPEC in ihrem Monatsbericht am Vortag (siehe TagesInfo Rohstoffe von gestern). Wir erachten die Annahmen der IEA zum Nicht-OPEC-Angebot und der daraus resultierenden Marktbilanz im nächsten Jahr für realistischer. Laut API stiegen die US-Rohöllagerbestände in der letzten Woche wegen höherer Importe unerwartet deutlich um 6,5 Mio. Barrel. Das US-Energieministerium veröffentlicht die offiziellen Daten heute Nachmittag.


Edelmetalle

Der Goldpreis verzeichnete gestern Morgen zunächst den zweiten plötzlichen Schwächeanfall in wenigen Tagen. Beide Male ging dies mit extrem hohen Handelsvolumina einher. Am Freitagnachmittag wurden an der Comex in New York fast 40 Tsd. Kontrakte innerhalb von 10 Minuten gehandelt, gestern Morgen waren es über 20 Tsd. Kontrakte ebenfalls innerhalb von 10 Minuten. Im Markt halten sich Gerüchte, dass die Goldverkäufe im Zusammenhang mit der Staatspleite Venezuelas stehen. Denn das Land hatte seit 2015 mit Investmentbanken rund 180 Tonnen Gold geswapt und im Gegenzug Kredite erhalten.

Möglicherweise wurde dieses Gold jetzt verwertet, nachdem die Kredite nicht bedient wurden. Die Goldpreisschwäche hielt bis gestern Nachmittag an, obwohl der US-Dollar im Zuge guter BIP-Daten aus Deutschland merklich abwertete. Mit Beginn des US-Handels und im Zuge des Preisrutsches der zyklischen Rohstoffe vollzog Gold dann allerdings eine Kehrtwende. Es holte sämtliche Verluste wieder auf, wobei auch dies mit einem hohen Handelsvolumen einherging - diesmal wurden 14 Tsd. Kontrakte innerhalb von 3 Minuten gehandelt. Heute Morgen verteuert sich Gold leicht auf 1.285 USD je Feinunze.

Medienberichten zufolge hat es in Simbabwe einen Militärputsch gegeben. Daten von Johnson Matthey zufolge ist Simbabwe der weltweit drittgrößte Platinproduzent (7,7% Anteil) und der viertgrößte Palladiumproduzent (5,5%). Nachrichten über eine Beeinträchtigung der Produktion gibt es bislang keine.


Industriemetalle

Mit Beginn des US-Handels und entgegen einem schwachen US-Dollar ging es gestern Nachmittag für die Metallpreise stark bergab. Der LME-Industriemetallindex verlor daraufhin 2%. Mit einem Minus von zwischenzeitlich 6% war Nickel der größte Verlierer unter den Metallen. Es rutschte deutlich unter die Marke von 12.000 USD je Tonne. Kupfer, Zink und Blei verloren jeweils rund 2%. Der Preisrückgang setzt sich heute Morgen mit geringerer Dynamik fort.

Da auch die Energiepreise ins Rutschen kamen, deutet dies auf eine hohe Risikoaversion der Marktteilnehmer hin. Gründe für den plötzlichen Einbruch sind schwer zu finden. Unseres Erachtens sind viele Metallpreise zu hoch und der Preisanstieg zuvor war stark spekulativ getrieben, so dass sich Korrekturpotenzial aufgebaut hatte. Möglicherweise wurden auch die steigenden Zinsen in China - der 1-Jahres-SHIBOR ist auf ein 2½-Jahreshoch von 4,5% gestiegen - als Warnsignal für eine knappere Liquidität aufgefasst und entsprechend Metalle verkauft.

Ab heute sollen in China die Produktionskürzungen während der Wintermonate gelten. In vielen Fällen wurden die Kürzungen schon vorher umgesetzt. Sie sollen bis zum 15. März dauern und zu einer besseren Luft beitragen. Laut Einschätzung der Research-Institute SMM und CRU wurden in der Aluminiumindustrie aber weit weniger Kapazitäten vom Markt genommen als von der Regierung in Peking angeordnet. Auch werden demnach andere Schmelzen stärker ausgelastet. Wir sehen für den Aluminiumpreis weiteres Korrekturpotenzial.

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Agrarrohstoffe

Der nahende Abschluss der Maisernte in den USA, wo nach dem Rekord des Vorjahres gerade die zweitgrößte Ernte aller Zeiten eingebracht wird, drückt auf den Maispreis in Chicago. Gestern gab er um weitere 1,4% nach und schloss mit 338 US-Cents je Scheffel auf dem niedrigsten Stand seit über einem Jahr. Auch die jüngsten Regenfälle in Brasilien hinterlassen ihre Spuren.

Nachdem es lange zu trocken war, erleichtern sie zunächst den Fortschritt der Sojabohnenaussaat. Kann diese rechtzeitig abgeschlossen werden, dann steigt die Wahrscheinlichkeit, dass auch für die nach der Sojabohnenernte stattfindende Maisaussaat für die zweite Ernte im Jahr ausreichend Zeit bleibt. Dies geschieht in der Regel im Februar.

Nach Angaben der Industrievereinigung UFOP wurde in Deutschland die Rapsfläche zur Ernte 2018 um 1,9% gegenüber Vorjahr reduziert. Ein wichtiger Grund war die schlechte Witterung mit regionalem Dauerregen, der die Aussaat erschwerte. Bereits die Getreideernte war dadurch verzögert worden, so dass auch viele Felder zu spät geräumt wurden, um noch Raps auszusäen.

Bereits zur Ernte 2017 war die Rapsfläche um 1,2% gesunken. Gleichzeitig waren die Erträge wegen ungünstiger Witterungsbedingungen niedrig. Daher blieb die deutsche Rapsernte, die die EU-Kommission auf 4,7 Mio. Tonnen, das deutsche Landwirtschaftsministerium sogar nur auf 4,3 Mio. Tonnen beziffert, deutlich unterdurchschnittlich.



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