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Atombombe Brexit, Enteignung auf Raten und Hyperinflation in Japan

19.11.2017  |  Manfred Gburek
Wenn praxiserfahrene, niemandem mehr Rechenschaft schuldige Koryphäen der Ökonomie im fortgeschrittenen Alter Warnsignale ausstoßen, gilt es, die Ohren zu spitzen. So wie in der vergangenen Woche, als der umtriebige Professor Hans-Werner Sinn beim 30. Jubiläum des Finanzdienstleisters Feri und zwei Tage später der nicht minder umtriebige Professor Otmar Issing aus Anlass des 4. Kapitalmarkttags der Privatbank Hauck & Aufhäuser die Zuhörer das Fürchten lehrten.

Beginnen wir mit Sinn. Er bezeichnet den für 2019 anstehenden Brexit als "eine Art Atombombenexplosion" - mit schlimmen Folgen für Deutschland, sei Großbritannien doch unser drittgrößter Exportmarkt. Deutsche Politiker hätten durch die Bank noch nicht begriffen, wie problematisch der Brexit ist. Das Schlimme daran: Sobald die Briten als Partner Deutschlands in der EU wegfallen, bekommen Franzosen, Italiener und Spanier ein Übergewicht und ergreifen die Initiative, indem sie Deutschland zur Transferunion zwingen.

In der Bundesregierung hat sich zwar hier und da die Erkenntnis durchgesetzt, dass ein harter Brexit kommt: "Wir sollten uns alle darauf einstellen", warnte Thomas Steffen, Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, aus Anlass der vorwöchigen 20. Euro Finance Week. Aber bis alle Parlamentarier diese Botschaft wirklich begriffen haben, darüber werden noch viele Monate vergehen. Vor diesem ernsten Hintergrund erscheinen die aktuellen Koalitionsverhandlungen geradezu wie ein Kinderspiel.

Nun zu Issing. Er macht sich besonders große Sorgen um die in der Öffentlichkeit viel zu wenig diskutierten Konsequenzen aus den langjährig niedrigen Zinsen: "Hier findet eine Enteignung der Sparer statt." Das sei allerdings nur ein Teil des Problems. Ein noch größerer Teil bestehe darin, dass die Altersvorsorge über Lebensversicherungen und Pensionen besonders hart betroffen sein werde.

Daraus folgt: Es wird zur Enteignung auf Raten kommen, denn diese beiden Sparformen sind für viele Jahre konzipiert. Das Schlimme daran: Die Alternativen sind rar geworden. Tages- und Festgeld? Derzeit nur als Geldparkplatz geeignet. Anleihen? Allein hartgesottenen Profis vorbehalten. Aktien? Überwiegend schon zu hoch bewertet. Immobilien? Im Großen und Ganzen zu teuer. Gold und Silber? Als Versicherung gegen ein Währungsdesaster und wegen der jetzt relativ niedrigen Preise geeignet, doch Banken und Sparkassen raten vom Kauf eher ab, weil sie daran nur wenig verdienen können.

Was ist nur aus dem Stabilitäts- und Wachstumspakt geworden? Issing meint: "Er wurde von Politikern nie ernst genommen, inzwischen gibt es über hundert Verstöße gegen ihn." Italien sei "das Europroblem schlechthin". Aber die Italiener dächten nicht im Traum daran, die Eurozone zu verlassen. Sie vertrauen einfach darauf, dass die EZB ihre Probleme löst. Und was ist mit Griechenland? Das folgende Beispiel spricht Bände: Dort wurde ein Statistiker aus dem Verkehr gezogen, bedroht und anschließend sogar wegen einer Lappalie vor Gericht angeklagt, weil er die amtliche Statistik um eklatante Fehler bereinigt hatte. Inzwischen sind seine Korrekturen wieder rückgängig gemacht.

Schließlich kann sich Issing nicht eine brisante Prognose verkneifen: "Geht es mit der japanischen Geldpolitik so wie bisher weiter, wird es in Japan zu einer Hyperinflation kommen." Das sind zweifellos ganz starke Worte. Wobei sich aus deutscher Sicht gleich die beiden Fragen aufdrängen: Was wird aus der Inflation in Europa, speziell in Deutschland, und in Amerika?

Besteht etwa Ansteckungsgefahr? Da ist Issing mit der Antwort vorsichtig; klar, als ehemaliger Chefvolkswirt der EZB muss er es ja sein, weil er die Geldpolitik in der Eurozone mitbestimmt hat. Immerhin sind zwei Aussagen von ihm aufschlussreich. Erstens: "Das Risiko einer Deflation gab es hier nie." Zweitens: "Dass die jetzige Inflation angeblich zu niedrig ist, geht mir gegen alles."


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