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Der Inflations-Boom

11.12.2017  |  Prof. Dr. Thorsten Polleit
Der weltweite Konjunkturaufschwung zeigt Eigenschaften eines "Inflations-Booms". Er führt eine Geldentwertung mit im Gepäck, die viele Anleger vermutlich unterschätzen.

Die großen Volkswirtschaften der Welt wachsen, neue Arbeitsplätze werden geschaffen, die Einkommen steigen. Das deuten sowohl die volkswirtschaftlichen Daten als auch Stimmungs- und Frühindikatoren an (Abb. 1 (a) und b)).

Vermutlich wird so mancher Investor jedoch den Eindruck nicht los, dass dem Aufschwung der Weltwirtschaft etwas "Unnatürliches" anhaftet. Doch was ist es, das Anlass zu Zweifeln gibt, die Krise sei endgültig überwunden? Ist es nur die Neigung, das Glas halbleer und nicht halbvoll sehen zu wollen?

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Quelle: Thomson Financial. (1) Q3 2007 = 100


Nein, es gibt gute Gründe, den Aufschwung mit einer gewissen Skepsis zu sehen. Eine Reihe von auffälligen Entwicklungen lässt sich ausmachen. Man nehme beispielsweise die US-amerikanischen Zinsen. Sie folgen seit den frühen 1980er Jahren einem sinkenden Trend und bewegen sich nun auf historischen Tiefstständen (Abb. 2 (a)). Gleichzeitig sind die Aktienkurse auf immer höhere Niveaus geklettert, und auch die Aktienbewertungen haben (seit dem Jahr 2012) wieder merklich zugenommen (Abb. 2 (b)).

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Quelle: Thomson Financial. (1) Das KGV für den japanischen Aktienmarkt übersteigt zeitweise die Skalierung der Graphik.


Doch damit nicht genug. Es gibt zudem Entwicklungen, die sich nicht so ohne weiteres aus der aktuellen Datenlage herauslesen lassen, die aber dennoch - gewissermaßen unsichtbar - im Hintergrund wirken. Dazu gehört vor allem auch das ungedeckte Papiergeldsystem. Es verursacht Störungen im Wirtschaftsgefüge. Anfänglich treten sie trügerischerweise als konjunkturelle Erholung in Erscheinung. Nachfolgend zeigt sich dann jedoch ihre krisenverursachende Wirkung.

Im Folgenden wird argumentiert, dass die aktuelle weltweite Konjunkturerholung auffällige Eigenschaften eines "Inflations-Booms" zeigt - in Gang gesetzt durch die Geldpolitiken der Zentralbanken. Es wird dabei aufgezeigt, was Inflation ist, welche Folgen eine "Überraschungsinflation" hat, und wie man als Anleger die Inflation sinnvoll abschätzen kann. Abschließend werden einige Handlungsmöglichkeiten für Anleger in Zeiten des Inflations-Booms angesprochen.


Was Inflation bedeutet

Viele Menschen verstehen unter Inflation ein fortgesetztes Ansteigen der Konsumentenpreise. Doch diese Sichtweise greift zu kurz. Inflation ist im Kern vor allem eines: erzwungene Umverteilung, bei der einige gewinnen auf Kosten anderer.

Eine Volkswirtschaft wird reicher, wenn die Konsum- und Produktionsgütermenge zunimmt, wenn es mehr Häuser und Wohnungen gibt. Eine Volkswirtschaft wird aber nicht reicher, wenn die Preise der Güter steigen - egal ob es sich dabei um Konsumgüterpreise oder Aktien- oder Häuserpreise handelt. Wenn die Güterpreise steigen, profitieren diejenigen, die die Güter besitzen. Das Nachsehen haben diejenigen, die Geld halten: Sie bekommen fortan weniger für ihr Geld.

Heutzutage sprechen jedoch viele Volkswirte von einem "positiven Vermögenseffekt", wenn Aktienkurse und Häuserpreise steigen. Das aber ist gesamtwirtschaftlich gesehen falsch. Diejenigen, die Aktien oder Häuser besitzen, werden reicher. Gleichzeitig werden aber diejenigen, die Geld halten, ärmer. Ihre Kaufkraft schwindet. Steigende Aktien- oder Häuserpreise sind, wenn sie nicht von Preisrückgängen anderer Güter begleitet werden, ein untrügliches Zeichen dafür, dass zwangsumverteilt wird: einige werden bessergestellt zu Lasten anderer.

Die Ursache für den "Inflations-Boom" ist das Geldschaffen "aus dem Nichts". Und genau das betreiben die Zentralbanken in enger Zusammenarbeit mit den Geschäftsbanken. Es ist die steigende Geldmenge, die für das Ansteigen aller Güterpreise im Zeitablauf sorgt. Ohne eine solche Geldmengenvermehrung wäre es nicht denkbar, dass alle Preise im Zeitlauf auf immer höhere Niveaus klettern. Inflation ist, so der bekannte Ausspruch des US-amerikanischen Ökonomen Milton Friedman (1912 - 2006), immer und überall ein monetäres Phänomen.


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