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Teil 4: Gold vs Öl: Wer hat Angst vorm (schwarzen) Gold?

11.07.2003  |  Stephan Bogner
Eine weitere Methode, den Wert des Goldes abzuschätzen, ist die positive Relation von Gold- und Ölpreisen. Hier haben die Ölkrisen von 1973/74 und 1979/80 die enge Beziehung aufgezeigt.

Ferdinand Lips erwähnt in seinem US-Bestseller "Gold Wars" die Möglichkeit, daß die US-Inflation der Grund für die Ölpreisausschläge gewesen sein könnte, und nicht, wie viele fälschlicherweise denken, die Ölpreissteigerungen Ursache für die Inflation gewesen sind. Es gab schon vor dem ersten Ölpreisschock Inflationstendenzen in den USA. Ferner wurden die ölproduzierende Länder in Petro-Dollars bezahlt, welche mit der Zeit überrascht festgestellt haben, daß ihre Öl-Dollars immer mehr an Wert verlieren. 1973 und 1979 erhöhten sie deshalb die Ölpreise um die amerikanische Inflation zu kompensieren. Anschließend investierten die OPEC-Staaten diese Petrodollars sofort in ihre Infrastruktur und Gold.(1)

Lips gibt in seinem neuen Buch einen bestätigenden Hinweis für das sinkende Vertrauen der ölexportierenden Länder in das Fiat-Money-System seit den 70er Jahren, indem er Timothy Green zitiert:

"Andere Zentralbanken kauften ebenfalls Gold, einschließlich Japan, Taiwan, Indonesien und die OPEC-Länder (Saudi-Arabien, Iran, Irak, Libyen, Katar, Oman usw.). Singapur war gleichfalls als großer Käufer am Markt aktiv, doch tauchte dies nie in offiziellen Statistiken auf."(2)

Es darf Ursache nicht mit Wirkung verwechselt werden. Sicherlich hatten die Ölpreissteigerungen erhebliche Wirkungen auf die Inflation und liessen diese (erst recht) explodieren, jedoch könnte die Kern-Ursache der US-Inflation nicht die zwei Ölpreissteigerung gewesen sein, sondern eben eine überproportionale Kredit- bzw. Geldmengenausweitung. Wenn die USA einen stabilen Dollar gefördert hätten (kann mit Gold als Währungsgrundlage hervorragend "erzwungen" werden), wäre es nie zu den dramatischen Ölpreissteigerungen gekommen, die nicht nur weltweite Finanzsysteme und Unternehmen erschüttert haben, sondern auch ganze Volkswirtschaften (insbesondere ärmere Länder) für Jahre kollabieren liessen.

Gold bewies in dieser Zeit einmal mehr seine "ehrlichen" Charaktereigenschaften als Werterhaltungsmittel wie die Wirtschaftsgeschichte beweist. Die 1970er Jahre zeigten eindrucksvoll das willkürliche Potential von Inflationen, welche Regierungen nicht mehr im Stande waren zu kontrollieren. Allein Gold konnte in dieser Zeit an Wert zulegen, jedoch konnte sich die dannzumalige Bevölkerung nur vereinzelt gegen die politisch-ideologisierte Inflation schützen, da die Ereignisse den gutgläubigen Mensch "über Nacht" aus seinem "nichts-ahnenden, kindlich-naiven Schlaf" rissen. Der Goldpreis explodierte innerhalb weniger Tage, während weltweit Volkswirtschaften jahrelang implodierten.

Zwischen 1946 und 1971 lag der Ölpreis relativ stabil unterhalb der 5-Dollar-Marke und zeigte wenig Volatilität, wie Abbildung 1 grafisch verdeutlicht. Seit 1971 jedoch, als das letzte Band zwischen Währungen und Gold von Präsident Nixon zerschnitten wurde, kam es zwei Jahre später zu den bekannten Ölpreisschocks der 70er Jahre. Von 1972 bis heute nahm die Ölpreis-Volatilität erhebliche Ausmaße an. Adam Hamilton beschreibt die plötzlichen Schwankungssprünge des Ölpreises seit 1973 wie folgt:

"Looks like an electro-cardiogram of a hamster on speed:"(3)

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Abbildung 1: Rohöl- (linke Skala) und Goldpreis (rechts) 1946-2000 in nominalen USD (4)


Zwischen 1946 und 1994 lag die positive Korrelation von Gold mit Öl bei 0.93. Innerhalb von nur fünf Jahren (1995 - 2000) sank diese auf 0.07, wie der Abbildung 1 zu entnehmen ist. Einen wichtigen Hinweis für den Einsturz dieser seit Jahrzehnten hoch positiven Korrelation, findet Hamilton bei der starken Kreditexpansion der Geldmenge M3.

Als Alan Greenspan am 5. Dezember 1995 das Verhalten der Investoren an der Börse mit "irrational exuberance" beschrieb, erstarrte die Welt gebannt. Die Worte vom "irrationalen Überschwang" wurden rasch zum meistzitierten Ausspruch des amerikanischen Notenbankchefs. Robert Shiller veröffentlichte im Jahr 2000 das gleichnamige Buch, in welchem er die US-Aktienspekulationsblasenentwicklung ausführlich beschreibt. Nach der Rede von Greenspan reagierten die Finanzmärkte direkt: In Japan fiel der Nikkei-Index um 3,2%, der DAX rutschte um vier Prozentpunkte ab, der Londoner FTSE-Index lag mit 4% im Minus, und der Dow Jones notierte mit 2,3% niedriger.(5) "Warum fiel die Reaktion so heftig aus? Manche interpretierten die Äußerung als die Ankündigung einer restriktiven Geldpolitik des Fed."(6) Das hat sich jedoch als krasse Fehlinterpretation erwiesen, denn die Geldmengenproduktion der Federal Reserve nahm in der Folge nicht ab, sondern (ein weiteres mal) überproportional stark zu, wie Abbildung 2 zeigt.

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Abbildung 2: Geldmengenwachstum M3 in Mrd. USD (linke Skala) und Wachstum des Aktienindex S&P 500 in Indexpunkten (rechten Skala) 1959 - 2000 (7)


In den meisten (entwickelten) Ländern der Welt gibt es einen historisch engen Zusammenhang zwischen der Geldmenge M3 und Aktienmärkten, wie Abbildung 2 mit dem S&P 500 als Beispiel-Aktienindex veranschaulicht. In der Zeit von 1959 bis 1994 war in den USA die Geldmenge M3 mit dem S&P 500-Aktienindex mit 0,92 korreliert. Zwischen 1995 und 2000 ist die positive Korrelation auf 0,99 angestiegen: "A credit bubble is born."(8)

Hamilton sieht nun folgenden Zusammenhang:

"Gold ist der sensibelste Barometer für Inflation, und das schon seit den Anfängen der Menschheitsgeschichte. ...Gold kündigt immer Fiat-Währungsprobleme (Inflation, oder Entwertung wie es in der Vergangenheit bezeichnet wurde) im Voraus an, indem es dramatisch an Wert gewinnt. Viele brillante Analysten, darunter auch das Gold Anti-Trust Action Committee, stellen die Hypothese auf, dass die US-Regierung ihre Tätigkeit den Goldpreis zu unterdrücken 1995 aufnahm. Indem der Goldpreis in US-Dollars künstlich gekappt wird, würde die Finanzgemeinde dem rücksichtslosen Wachstum im US-Geldangebot und den Inflationsdaten blind gegenüberstehen, und wäre getäuscht, indem sie annimmt, dass die US-Wirtschaft in einem viel besseren Zustand wäre wie das M3-Wachstum alleine nahelegen würde." (9)

Um sich den "Preis" dieser Aktienmarktblase mit Hilfe ein wenig Phantasie annähernd vorstellen zu können, sollte eine Milliarde USD (1.000.000.000) als 1.000 Meter hoher Turm aneinandergestapelter 100 USD-Scheinen betrachtet werden.






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