2007: Die US-Wirtschaft im Würgegriff von Asset- und Debtbubbles
Zwei Gefahren für die US-Wirtschaft in 2007:
Auf der ersten Seite wurde beschrieben wie der Immobilienmarkt einen Scheinvermögensgewinn für die US-Bürger auslöste. Die Konsumenten fühlen sich reicher und geben folglich mehr aus. Von einem Dollar Vermögenszuwachs im Häusermarkt fliessen nach einer Fed-Studie 7 Cent binnen drei Jahren in den Konsum (bei Aktien nur 3 Cent). Die Hausbesitzer nutzten die massiv gestiegenen Preise, um ihre Darlehn im Rahmen von Umschuldungen zu erhöhen. Selbst eine Fed-Studie aus 2005 kam zu dem Ergebnis, dass in 2005 um die 700 Mrd. Dollar über diesen Effekt in die Kassen der Konsumenten flossen.
Die Grafik oben rechts zeigt den engen Zusammenhang zwischen dem Häusermarkt (blaue Linie = Frühindikator) und dem Privaten Verbrauch (Quartalswerte annualisiert).
Aus der Abschwächung des US-Immobilienmarktes ergeben sich für 2007 also folgende Gefahren:
Verschuldung der Privaten Haushalte steigt deutlich schwächer (Abkühlung bereits sichtbar: Hypothekenkredite stiegen im 3. Quartal 2006 auf Jahresbasis nur noch um 672,7 Mrd. US$ nach noch 1.223,6 Mrd. US$ im 3. Quartal 2005; genaue Entwicklung siehe Grafik 2 auf Seite 1).
Daher weniger Geld für Konsum zur Verfügung
Bürger fühlen sich ärmer, Konsumbereitschaft sinkt (kein Reichtumseffekt mehr)
Bauausgaben gehen weiter zurück
Jobs im Baubereich zunehmend gefährdet
Die US-Wirtschaft wird also in 2007 mit hoher Wahrscheinlichkeit von der Konsumseite als auch vom Arbeitsmarkt (wegen des Wegfalls von Jobs im Bausektor) belastet.
Es bleibt abzuwarten, wie sich die Fed vor diesem Hintergrund verhalten wird (siehe Ausführungen oben).
Warum der Aktienmarkt in dieser Situation nicht helfen kann:
Dieser Tage wird oftmals ausgeführt, dass die steigenden Aktienkurse in dieser Phase helfen können. Nach dieser These werden die Aktiengewinne die Negativfolgen der Abschwächung des Immobilienmarktes kompensieren.
Dazu ist folgendes festzustellen:
Immobilien-Marktkapitalisierung doppelt so hoch (Daten per 30.09.2006):
Marktkapitalisierung der Immobilien: 20.480,80 Mrd. US$
Marktkapitalisierung der Aktien: 9.977,70 Mrd. US$
Immobilien werden weitgehend auf Kredit gekauft (US-Eigenkapitalquote der Hausbesitzer im 3. Quartal 2006 auf historischem Tief mit 53,6% nach 57,9% im Jahr 2000, 61,9% im Jahr 1990 und 69,2% im Jahr 1982)! Aktien kaum!
Ungefähr 50% der US-Bürger sind Aktionäre, aber über 69% wohnen in eigenen vier Wänden
Aktienvermögen weit ungleicher verteilt auf die US-Bevölkerung als das Immobilienvermögen
Vor diesem Hintergrund ist mehr als fraglich, ob die Aktienmärkte in dieser Situation helfen können. Kurzfristig besteht zwar die Möglichkeit für die US-Haushalte, über die Veräußerung von Wertpapieren für Abhilfe zu sorgen. Wenn aber Annuitäten bei US-Hauskrediten angesichts gestiegener Leitzinsen stark steigen, werden viele Hausbesitzer in eine schwierige Lage kommen. Und der Schuldendienstaufwand in Prozent des verfügbaren Einkommens liegt bereits jetzt historisch einmalig hoch (siehe nebenstehende Grafik).
Hinzu kommt: In Kalifornien liegt der Anteil von strukturierten Hypothekenkrediten 2005 bei über 50 Prozent. Bei diesen Krediten liegt der Zins in den ersten 2, 3 oder 4 Jahren bei 1 bis 2%t. Die Zinsersparnis der ersten Jahre wird dann später auf die Darlehnsschuld aufgeschlagen. Solange die Häuserpreise steigen ist das wenig problematisch. Aber wehe sie steigen nicht!
Zusammenfassung:
Die Lage auf dem US-Immobilienmarkt kann sich als schwere Bürde für die US-Konjunktur erweisen. Sowohl die Auswirkungen auf den US-Konsum als auch die Gefahren einer deutlichen Korrektur der Bauausgaben und der unmittelbaren Effekte für den US-Arbeitsmarkt sollten keineswegs unterschätzt werden. In dieser Situation kommt es entscheidend darauf an, ob die Fed mit starken Leitzinssenkungen oder unkonventionellen Notenbankmaßnahmen (z.B. direkter Aufkauf von Anleihen durch die Notenbank wie von Bernanke im November 2002 beschrieben) gegensteuert. Fraglich ist allerdings, wie der Devisenmarkt auf derartige mögliche Handlungsweisen der US-Notenbank reagieren wird.
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