GoldSeiten.de - Startseite
Home Minen Anlage Fonds Zertifikate Wissen Kurse Münzen Börsenbriefe Seminare Kolumnen Bücher Extras Forum
Donnerstag, 2. September 2010 - 20:56 Uhr 
Menü
» Ansichten & Kolumnen » Marktberichte
» Buchvorstellungen
» Buchshop
» Videothek

» Alle Autoren


Anzeige:
Ansichten & Kolumnen
Veröffentlicht von Christian Wolf am 22.03.2005 um 14:54 Uhr

Geschichte(n) der abendländischen Inflation

Was waren die Folgen der römischen Inflation?

Innerpolitische Krisen mit Zwangswirtschaft bis zur Androhung der Todesstrafe waren die Folge. Spekulationen und der Ankauf von Waren, um die Teuerung auszubeuten, waren die Begleiterscheinungen. Manche Geschichtswissenschaftler behaupten sogar, dass die zunehmenden desolaten Währungsverhältnisse eine der Ursachen beim Zerfall des römischen Weltreiches und Wohlfahrtsstaates waren. Aus einem Papyrus erfährt man, dass bereits um 250 n. Chr. die Städte entvölkert und verarmt waren.


IV. Assignaten der französischen Revolution

Verantwortlich für den Ausbruch der Revolution in Frankreich war unter anderen die morbide Ordnung des absolutistischen Systems, insbesondere die unterschiedliche Verteilung der Lasten. Hierzu kamen der Bankrott des Staates auf der einen Seite (Aufwendungen für Staatsschuldzinsen 318 Mill. Livres, das entsprach ca. 63% der Einnahmen; am Vorabend der Revolution) und der private Reichtum des Adels, der Kirche und der bürgerlichen Schichten auf der anderen Seite hinzu. Verschärft wurde diese Staatskrise durch wirtschaftliche Störungen im Jahre 1778, wobei die Lebenshaltungskosten (Steigerung um 62%) und Lohnpreise (Steigerung nur um 22%) auseinander drifteten (vgl. Geschichte S II. Europa im Aufbruch, Schroedel Schulbuchverlag GmbH, Hannover 1995). Am 14.7.1789 erstürmte die "Strasse" die Bastille.

Die Nationalversammlung beschloss im gleichen Jahr verzinsliche Anleihen auszugeben, um das Haushaltsdefizit auszugleichen. Diese Papiere sollten durch konfiszierte Adels- und Kirchengüter gedeckt werden und damit die Bonität gewährleisten. Die folgenden Emissionen wurden unverzinst und so massenhaft ausgegeben, dass sie alleiniges Zahlungsmittel wurden.

Trotz zahllosen Konfiskationen wurde der Wert der beschlagnahmten Güter durch die Assignatenausgabe weit überschritten. Anfang 1795 waren bereits 7,23 Mrd. Livres ausgegeben worden. Dem stand aber nur ein Wert von ca. 6 Mrd. Livres an konfiszierten Gütern gegenüber. Trotzdem lief die Gelddruckmaschine munter weiter.


(vgl. Alph. Cortois, Histoire des banques en France, 2. Aufl. Paris 1886, S. 329)


Jacques Necker, der letzte Finanzminister, der 1789 von dem verblendeten König entlassen wurde, schrieb in seiner "Revolution Francaise" zur Assignatenwirtschaft folgendes:

"Der Kurs des Geldes, werdet Ihr sagen, ist vom Zufall abhängig, keine Regierung kann für den Kurs ihres Geldes Garantie leisten, den Spekulanten (banquiers) und Schiebern (agioteurs) müsst Ihr es zuschreiben, wenn der Kurs immer ungünstiger wird. Ihr Unwissende oder besonders Schlaue: Solche Sprüche könnt Ihr bei den Parisern anbringen, die ahnungslos genug sind, sie für bare Münze zu nehmen, die, von Euch dazu aufgewiegelt, die Schieber verfluchen und die Händler, welche die Ware verteuern. Nein, sage ich, der große Betrüger, der Erzbetrüger, der Betrüger ohnegleichen ist die französische Regierung selbst - sie vermehrt ins Ungewisse den Druck ihrer Assignaten, sie findet, dass deren Deckung immer noch genügend sei. Dabei weiß sie sehr wohl, dass der nominelle Wert der Deckung immer steigt mit dem Sinken des Kurses." (vgl. R. Eisler, "Das Geld", München 1924)

Die von den Machthabern verschuldeten Preissteigerungen auf allen Gebieten wurden den Bauern, den Gewerbetreibenden, Händlern und Produzenten zu Last gelegt. Die Gewaltherrscher taten, was ihrem armseligen, dogmatischen Sinne entsprach und verordneten Höchstpreise, verordneten Ablieferungszwänge, steigerten die Strafen, entließen Beamte und verboten - immer wenn das Greshamsche Gesetz zur vollen Wirkung kommt - die Ausfuhr und den Handel von Gold und Silber.

"Die Verblendeten erkennen nicht, dass das Geld seine eigene unerbittliche Logik hat und dass die Folgen der falschen Handlung sich mit stärkerer Macht durchsetzen als das Gesetz, das nur die Folgen, nicht aber die Ursachen verhindern will.", so Jacques Necker. (vgl. R. Eisler, das Geld, München 1924)

Erst als im Juli 1776 es für zulässig erklärt wurde, dass jeder Gläubiger die Annahme der Zahlungen von Schulden in Papier verweigern konnte und Napoleon durch Ausplünderung der eroberten Staaten einen neuen Wohlstand Frankreichs begründete, kehrte allmählich der Privathandel ganz zu Zahlungen in Metallgeld und zu geordneten Geldverhältnissen zurück.


(vgl. Gaettens, Geschichte der Inflationen, München 1957)(



V. Resümee

Mit der Pest sind die Inflationen seit dem Mittelalter verglichen worden. Bei den vernichtenden Seuchen vollführen die unsichtbaren Feinde des Lebens ihr Werk im Verborgenen, um erst erkannt zu werden, wenn ihr Zerstörungswerk so weit vorgeschritten ist, dass eine Rettung meist nicht mehr möglich ist. Inflation ist das größte Verbrechen gegen eines der Grundrechte des Menschen, gegen das private Eigentum." (Richard Gaettens, Geschichte der Inflationen, München 1952)

Unter dem Vorwand der Geldhoheit des Staates haben sich alle Inflationen der letzten abendländischen 1.700 Jahre entwickelt und vollzogen. Der Tatbestand des Betruges lag in Zeiten der Verminderung des Feingehaltes des Münzgeldes klar zutage. Dies zeigt sich bei den Schinderlingen im Mittelalter (1458-1460), der Velloinflation in Kastilien (1599-1660), der Zeit der Kipper und Wipper (1618-1623), der schwedischen Geldkrise unter Karl XII. (1715), der Inflation im Gefolge der Napoleonischen Kriege (1792-1815) oder der Inflationen in der neuen Welt.

In den wirtschaftlich ungleich komplizierteren Zeiten des ungedeckten Papiergeldes (fiat money) wird man von betrügerischer Absicht zwar nur bedingt sprechen können, es bleibt aber ein fader Beigeschmack haften.


Fest steht:

"Wenn die Regierungen das Geld verschlechtern, um alle Gläubiger zu betrügen,
so gibt man diesem Verfahren den höflichen Namen Inflation."

George Bernard Shaw, Nobelpreisträger für Literatur 1925



© Christian Wolf



« Zurück Seiten: 1 2

Druckoptimierte Version Schicken Sie den Artikel an einen Freund

Für den Inhalt des Beitrages ist allein der Autor verantwortlich bzw. die aufgeführte Quelle. Bei Übersetzungen können Fehler nicht ausgeschlossen werden. Der vertretene Standpunkt spiegelt nicht die Meinung des Website-Betreibers und stellt keinerlei Aufforderung zum Kauf-/Verkauf von Wertpapieren dar. Beachten sie bitte auch unseren Disclaimer!

Nach oben!
Alle Angaben ohne Gewähr! Copyright © by GoldSeiten.de 1999-2010
Die Reproduktion, Modifikation oder Verwendung der Inhalte ganz oder teilweise ohne schriftliche Genehmigung ist untersagt!
Disclaimer | Impressum | Sitemap | RSS / XML | Partnerprogramm