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Der Traum geht weiter

 

Nach dieser "Stecknadel" wurde aber auch nach den Haberschen Arbeiten weiter gesucht. Ja, es wurden sogar weitere Verfahren vorgeschlagen, das Gold aus dem Meerwasser zu gewinnen. 1942 erschien eine Arbeit von E. Baur, der schon vor dem Ersten Weltkrieg zusammen mit 0. Nagel mehrere Patente auf dem Gebiet der Goldgewinnung aus dem Meerwasser angemeldet hatte 12. Er übte scharfe Kritik an den Haberschen Untersuchungen und meinte, es wäre zu wenig Gold gefunden worden, da das Gold an den Flaschen adsorbiert gewesen wäre. Außerdem meinte er, dass Haber keinen Beleg für einen quantitativen Niederschlag des Goldes gebracht hätte. Allerdings stellte Baur keine eigenen Untersuchungen mit natürlichem Meerwasser an. Er zitierte vielmehr ältere Befunde. Ein Jahr später wurde eine weitere Arbeit von W. Stark publiziert 13. Stark wandte als Anreicherungsmethode die Adsorption an Holzkohle an und als Analysenmethode die Kupellation. Dabei bezieht er sich vorwiegend auf Baur. Proben aus der Adria ergaben einen Goldgehalt von 0,02 mg/m3, aus dem Mittelmeer 0,4 mg und aus dem Atlantik vor der iberischen Halbinsel 2 mg/m3. In den 1950er Jahren änderte sich das Analysenverfahren für Spuren von Edelmetallen erheblich. Auf das Gebiet des Goldgehalts im Meerwasser wandte R. W. Hummel zuerst die Neutronenaktivierungsanalyse an, die später mit der Gamma-Spektroskopie verbunden wurde 14. Hummel fand 0,0015 bis 0,4 mg Au/m3 Seewasser. Als er Polyethylenflaschen als Aufbewahrungsgefäße benutzte, bemerkte er, dass diese Gold erheblich absorbieren. Danach wurde der Goldgehalt in verschiedenen Teilen der Weltmeere untersucht, so vor den Küsten Japans, wo 0,0006 bis 0,4430 mg/m3 gefunden wurde 15, vor den Küsten Indiens 16, im Atlantischen Ozean und in tropischen Zonen 0,00404-0,34 mg/ m3 17, im Schwarzen Meer 0,006 bis 0,3 mg/m3 18, in der Bucht von Tokio 0,0023 mg/m3 19, im Discovery Park und im Pike Place Market bei Seattle 0,00211 und 0,0017 mg/m3 20 und in der Bering-See 0,016 mg/m3 21.

Vergleicht man diese in den letzten Jahrzehnten gefundenen Werte mit denen, die Haber und seine Mitarbeiter fanden, z.B. auf der Meteorfahrt (Mittelwert 0,008 mg Gold pro Tonne Seewasser), so ergibt sich eine gute Übereinstimmung. Im Jahre 1973 verfaßte F. H. Lancaster einen Artikel 22, dem er den Titel gab: "Der Goldgehalt des Meerwassers, seine Extraktion - ein nicht realisierbarer Traum." Aus allen Versuchen, die angestellt wurden, das Gold aus dem Meerwasser zu gewinnen, zog er den Schluss, dass eine ökonomische Gewinnung von Gold aus dem Meerwasser, auch wenn die Goldpreise einmal im Rahmen der realen Weltwirtschaft erheblich steigen sollten, nicht möglich sei. Aber Träume sind aus den Köpfen der Menschen nicht zu verbannen, und so wird sicher auch in Zukunft die Schatzsuche im Meerwasser fortgeführt werden.

 

© Dietrich Stoltzenberg

 

Quelle: Aus "Chemie in unserer Zeit", 28. Jahrgang 1994 / Nr. 6. Dieser Beitrag ist eine überarbeitete Version des Kapitels 11.5.01 aus der Fritz-Haber-Biographie von Dietrich Stoltzenberg (VCH, Weinheim, 1994). Er wurde für diese Zeitschrift um weitere Abbildungen ergänzt.

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Literaturverweise:

12   E. Baur, Hel-D. Chim. Acta W2, 25, l2Q2
13   -W: Stark, Helv. Chim. Acta 1943, 26, 424
14   R. W. Hummel, Analyst (London) 1957, 82, 483
15   Y. Yoshinoga et al., Nippön Kagitka Zasshi 1964, 85 (10), 643
16   P. Dukayathet al. Sci. Cult. 1965, 31 (8), 408
17   A. Rybinin et al., Geokhimiya 1974, (l) 158
18   S. Alexandrov. Talanta 1976, 23 (6) 684
19   Y. Tateno et al., Chem. Abstr. 1980, 92, 64427h
20   C. Y. Yu et al., Anal. Chim. Acta 1983, 154, 307
21   E. A. Pakhova, Fiz Khim. Mekh. Llofil' nost Dispersnykh Sist. 1985, 17, 19-5
22   F. H. Lancaster, Gold Bull. 1973, 6 (4), 111



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