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Silber - die ideale Altersvorsorge?

22.10.2001  |  Reinhard Deutsch
Liebe Geldfreunde,

ich freue mich, daß wir wieder einmal körperlich, physisch, real aufeinander stoßen und uns die Argumente mit Hilfe von guten alten Schallwellen um die Ohren hauen können. Hören und Sehen ist unser Tor zur Welt. Nicht Sehen trennt von den Dingen, nicht Hören trennt von den Menschen - hat Kant einmal geschrieben. Die abstrakten Argumente müssen real vom Mund zum Ohr transportiert werden. Das erinnert uns auch wieder sehr schön daran, dass das Leben eben zwei Seiten hat, nicht nur eine geistig abstrakte Seite, die aus Schuldbeziehungen, oder digitaler Information besteht, sondern auch eine real körperliche Seite, die sieht, hört und fühlt. Die geschuldete Wurst macht uns nicht satt, die Wurst muss letztlich auch immer real geliefert und gegessen werden. Leben, ebenso wie Wirtschaft oder Geld ist immer Körper und Geist zugleich, ist immer Schuldbeziehung und realer Güteraustausch. Wie wir sehen, gibt es uns alle nicht nur virtuell als Pseudonym, sondern auch wirklich - oder vielleicht doch nicht?

Um das zu prüfen, will ich vorsichtshalber gleich erst mal wieder drei Fragen ins Publikum stellen.
  • 1. Wer im Saal glaubt, dass die Altersversorgung besser auf Eigentum an realen Dingen, statt auf Schuldbeziehungen aufgebaut werden sollte?
  • 2. Wer im Saal ist der Meinung, dass wir zum Goldstandard zurückkehren sollten?
  • 3. Wer im Saal glaubt, dass Silber wieder Geld wird?

Das Thema meines Vortrages lautet: "Silber - die ideale Altersvorsorge?" Ich werde darin zwei Thesen vortragen. Die eine These besagt, daß Silber heute eine ideale Altersvorsorge darstellt und zwar nicht weil es als Rohstoff knapp wird und deshalb im Preis steigt. Dies trifft zwar auch zu und andere Kollegen haben diesen Zusammenhang hier ausführlich begründet. Meine These ist dagegen, daß Silber im Wert steigt, weil es wieder zu Geld wird und dass damit zugleich eine uralte Lebensweisheit wieder neu entdeckt wird, nämlich daß Silber eine ideale Absicherung gegen eine Zerstörung des Geldes ist. Durch alle Jahrhunderte auf der ganzen Welt konnten Menschen mit Gold und Silber ihr Vermögen aufbewahren und durch Krisen, insbesondere Geldkrisen retten, einfach weil Gold und Silber immer als Geld akzeptiert wird und das wird auch diesmal wieder funktionieren.

Die andere These meines Vortrages besagt, daß unser gewachsenes System der Altersvorsorge zerstört wurde, ebenso wie unser Geldsystem zerstört wurde und das Beides eine gemeinsame Ursache hat. Die Ursache ist in beiden Fällen das Zerschneiden des Bandes zur realen Welt. Sowohl das Geld, wie auch die Altersvorsorge wurden von der materiell, physischen Realität abgekoppelt. Dieser Grundgedanke zieht sich ja wie ein roter Faden durch alle meine Beiträge. Wir müssen sowohl beim Geld, wie bei der Altersvorsorge wieder eine Verbindung zur realen Güterwelt herstellen.

Um diese Thesen zu begründen, werde ich in meinem Vortrag 3 Fragen behandeln:
  • 1. Wie funktioniert Altersvorsorge?
  • 2. Wird Silber wieder zuverlässiges Geld?
  • 3. Welche Wirkung hätte eine Remonetisierung auf den Silberpreis?


1.) Wie funktioniert Altersvorsorge?

Über viele Jahrhunderte wurde Altersvorsorge mit Kindern betrieben. Die Menschen mussten 10-12 Kinder zeugen, von denen, wenn sie Glück hatten, 3-4 überlebten, welche die Eltern dann im Alter versorgen konnten. Das Wort Kinderreichtum hatte früher eine ganz konkrete Bedeutung. In den Armenhäusern früherer Jahrhunderte lebten überwiegend Leute, die keine Kinder hatten. Eine kleine Geschichte zeigt die ökonomische Logik, die dahinter stand recht deutlich.

Ein Handwerker wurde gefragt, was er denn mit seinem guten Einkommen anfange. Ein Drittel sagte er, verwende ich, um alte Schulden abzuzahlen, mit einem weiteren Drittel sammele ich Schätze an und von dem restlichen Drittel lebe ich mit meiner Frau. Der Frager wollte wissen, woher denn die Schulden kämen und wo die Schätze seien. Die Schulden sagte der Mann, habe er bei seinen alten Eltern, die ihn aufgezogen und ausgebildet haben und die Schätze seien seine Kinder, die ihn, wenn er alt sei und nicht mehr arbeiten könne, ernähren würden.

Bis etwa zum Ende des 18. Jh. funktionierte so die Altersvorsorge. Das erwirtschaftete Einkommen wurde verbraucht. Erst im 19. Jh. Begann der eigentliche Kapitalismus. Erst die Ansammlung von Produktivkapital zu Beginn des 19. Jh. hat den Wohlstand hervorgebracht, in dem wir heute leben. Der Schwede Gunnar Myrdal hat es mit dem Satz auf den Punkt gebracht: Der liebe Gott hat zu jedem Mund der Essen will auch ein paar Hände geschaffen, aber eben nicht den Traktor, der die Arbeit dieser Hände produktiv macht. Mit dieser Bildung von Produktivkapital trat damals ein Effekt ein, mit dem die Ökonomen nicht gerechnet hatten, weder Adam Smith noch Malthus noch Ricardo oder Marx. Die Reallöhne stiegen und die Kinderzahl ging zurück. Die Altersvorsorge begann sich zu wandeln von einer Generationenvorsorge über Kinder zu einer kapitalistischen Vorsorge über Ersparnisse in Produktionskapital. Platt formuliert könnte man vielleicht sagen, waren früher Kinder das Produktivkapital, so waren es jetzt Maschinen. Im 19. Jh. sehen wir einen enormen Wohlstands- und Wachstumsschub, wobei auf privater Basis riesige Kapitalien für produktive Investitionen, auch in Entwicklungsländern zur Verfügung gestellt wurden. Man denke nur an den Eisenbahnbau in Russland und Amerika oder den Panama- und Suezkanal, die alle privat finanziert wurden. Das funktioniert heute nicht mehr. Heute wird von Staatswegen Entwicklungshilfe geleistet.

Die generative Marktwirtschaft begann sich in eine kapitalistische Marktwirtschaft zu wandeln, man lebte nicht mehr von den Kindern sondern bildete so viel Vermögen, dass man sich von den Kapitaleinkünften oder aus dem Vermögen ernähren konnte. Dieser Prozess wurde zuerst in Frankreich sichtbar, wo sich im wohlhabenden franz. Bürgertum die Familie mit zwei Kindern durchsetzte und die Geburtenraten schon gegen Ende des Jahrhunderts die niedrigsten in Europa waren. Die Arbeiter waren freilich noch auf Kinder angewiesen. Von der Vermögensbildung in Arbeitnehmerhand etwa durch Volksaktien waren wir noch weit entfernt. Aber es war eine Entwicklung eingeleitet worden, von der generativen zur kapitalistischen Altersvorsorge, die im 19. Jh. bereits eine enorme Wohlstandsvermehrung bewirkte und auch weiter bewirkt hätte, wenn sie nicht unterbrochen worden wäre, durch die Erfindung des Umlageverfahrens im Wohlfahrtsstaat.

Voll zum Durchbruch kam der Wohlfahrtsstaat bei der Altersvorsorge allerdings erst 1957 und zwar mit der Rentenreform in Deutschland, als man die Täuschung mit dem Generationenvertrag erfand. Bei Bismark war die Rente mit durchschnittlich 10 Reichsmark bei einem durchschnittlichen Monatslohn von 60 Mark lediglich ein Zubrot. Hinzu kam noch, dass die Meisten, wenn sie mit 70 Jahren ihre Rente kassieren wollten, schon tot waren. 1957 erzählte man dann den Leuten, dass sie durch das Wunder des Generationenvertrages sich mit 65 zur Ruhe setzen könnten und dann 70% ihres letzten Arbeitseinkommens bis an ihr Lebensende bekommen würden.

Dafür bräuchten sie weder selbst Kinder zeugen, noch zu sparen, mit dem Effekt, dass nun in der Tat weder Kinder gezeugt wurden, noch Kapital angespart wurde. Dieses Modell wurde von anderen Ländern übernommen, und das führte dann dazu, dass in allen Ländern das Geld, von dem die Menschen glaubten, es würde für ihr Alter zurückgelegt, vom Staat als Einnahme verbucht und gleich wieder ausgegeben wurde, ohne dafür Produktivkapital zu bilden. Wenn die Menschen dann im Alter das Sparschwein aufmachen, finden sie ein leeres Versprechen darin, Altpapier, denn wie sollte der Staat sein Versprechen erfüllen, wenn nicht durch Steuern oder neue Schulden. Die Generation, welche den Vertrag erfüllen könnte, wurde nicht gezeugt und Produktivkapital, welches die Anleihe bedienen könnte, wurde nicht gebildet, man lebt von der Hand in den Mund.

Die Ablösung der kapitalistischen Altersvorsorge durch das Umlageverfahren des Generationenvertrages stellt sich als Täuschung, als weiterer böser Trick des sozialistischen Wohlfahrtsstaates heraus. Die Verbindung zur materiell physischen Realität, zu Kindern oder Maschinen, wurde gelöst und durch eine abstrakte Schuldbeziehung ersetzt.

Aber die Rückkehr zur kapitalistischen Altersvorsorge, zum Kapitaldeckungsverfahren ist uns auch verstellt, und zwar durch den anderen bösen Trick des Wohlfahrtsstaates durch fiat money. Es stimmt zwar, dass die jeweils Aktiven immer die Versorgungsempfänger mit realen Gütern versorgen müssen, da führt kein Weg dran vorbei. Die Frage ist aber, wie diese Versorgung begründet wird, worauf der Versorgungsanspruch gestützt wird. Ich kann ihn entweder auf eine Schuld stützen, auf einen Schuldanspruch gegen den Staat, oder aber ich kann ihn auf Eigentum stützen, das ich stückweise im Tausch gegen Versorgungsleistung hergebe. Das Letztere setzt aber voraus, dass es Wege gibt, Wert in der Zeit zu transportieren und stückweise zu liquidieren. Genau dieses Problem hat Geld im 19. Jh. hervorragend gelöst, während dieses Problem sich mit unserem heutigen Geld nicht mehr lösen lässt.

Unser Geld ist so unzuverlässig geworden, dass kein Mensch, der seine fünf Sinne beisammen hat, seine Altersversorgung noch auf Geldvermögen bauen würde, ganz im Gegensatz zum 19. Jh., in dem das in wohlhabenden Kreisen durchaus die Regel war. Nachdem wir also festgestellt haben, dass Altersvorsorge nicht mehr funktioniert, weil sowohl beim Geld, wie bei der Altersvorsorge das Band zur realen Güterwelt zerschnitten wurde, komme ich nun zur zweiten Frage meines Vortrages nämlich der Frage:




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