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Was Sie schon immer über Gold wissen wollten ...

21.06.2010  |  Prof. Antal E. Fekete
... aber bisher nicht zu fragen wagten

Es folgt eine Transkription eines Interviews, das am 06. Mai 2010 auf Anfrage eines goldfreundlichen Hedgefonds gegeben wurde.


Frage: Professor Fekete, Sie sind als entschiedener Verfechter der Rückkehr zum Goldstandard bekannt. Aber Mainstream-Ökonomen meinen, ein Goldstandard sei nicht praktikabel und bekämpfen diese Idee, wo und wie sie nur können. Was entgegnen Sie dieser Kritik?

Antwort: Zu sagen, der Goldstandard sei nicht praktikabel, ist so, als würde man sagen Ehrlichkeit sei nicht praktikabel oder Verfassungen könnten unbekümmert missachtet werden, wenn es gerade passt. Die amerikanische Verfassung fordert zum Beispiel einen metallischen monetären Standard für die Vereinigten Staaten und das in überdeutlichen Worten. Die Gegner des Goldstandards hatten nie die moralische Standfestigkeit aufbringen können, die Verfassung so abzuändern, dass die Aufhebung des Goldstandards dort formal verankert ist. Trotzdem konfiszierte Roosevelt im Jahr 1933 das Gold der Staatsbürger, gab ihnen im Austausch dafür uneinlösbares Papier und ging anschließend dazu über, den Wert des Goldes im Verhältnis zu diesem Papier um 75% heraufzusetzen. Wer die Macht hat, hat das Recht: Wenn es nicht fair und legal geht, dann wird der starke Arm des Staates ausgefahren, der es durch Schikane richtet und der die Polizei und die Gefängniszelle auf seiner Seite hat.

Jüngeren Datums (erst in unserem Jahrhundert) sind die Änderungen in der Verfassung der Schweiz per Referendum. Sie gewährleistete ebenfalls den Goldstandard. Die Bürger hatten ein Wochenende lang Zeit, zu debattieren und über die Vor- und Nachteile der vorgeschlagenen Änderungen zu entscheiden. Die anrüchige Eile, mit der die Änderungen durch den konstitutionellen Prozess geprügelt wurden, verrät das schlechte Gewissen der Verfasser dieser Änderungen.

Eines der Grundprinzipien, die den Goldstandard stützen, ist der Umstand, dass in der Rechtssprechung keine doppelten Standards toleriert werden dürfen. Die Staatsregierung, ihre Unterabteilungen und Behörden sollten demselben Vertragsrecht unterliegen wie auch die Staatsbürger. Es gibt keinen triftigen Grund, warum das Finanzministerium und die Zentralbank Schuldverschreibungen und Verpflichtungen herausgeben dürfen, die sie weder einhalten können noch wollen - jeder andere würde dafür nach dem Strafgesetzbuch bestraft werden. Zu sagen, der Goldstandard sei nicht praktikabel, heißt also auch, dass die Regierung im Umgang mit ihren Untergebenen von den Bestimmungen des Strafgesetzbuches ausgenommen werden sollte.


Frage: Welche grundlegenden Schritte müssten auf dem Weg zur Wiedereinführung des Goldstandards unternommen werden? Was müsste genau passieren?

Antwort: Dazu gehören drei unausweichliche Schritte. Erstens müsste man Gold wieder als gesetzliches Zahlungsmittel prägen lassen. Das bedeutet: Jeder, der sein Gold (in der richtigen Menge und Qualität) in gesetzliche Goldzahlungsmittel konvertieren möchte, soll das bei der Prägeanstalt auch tun können - ohne dass dabei Prägegebühren anfallen und ohne Mengenbegrenzungen. Man würde also Gold zurückbekommen, Unze für Unze, in geprägter Form und die Prägekosten würden vom Staat übernommen werden - genauso wie die Kosten für Reparatur und Instandhaltung von Straßen übernommen werden. Umgekehrt müssen die Eigentümer von gesetzlichen Goldzahlungsmitteln das Recht zum Horten, zum Einschmelzen und zum Export haben - so wie es ihnen passt. Damit soll das Recht der Geldmengenregulierung auf das Volk übertragen werden und nicht in den Händen ungewählter Bürokraten liegen.

Zweitens: Der Umstand, dass Papiergeld als das gesetzliche Zahlungsmittel geschützt wird ("legal tender protection"), muss ein für alle Mal als verfassungswidrig erklärt werden. Nötigung und Zwang sollen somit beseitigt werden - denn die Arbeitenden sind gezwungen, uneinlösbare Währung für die erbrachten Dienste zu akzeptieren.

Ein solcher Zwang wurde zum ersten Mal 1909 in Frankreich und Deutschland legalisiert, nur fünf Jahre vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Diese Länder wollten sicherstellen, dass sie ihre Beamten und Bediensteten sowie das militärische Personal mit Papierzetteln bezahlen konnten - alle Erwerbstätigen wurden somit quasi der staatlichen Verfügung im Kriegsfall unterstellt - ohne Rücksicht auf Staatshaushalt und Steuereinahmen. Die zweite Bestimmung ist also folgendermaßen motiviert: Regierungen dürfen nicht die Möglichkeit bekommen, unerklärte und unpopuläre Krieg anzuzetteln (so wie die alten Könige), sie müssen dafür Steuern erheben. Der Erste Weltkrieg hätte ein frühes Ende genommen, hätte es die rechtliche Einführung gesetzlicher Zahlungsmittel nicht gegeben. Sobald dem Finanzministerium das Gold ausgegangen wäre, wären die Kriegstreibenden gezwungen gewesen, Frieden zu schließen - sofern sich die Wählerschaft nicht bereiterklärt hätte, für eine Weiterführung des Blutbades und der Zerstörung von Eigentum zu zahlen. Und somit hätte es um die Welt besser gestanden.

Drittens müsste man sich jenem Prinzip zuwenden, das als die "Real Bill Doctrine" von Adam Smith bekannt ist: Handelswechsel - auf eine schnellbewegliche Handelsware gezogen, nach welcher dringlichste Nachfrage seitens der Verbraucher besteht; Wechsel, die zudem innerhalb von 91 Tagen (die Länge einer Jahreszeit) in Goldmünzen eingelöst werden - müssen wieder für die spontane monetäre Zirkulation freigegeben werden. Dies würde eine Flexibilität des Geldsystems gewährleisten, die nicht staatlich erzwungen ist, sondern durch freiwillige Kooperation zwischen Produzenten und Verbrauchern zustande kommt und der Befriedigung menschlicher Bedürfnisse und Wünsche dient.

Es würde sich zeigen, dass der Markt für diese real bills als Clearingstelle des Goldstandards funktioniert. 1918, nach Ende des 1. Weltkrieges, entschlossen sich die siegreichen Alliierten, nicht zuzulassen, dass sich in der Welt wieder ein multilateraler, internationaler Handel organisiert. Was jedoch nicht heißt, dass sie nicht zum Goldstandard zurück wollten - wie man am Beispiel Großbritanniens sehen kann, das sich 1925 entschied, das Pfund Sterling erneut zum Vorkriegswechselkurs in Gold zu konvertieren; allerdings war nur bilateraler Handel erlaubt. Das bedeutete aber nicht Geringeres als die Kastration des Goldstandards: Sobald die Clearingstelle amputiert war, konnte er nicht mehr funktionieren.

Die alliierten Mächte taten dies aus Gehässigkeit und Rachegefühl: Sie wollten Deutschland weit über die Bestimmungen des Versailler Friedensabkommens hinaus lähmen. Bilateralen Handel für Deutschland zu erzwingen, bedeutete nichts anderes als eine Blockade zu Friedenszeiten, wodurch die alliierten Mächte die Importe und Exporte Deutschlands überwachen und kontrollieren konnten. Diese Maßnahme ging nach hinten los. Die Große Depression und der Zusammenbruchs des internationalen Goldstandards zwischen 1931 und 1936 gingen auf die erzwungene Beseitigung der multilateralen Finanzierung des Welthandels über goldgedeckte Handelswechsel (real bills) zurück.

Der Goldstandard bracht nicht aufgrund seines "kontraktionistischen Wesens" zusammen - wie Keynes unterstellte. Er brach zusammen, weil sein Clearingsystem, der Wechselmarkt, blockiert war. Sinkende Preise in den 1930ern waren nicht die Ursache der Großen Depression: Sie waren die Wirkung. Die Ursache waren sinkende Zinssätze. Übrigens wurden die sinkenden Zinssätze wiederum durch die illegale Einführung von "Offenmarktinterventionen" durch die US-Notenbank im Jahr 1921 verursacht - die Zentralbank zahlt Bestechungsgelder, in Form risikoloser Profite, an Anleihespekulanten, damit sie die Anleihepreise in schwindelnde Höhen bieten.




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