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Krieg und Frieden im Wirtschaftszyklus

06.10.2003  |  Johann A. Saiger
Der russische Wirtschaftswissenschaftler Nikolai KONDRATIEFF hat die langfristigen Zyklen von Preisbewegungen, Zinssätzen und Löhnen in der Wirtschaft westlicher Staaten untersucht. Seine Untersuchungen erstreckten sich auf die Zeitspanne von 1780 bis 1922 (dem Jahr der Veröffentlichung seiner Studie). Er meinte damals, die dritte Welle habe bereits ihren Höchststand überschritten und würde Ende der (19)20er Jahre in eine schwere Wirtschaftskrise münden.

Zum Teil aufgrund der Genauigkeit dieser Voraussage wurde Kondratieff von Schumpeter und anderen angesehenen Wirtschaftswissenschaftlern sehr ernst genommen.

Kondratieff bemerkte bei seinen Recherchen aber auch eine Beziehung zwischen den Talsohlen und Scheitelpunkten der Wellen einerseits und mehreren europäischen und amerikanischen Kriegen andererseits. Insbesondere schien der Tiefpunkt der einzelnen Wellen oft zusammenzutreffen mit einem relativ begrenzten und profitablen Krieg, der einen neuen Anstoß gab, worauf eine 20-30 Jahre andauernde Periode mit (wieder) steigenden Preise folgte, in der fast alles gut lief. Im Laufe der Zeit kam es jedoch zu einer Reihe von Belastungen und Verzerrungen, die Wirtschaft wurde überzuversichtlich und skrupellos, und schließlich brach man wieder einen kleinen ´Scheitelkrieg´- der mit dem höchsten Punkt der Welle zusammenfiel - vom Zaun. Diese Kriege waren sehr erbittert und zerstörerisch, und man hatte fast den Eindruck, die Gesellschaft habe ein Übermaß an Energie, Dynamik und Rücksichtslosigkeit gehabt, das sich entladen mußte.

Kondratieff kann zu den verschiedenen Versionen seiner Theorie nichts mehr sagen. Tatsächlich kommentierte er noch nicht einmal die von ihm beschriebenen Entwicklungen, sondern behauptete schlicht, das empirische Material reiche aus, um ihre Existenz zu beweisen.

Dr. Ravi Batra Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Southern Methodist University in Dallas / Texas, sowie Autor des Millionen-Bestsellers "Die grosse Rezession von 1990" deutet ebenfalls dezent auf Zusammenhänge zwischen Kriegen und gewissen Stadien im Wirtschaftszyklus hin.

Der bekannte Informationsdienst "The International Bank Credit Analyst" zitierte unlängst den ehemaligen US-Notenbank Chef Paul Volcker. Dieser meinte doch tatsächlich: "Bei einem derart hohen Verschuldungsgrad war bislang noch immer ein Krieg bezeichnend". Kriegsursache: Zu hohe (US)-Verschuldung? Eine höchst erstaunliche Aussage. Tatsächlich scheint dies aber doch einer der Gründe dafür zu sein.

Ziemlich eindeutig kann die Feststellung getroffen werden, dass die wahren Kriegsursachen eigentlich immer in wirtschaftlichen Begründungen zu suchen sind.

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Bild 1: Im Chart US Wirtschaftstätigkeit 1905-1980 wird ersichtlich, wie positiv sich alle Kriege auf die US Wirtschaft ausgewirkt haben


Auswirkungen der beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts auf die US-Wirtschaft

Erster Weltkrieg: USA - Wirtschaftsentwicklung von 1914-1919
  • Verdoppelung der Gesamt-Wirtschaftsleistung der USA. Anstieg des Nominalen BSP von 39,1 auf 85,4 Mrd. US-Dollar
  • Verfünffachung des Ausfuhr-Überschusses
  • Zunahme des Volksvermögens um 40%
  • Senkung der Arbeitslosenquote von 8,5% (1915) auf 1,4% (1919)
  • Grundlegender Wandel der Auslands-Verschuldungsverhältnisse: aus 4 Mrd. Dollar Auslands-Schulden vor Kriegsbeginn wurden 11 Mrd. Dollar Auslands-Guthaben nach Kriegsende!
  • Sonstiges: Beschlagnahme und entschädigungslose Enteignung von allem privaten und öffentlichen "Feind-Vermögen" in den USA. ...darunter alle deutschen Schutzrechte


  • Zweiter Weltkrieg: USA - Wirtschaftsentwicklung von 1940-1945
  • Steigerung des jährlichen amerikanischen Bruttosozialprodukts von 97 auf 214 Mrd. US-Dollar (somit um insgesamt 743,8 Mrd. US-Dollar!)
  • Verdreifachung der Industrieproduktion
  • Erhöhung der Grundstoffgewinnung um 60%
  • Steigerung der jährlichen Exporte von 4 auf 14 Mrd. US-Dollar
  • Senkung der Arbeitslosenzahl von 10 Mio. 1937/38 bzw. 8,4 Mio. 1941 auf 0,6 (!) Mio. 1946, Die "Jahrhundert Rekord-Arbeitslosenquote" von 25,2% (!) des Jahres 1933 sank bis 1944 auf den niedrigsten Stand des Jahrhunderts - auf 1,2%(!) ab. (Im Gegenzug wurden bis 1946 die Streitkräfte bis auf 12 Millionen Mann aufgestockt!)
  • Sonstiges: Beschlagnahme von Feindvermögen. Wie im Ersten Weltkrieg erfolgte die Beschlagnahme des privaten und öffentlichen "FEIND-BESITZES" in den USA ...darunter 346.000 deutsche Verfahren und Patente
  • Wichtigster Kriegsgewinn: US-Dollar als Weltleitwährung. Die Vereinigten Staaten setzten am 22.7.1944 in Bretton Woods durch, daß die US-Währung als Weltleitwährung dem Gold gleichgesetzt wird.


  • Erstaunlich in diesem Zusammenhang ist wohl der Umstand, dass von den direkten positiven wirtschaftlichen Kriegsauswirkungen immer nur die USA betroffen sind.

    (Kriminalisten lernen eigentlich schon sehr früh, dass die wahren Nutznießer von Verbrechen sehr oft auch die Drahtzieher sind. Bereits die Römer fragten, "cui bono" - "wem zum Nutzen" - eine Tat geschah).


    Kriegsursache Überschuldung

    Eine - wegen totaler Überschuldung - & für die USA fast schon unvermeidliche Währungsreform vor dem ersten Weltkrieg konnte dank des Umstandes vermieden werden, dass sich im Kriegsverlauf die (damals) enorme Auslandsverschuldung von 4 Mrd. US-Dollar in Forderungen im Ausmaß von 11 Mrd. US-Dollar verwandelt hat. Damit wurde doch tatsächlich das Schuldenproblem der USA überraschend positiv gelöst.

    Währungsreformen wurden dafür im Nachkriegsstadium in etlichen Ländern in Europa erforderlich. Damit fand auch das europäische Schuldenproblem eine endgültige Lösung; jedoch in der für die Bevölkerung äußerst schmerzlichen Form einer Währungsreform.

    Auch bei Kriegen, welche scheinbar nur enorme völlig unnötige Kosten verursacht haben, konnte in Wirklichkeit aber ein Entschuldungseffekt erzielt werden. Typisches Beispiel dafür ist der VIETNAM-Krieg. Dieser erstreckte sich eigentlich von 1959 bis 1975. Die USA waren mit massivem Militäreinsatz zwischen 1964-1974 engagiert. In dieser Zeitspanne ist die US-Staatsverschuldung zwar nominell weiter enorm angestiegen, doch in Prozenten des Bruttosozialproduktes (US Government Debt as a % of Gross Domestic Product - siehe Bild 2) wurde dabei die Staatsverschuldung - von etwa 46% auf 23% - halbiert!




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