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Phasen geheimer Goldpolitik

14.01.2011  |  Dimitri Speck
Die Existenz von Interventionen am Goldmarkt ist mittlerweile in Fachkreisen recht breit bekannt. Bisher kaum ins Bewußtsein gerückt ist hingegen, daß es klar unterscheidbare Phasen der Interventionen gibt. Dabei sind gerade sie bei der zentralen Frage von Bedeutung, wo der Goldmarkt aktuell steht.

Seit vielen Jahren wird im Goldmarkt gegen Preisanstiege interveniert. Einer der Hintergründe ist das Bestreben der Zentralbanken, keinen Zweifel an der Geldwertstabilität aufkommen zu lassen. Trotz solcher übergeordneter Ziele stellen Akteure, Motive und Zeiten keine Einheit dar. Insbesondere gibt es klar unterscheidbare Phasen.


Phase I

Bereits 1993 gab es Befürchtungen über einen Anstieg der Inflationsrate und über ein dauerhaftes Funktionieren des Geldsystems - in Zentralbankkreisen. Das Europäische Währungssystem war zusammengebrochen, außerdem stieg Gold in der ersten Jahreshälfte massiv. Es bestand die Gefahr, ein weiterer Anstieg des Goldes würde eine steigende Inflation signalisieren und über die Inflationserwartung tatsächlich eine starke Inflation bewirken. Einige Zentralbanken, darunter die FED, vereinbarten Anfang Juli, keinen Goldpreis über 400 Dollar je Unze zuzulassen. Der Goldpreis stieg unbeirrt weiter und überschritt die Marke. Damit war es soweit: Am 5. August 1993 um 8.27 (alle Zeitangaben US-Ostküste) wurde die Vereinbarung umgesetzt. Massive Verkäufe, insbesondere am New Yorker Terminmarkt Comex, ließen die Kurse wie einen Stein fallen. Dieser schlagartige Rückgang sollte die Investoren verunsichern und dazu bewegen, dem Goldmarkt fern zu bleiben. Bis heute sind schlagartige Rückgänge zentrales Merkmal der systematischen Interventionen im Goldmarkt. Der nachfolgende Chart zeigt den Intraday-Verlauf des Goldpreises am 5. August 1993, dem Beginn der systematischen Interventionen.

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Abbildung 1: Gold Intraday am 5. August 1993



Phase II

Das für die Goldpreisdrückung benötigte physische Gold gelangte nicht nur durch Verkäufe, sondern auch durch Verleihungen in den Markt. Beim sogenannten Gold-Carry-Trade wird an interessierte Marktteilnehmer Gold verliehen, die es im Markt verkaufen und den Erlös in andere, höher rentierliche Anlagen investieren. Da die Gold-Carry-Trader nun Gold schuldig sind, haben sie ein eigenständiges Interesse an einem niedrigen Goldpreis: Wenn sie tiefer bilanzieren bzw. zurückkaufen können, entsteht ihnen ein Gewinn. Deswegen begannen sie mit Lobby- und Medienarbeit, um zunehmende Goldverkäufe und Verleihungen und so einen fallenden Goldpreis durchzusetzen. Einer der größten Goldhalter war die Schweizerische Nationalbank. Als sie avisierte, Gold zu verkaufen, signalisierte sie damit dauerhaft niedrigere Goldpreise. So begann am 21. November 1996 um 10.01 die zweite Phase.

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Abbildung 2: Die Phasen der Golddrückung


Eines der Hauptmerkmale der zweiten Phase war die konfliktträchtige Interessenlage: Das Interesse der profitorientierten Carry-Trader war ein niedrigerer Goldpreis, während den Zentralbanken ein nicht steigender genügte. Zunehmend stemmten sich deshalb die Zentralbanken gegen einen weiter fallenden Goldpreis, selbst Greenspan, der zu den Initiatoren der Goldinterventionen gehörte, sprach sich nun für Gold aus. Auf der anderen Seite standen die Carry-Tradern und einige Politiker, was beispielsweise zu den Goldverkäufen Großbritanniens führte. Trotz eines tendenziell fallenden Goldkurses gab es auch in der zweiten Phase eine obere Kursgrenze, sie lag bei 300 Dollar je Unze. Zudem gab es die Vereinbarung eines Jahres-Schlußkurses von 290 für den Terminkurs an der Comex.




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