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Viel Stoff für unruhige Zeiten, viel Geld für sichere Anlagen

16.09.2012  |  Manfred Gburek
Am vergangenen Donnerstag hat Ben Bernanke, Chef der US-Notenbank Fed, seinen Spitznamen "Helicopter Ben" einmal mehr bestätigt. Das heißt, einer seiner früheren in die Bildersprache gekleideten Sprüche lautete sinngemäß, notfalls - wenn die konjunkturelle Entwicklung dies erfordere - werde die Fed Geld aus dem Helicopter werfen lassen. Nun ist es wieder so weit. Die Aktion heißt zwar etwas verschämt QE 3 (Quantitative Easing, Teil 3), was ihr wohl einen Hauch von Wissenschaftlichkeit verleihen soll, aber das Bild von der Helicopter-Abwurfaktion trifft den Kern des Problems besser.

Die Reaktion der Börsen ist eindeutig: Edelmetall- und Rohstoffpreise, Aktienkurse und Euro rauf, Anleihenkurse und Dollar runter. Eine logische Konsequenz, auch wenn in den Wochen zuvor schon einiges in steigenden Preisen bzw. Kursen vorweggenommen wurde. Und jetzt? In den USA tobt der Wahlkampf, und Präsident Barack Obama kann alles andere gebrauchen als eine schwache Konjunktur. Also wird Bernanke im Zweifel weiter mit Geld um sich werfen. Über den Nutzen kann man sich trefflich so lange streiten, bis feststeht, ob das viele Geld den Wirtschaftskreislauf wirklich belebt.

Da redet alle Welt seit Monaten von der Eurokrise, die ja eigentlich eine Krise der - nicht allein europäischen - Banken ist, und der Euro lässt den Dollar als aussehen. Wie passt das zusammen? Ganz einfach, der schwache Dollar wirkt sich positiv auf amerikanische Exporte aus, und Bernanke hat es in der Hand, den Dollar mit extrem lockerer Geldpolitik zu schwächen. Derweil kann und will die Europäische Zentralbank EZB nichts dagegensetzen, weil im Euroraum erst noch einiges abgearbeitet werden muss; das jüngste Gerangel um den Rettungsschirm ESM ist in dieser Hinsicht ja symptomatisch.

Abzuarbeiten ist jetzt vor allem ein Problem, über das Politiker und Zentralbanker noch hinter vorgehaltener Hand diskutieren: Frankreich. Die französische Wirtschaft ist neben dem Staat viel zu hoch verschuldet und lahmt derart, dass sogar die Aktien des Autokonzerns PSA (Peugeot Citroen) den dort repräsentativen Aktienindex CAC 40 verlassen müssen. Man stelle sich nur vor, VW-, Daimler- oder BMW-Aktien würden aus dem Deutschen Aktienindex Dax fliegen - an sich jenseits jeglicher Vorstellung. Wie groß das Frankreich-Problem wirklich ist, dürfte die Öffentlichkeit schon am kommenden Samstag (22. September) erfahren. Dann kommt es nämlich zum Treffen Merkel/Hollande.

Alles in allem also viel Stoff für unruhige Zeiten. Wie werden sich da Gold, Silber und Aktien verhalten? Auf einen Nenner gebracht: Sie werden die Unruhe abbilden, zumal jetzt mit den mehr oder weniger gezielten Aufständen in arabischen Ländern ein weiterer Störfaktor hinzukommt. Aber nicht etwa, indem Edelmetalle und Aktien bei Anlegern in Ungnade fallen, sondern im Gegenteil: Das Abbilden wird sich in der Fortsetzung des Aufwärtstrends zeigen, wenngleich mit starken Unterbrechungen vor allem bei Aktien.

Das heißt, wir erleben eine von überreichlicher Liquidität geprägte, durch zwischenzeitliche Gewinnmitnahmen unterbrochene Hausse bei Edelmetallen und Aktien. Neu daran ist, dass diese Anlagen von Großanlegern unter dem Aspekt der Sicherheit bevorzugt werden, während Anleihen, noch vor wenigen Wochen als vermeintlich “sicherer Hafen“ angesehen, vernachlässigt bleiben. Man beachte dazu nur die schlechte Performance des Terminkontrakts Bund Future in der fraglichen Zeit: Er ist von seinem extremen Hoch über 146 auf unter 140 Punkte regelrecht zusammengebrochen.

Die neue Sicherheit hat ihren Preis, und der wird während der nächsten Wochen in strapazierten Nerven der Anleger bestehen. Warum, hängt mit den Eigenschaften der Anleihen einerseits sowie von Gold, Silber und Aktien andererseits zusammen: Anleihen haben einen Nominalwert, von dem sich der Kurswert je nach Börsenlage nach oben oder nach unten entfernen kann, und sie haben in der Regel einen festen Zinssatz. Damit sind die Variablen kalkulierbar. Dagegen haben Gold und Silber weder einen Nominalwert noch verzinsen sie sich. Aktien wiederum können, müssen aber nicht einen Nominalwert haben, und ihre Verzinsung in Form der Dividendenrendite schwankt ständig, weil ihre Kurse schwanken.

Und da sollen sicherheitsbewusste Anleger zu Edelmetallen und Aktien greifen? Sollen sie nicht, tun sie aber einfach, und das sogar auf erhöhtem Preisniveau. Man kann daraus folgern, dass der Großteil von ihnen möglicherweise ins Lager der Spekulanten oder sogar Spieler gewechselt ist. Aber auch, dass Anleihen inzwischen derart miserable Anlagen sind, dass Edelmetalle und Aktien allemal zur besseren Alternative werden. Immerhin verkörpern diese eine gewisse Substanz, Anleihen dagegen nur ein Versprechen.

Jetzt mögen Skeptiker einwenden: Gold und Aktien lassen wir gerade noch unter Sicherheitsaspekten gelten, aber Silber auf keinen Fall. Das ist in Anbetracht des stark schwankenden Silberpreises sogar verständlich. Doch dagegen kann man argumentieren: Gold und Silber bewegen sich trendmäßig seit Jahrzehnten immer in dieselbe Richtung, und während eines Aufwärtstrends ist mit Silber viel mehr Geld zu verdienen als mit Gold.

Damit bleibt noch die Frage zu klären, was wir von Edelmetallen und Aktien in nächster Zeit zu erwarten haben. Charttechnisch machen Gold und Silber einen guten Eindruck. Das heißt, die üblicherweise als Konsolidierung bezeichnete Phase seit den Höchstpreisen vom Sommer 2011 geht zu Ende und macht einem erneuten Preisschub nach oben im Rahmen des langfristigen Aufwärtstrends Platz. Die Preisziele aufwärts sind offen, Fed und EZB sei Dank.

Dagegen ist es bei Aktien komplizierter, weil ihre Kurse ja nicht allein vom Fed- oder EZB-Geld abhängen, sondern auch von der Gewinnentwicklung der Unternehmen und damit von der Konjunktur, die im Euroraum bekanntlich zwischen dem Norden und Süden gespalten ist. Dennoch: Aktien befinden sich mitten in einer Liquiditätshausse, und nur falls die Konjunktur stark einbrechen sollte, käme es auch zu Kurseinbrüchen. Die dürften allerdings nicht von langer Dauer sein, weil dann die Fed QE 4 ausrufen und die EZB mit dem Geld nur so um sich werfen würde.


© Manfred Gburek
www.gburek.eu

Herr Gburek ist Fachjournalist und Buchautor. Seine letzten Werke waren: "Das Goldbuch" (2005), das Wörterbuch "Geld und Gold klipp und klar von A bis Z" (2007) und "Die 382 dümmsten Sprüche der Banker" (2008).



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