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Silber und Opium

28.02.2011  |  Prof. Antal E. Fekete
Die Opiumkriege gehören nicht zu den Glanzzeiten der Geschichte des Westens. Sie sind viel eher Zeugnisse schändlichen Verhaltens, von denen sich der Westen noch nicht rehabilitiert hat. Merkantilistischen Regierungen im Westen missfiel der anhaltende Abfluss von Silber in Richtung Osten, mit dem die orientalischen Güter (Tee, Seide, Porzellan), die im Okzident so beliebt waren, bezahlt wurden; gleichzeitig stießen die okzidentalischen Güter im Orient auf nur geringe Nachfrage. Ab Mitte des 17. Jh. nahm China mehr als 9 Milliarden Feinunzen oder 290.000 Tonnen Silber auf, welches aus den europäischen Ländern stammte und gegen chinesischen Güter eingetauscht wurde.

Um ihr eigenes Handelsdefizit zu verringern, führten die Briten neben Tabak auch das Opium als Exportgut für China ein. Auch nach dem Erlassen eines Embargos für Opiumimporte durch die kaiserliche Dynastie setzten die Briten, die Spanier und die Franzosen unter dem Deckmantel des Freihandels und mit stillschweigender Billigung der Amerikaner, die Lieferungen der Schmugglerware über erlaubte wie auch unerlaubte Kanäle fort.

Da Opium bei den chinesischen Massen überaus beliebt war und zudem stark abhängig machte, schien das Opium die ideale Lösung für das Handelsproblem des Westens. Tatsächlich kamen die Silberflüsse anfänglich zum Erliegen, und später kehrten sie sich um. China war also gezwungen, Silber für seine Abhängigkeit vom Opiumrauchen zu zahlen, welche künstlich vom Dealer - den Briten - herbeigeführt wurde.

Die wichtigste Grundlage der westlichen Exporte war nun nicht mehr Silber, sondern Opium. Als man in China das wachsende Problem der Abhängigkeit sowie das schwächende und geistig auszehrende Wesen dieser Droge erkannte, wurde 1729 der Verkauf und der Konsum (Rauchen) von Opium verboten und nur eine noch kleine Importquote zu medizinischen Zwecken geduldet. Die Briten missachteten das Embargo und das Handelsverbot für Opium und förderten den Schmuggel.

In der Folge wuchsen die britischen Opiumexporte nach China von geschätzten 15 Tonnen auf 75 Tonnen im Jahr 1773. Die Menge stieg stetig und erreichte 900 Tonnen im Jahr 1820, 1838 lag sie bei 1.400 Tonnen - also fast eine Verhundertfachung innerhalb von 100 Jahren.

Es musste etwas geschehen. Die chinesische Regierung stellte den Drogenhandel unter Todesstrafe, und sie besetzte die Herstellungs- und Verteilungseinrichtungen der Briten auf chinesischem Boden. Britische Schiffe, die Opium transportierten, wurden in internationalen Gewässern aufgebracht und ihre Lieferung vernichtet - zusätzlich zur Vernichtung des Opiums, das auf chinesischem Boden gefunden wurde. Die Briten beschuldigten die Chinesen, sie würden britisches Eigentum vernichten und sandten eine große britisch-indische Armee nach China, die dort für Vergeltung sorgen sollte.

In den bewaffneten Konflikten war das britische Militär deutlich überlegen. Britische Kriegsschiffe richteten in den Küstenstädten Chaos an. Nachdem die Briten Canton genommen hatten, segelten sie den Jangtse hinauf. Sie schnappten sich die Schiffe der Prahmgeld-Eintreiber und versetzten somit den Chinesen einen vernichtenden Schlag, da sich die steuerlichen Einnahmen des Reiches nicht mehr eintreiben ließen.

Im Jahr 1848 bat China um Frieden, der in Nanking beschlossen und im folgenden Jahr ratifiziert wurde. In einem Abkommen wurde China gezwungen, den Briten eine Entschädigung zu zahlen, vier Hafenstädte zu öffnen, in denen britischen Staatsbürgern extraterritoriale Rechte zugestanden wurden, zudem musste Hongkong an Großbritannien abgetreten werden. 1844 unterzeichneten die Vereinigten Staaten und Frankreich ähnliche Verträge mit China.

Im englischen House of Commons wurden diese erniedrigenden Verträge von William E. Gladstone kritisiert, der später als Premierminister diente. Er fragte sich "ob es wohl jemals einen im Kern ungerechteren Krieg gegeben hat, einen Krieg, der mehr darauf abzielte, dauerhafte Schande über England zu bringen." Der Außenminister Lord Palmerston entgegnete, es könne wohl keiner glauben, dass das Motiv der chinesischen Regierung "die Förderung guten moralischen Verhaltens" sei oder dass dieser Krieg ausgetragen wurde, um das Handelsbilanzdefizit der Chinesen einzudämmen.

Der amerikanische Präsident John Quincy Adams brachte sich in die Debatte ein, indem er kurz anmerkte, das Opium sei ein "bloßer Zwischenfall" gewesen. Er meinte zudem: "die Kriegsursache waren die arroganten und unerträglichen Anmaßungen Chinas, dahingehend dass es mit dem Rest der Welt kommerziellen Verkehr haben wollte, der nicht etwa auf gleicher Gegen- und Wechselseitigkeit gründete, sondern auf beleidigenden und herabwürdigenden Umgangsformen wie zwischen Herr und Vasall."

160 Jahre später klingen diese Worte in Präsident Obamas jüngsten Aussagen nach, dahingehend, dass die Wechselkurspolitik der Chinesen inakzeptabel für den Rest der Menschheit sei, da diese zu verstehen gäbe, die chinesische Währung sei die Währung des Herrn und die aller anderen, nur die der Vasallen.




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