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Das Gute, Schlechte und Hässliche

29.03.2013  |  Theodore Butler
Es folgt ein Auszug aus einem Wochenrückblick vom 23.März.

Das Gute spar ich mir noch einen Moment auf, aber das Böse und das Hässliche scheint die Gold- und Silbermärkte und auch andere Märkte durchsetzt zu haben. Am Mittwoch (20.03.) nannte ich einen Grund, warum Gold und Silber trotz der Nachrichten aus Zypern nicht steigen konnten; eine solche Rally hätte den geplanten Kursrücksetzer bei Kupfer, Platin und Palladium gestört, der sich am Montag und Dienstag gezeigt hatte. Um es klar zu sagen: Die Commercials hatten wie erwartet größere Mengen Kupfer- und Platinkontrakte gekauft, und im geringeren Ausmaß auch Palladium. Mein Punkt ist, dass die Käufe der Commercials an der NYMEX/ COMEX mit Abstand die stärkste kurzfristige, kursbeeinflussende Kraft sind - stärker als die eigentlichen Nachrichten und Entwicklungen mit Bezug zur realen Angebots-und-Nachfragewelt. Das widerspricht den gesetzlichen Bestimmungen für den Rohstoffmarkt derart, dass man die Aufsichtsbehörden meiner Ansicht nach für korrupt halten muss.

Noch schlimmer ist die Tatsache, dass Silber- und Goldinvestoren scheinbar tagtäglich mit Behauptungen konfrontiert sind, die US-Regierung würde gegen die Interessen der Silberinvestoren arbeiten. Während die US-Regierung alle erdenklichen Anstrengungen unternimmt, um die Anleihe-, Aktien- und Immobilienmärkte ins Plus zu drücken, so scheint man auf der anderen Seite bemüht, die Silberkurse zu drücken. Und diese Anstrengen lassen sich kaum noch mit dem Begriff hässlich fassen. Es geht nicht einmal darum, dass Silberinvestoren dieselben speziellen Gefälligkeiten und Anreize erwarten würden, mit denen Investoren in anderen Märkten bedacht werden. Hier geht es viel eher um einen Fall von Diskriminierung der Silberinvestoren durch die US-Regierung. Diese Diskriminierung ist nun schon zur Tradition geworden, und ich glaube, das wird von vielen auch so wahrgenommen. Von mir auf jeden Fall.

Die schwerste Diskriminierung ist die Tatsache, dass sich die Bundesaufsichtsbehörden glaubwürdigen Vorwürfen nicht annehmen, denen zufolge sich JP Morgan am COMEX-Silbermarkt bestimmter Vergehen schuldig macht. Keiner fordert von der CFTC bestimmte Gefälligkeiten oder etwas, das sich außerhalb ihres Zuständigkeitsbereiches bewegen würde. Dinge wie Marktkonzentration habe ich ja nicht erfunden, oder aber vorgeschlagen, dass man diese Daten in die COTs und Bank Participation Reports aufnehmen müsste. Marktkonzentrationsdaten waren und sind der wichtigste Schutzmechanismus, den die CFTC gegen Manipulation hat. Wer nun legitime Fragen zu solchen Problemen hat, die eindeutig in den Bereich der Aufsichtsbehörden fallen, sollte daher nicht auf Schweigen stoßen, das sich hinter einer viereinhalbjährigen Scheinuntersuchung versteckt. Wenn sich die CFTC nicht entschieden äußert oder der andauernden Silbermanipulation durch JP Morgan kein Ende setzt, dann diskriminiert diese Behörde Silberinvestoren und zersetzt das Vertrauen in die Institution. Sie unterminiert zudem alles Gute, für das Amerika einst stand.

Jeden Tag sind Silberinvestoren (und Goldinvestoren) dem Diktat der großen COMEX-Kurs-Tapezierer ausgesetzt, ganz gleich, was die realen Angebots/ Nachfrage-Fundamentaldaten aussagen. Hochfrequenzhandel und computerisiertes "Algo-Trading“ dominieren inzwischen die Preisfindung an der COMEX in einem absurden und unwirtschaftlichen Ausmaß. Die beispiellose Silber-Investitionsnachfrage und die ungewöhnlichen Bewegungen in den COMEX-Silberlagern wie auch im SLV haben folgenden Grund: Die korrupte Preisfindung an der COMEX setzt den Silberpreis zu niedrig an. Würde der Silberkurs durch JP Morgans übergroße Short-Position und den täglichen Computer-Trading-Wahn nicht zu niedrig angesetzt werden, dann gäbe es wohl auch nicht diese beispiellosen Entwicklungen beim Silber, von denen ich ständig schreibe.

Es ist erschöpfend, über Monate und Jahre hinweg Tag für Tag Zeuge dieser unnatürlichen Kräfte (JPM und das wahnhafte Computer-Trading) zu werden, während andere Investment-Märkte durch staatliche Maßnahmen gestützt werden. Das macht einen fertig - und das ist ganz normal, wenn man Mensch und noch dazu ein aufmerksamer ist. Was ich dahingehend als erstes anzubieten habe, ist Empathie: Ich will Ihnen sagen, dass es mir ganz genauso geht. Unter all dem Schlechten und Hässlichen ist aber vor allem eines über die Maßen gut: eine objektive Analyse der Diskriminierung durch die CFTC und ihres Versagen, die immer offensichtlicher werdende Kursmanipulation einzuschränken und zu beenden. Einfach gesagt: Das Schlechte und das Hässliche laufen auf etwas übertrumpfend Gutes hinaus. Das Schlechte und das Hässliche sind die Gründe, warum der Silberpreis in die Höhe schießen wird. Wären die Silberkurse nicht so niedrig angesetzt und wäre die CFTC gegen JP Morgan vorgegangen, gäbe es wahrscheinlich kaum Gründe oder Dringlichkeit, Silber zu kaufen.

Gäbe es keine Manipulation oder hätten sich die Aufsichtsbehörden nicht im Bahndamm verschanzt und Deckung gesucht, dann würde zumindest ich nicht auf den Tisch hauen und zum Silberkauf auffordern, da bin ich mir sicher. Ich denke nicht, dass ich jemals zum Silberkauf geraten habe, ohne dies mit der Manipulation oder den tatsächlichen Angebots- und Nachfrageverhältnissen zu begründen. Ich sage nicht, dass alle anderen Gründe - wie Währungen, Zustand der Wirtschaft, andere Märkte, Geldschöpfung, etc. - keine Bedeutung für die Silberkurse hätten; ich sage nur, dass diese Gründe für mich zu wenig silberspezifisch sind, um darüber zu schreiben. So erschöpfend und schmerzlich diese laufende Silberkursmanipulation auch gewesen ist, würde die Manipulation nicht existieren, dann gäbe es auch keinen Hauptgrund für Silberkäufe.

Ich kann nicht ausschließen, dass Silber auch noch weitere Stöße nach unten verpasst bekommt, bevor es zur dramatischen und abschließenden Auflösung mit steil steigenden Kursen kommt. Die Manipulation ist aber Ursache für beides! Ich kann zumindest Folgendes sagen: Auch wenn man nicht ausschließen kann, dass Silber mit solchen Stößen auf neue Preistiefs befördert werden könnte, so ist es zumindest unabdingbar, dass die Silberpreise zu einem jetzt noch nicht bekannten Zeitpunkt explodieren werden. Angesichts einer zeitlich so fortgeschrittenen Silbermanipulation und angesichts aller Hinweise auf Anspannungen und eine sich abzeichnende Knappheit am physischen Markt, sollte man sich meiner Meinung nach am besten auf die Gewissheit der kommenden Preisexplosion konzentrieren und nicht auf die Ungewissheiten der kurz- bis mittelfristigen Preisentwicklungen. Lassen Sie sich nicht von den Betrügern bei JP Morgan oder aber den nachlässigen und diskriminierenden Aufsichtsbehörden vom Gegenteil überzeugen!


© Theodore Butler


(Diese Abhandlung wurde vom Silberanalysten Theodore Butler, einem unabhängigen Berater, verfasst. Investment Rarities teilt seine Ansichten nicht notwendigerweise, diese können sich als richtig oder falsch herausstellen.) Exklusiv übersetzt für GoldSeiten.de. Das Original wurde am 25.03.2013 auf der Website www.silverseek.com veröffentlicht.

Informationen zum Abonnement finden Sie unter www.butlerresearch.com.


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