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Nervöse Neue Welt

28.07.2011  |  Theodore Butler
Seit über 25 Jahren beschäftige ich mich eingehend mit dem Silbermarkt - mit Fokus auf Angebot/ Nachfrage sowie Marktstruktur. Schon fast 15 Jahre zuvor begann ich, neben anderen Rohstoffen, Silber zu handeln - als Rohstoff- und Aktienbroker. In all diesen 40 Jahren habe ich in meinen Analysen versucht, Silber nicht als Vermögensanlage zu betrachten, die in einer Weltfinanzkrise als letzter Zufluchtsort dienen könnte. Nicht weil Silber kein solcher Zufluchtsort ist, sondern weil dieses Attribut weithin als akzeptiert galt und schon viel darüber geschrieben wurde. Mein Bestreben war immer folgendes: Ich wollte neue und einzigartige Silberaspekte aufdecken; ich sah keinen Mehrwert darin, über schon Bekanntes zu schreiben.

Heute möchte ich Ihnen einige meiner Gedanken hinsichtlich der allgemeinen Finanzsituation weltweit und Silber darlegen, welche mich in letzter Zeit mit Sorge erfüllten. Doch zuvor möchte ich Ihnen an dieser Stelle versichern, dass ich immer noch optimistisch gestimmt bin, dass die heutigen Finanzprobleme in den USA als auch weltweit eine halbwegs vernünftige Lösung finden werden. Ich denke allerdings nicht, dass die Lösung einfach sein oder auch ganz ohne reale Bedrohung kommen wird. Meiner Meinung nach ist auch ein Worst-Case-Szenario nicht unmöglich. Mir ist aber Folgendes wichtig: Ich möchte hier nicht das Bild entstehen lassen, man sollte Silber allein nur deswegen besitzen, weil die Welt langsam vor die Hunde geht. Nach Maßgabe aller Fakten müsste sich Silber gut entwickeln, ganz gleich, welche globalen Finanzzustände wir am Ende erleben werden.

Was mich, neben anderen Dingen, mit am meisten besorgt, ist die Vermehrung der Schulden in fast allen Bereichen - besonders aber im staatlichen. Immer wenn die Menge einer Sache deutlich anwächst, sinkt ihr Wert. Dass die globale Gesamtverschuldung im Verhältnis zur globalen Tilgungsfähigkeit unverhältnismäßig stark angestiegen ist, ist ein ernstes Problem. Und angesichts des trägen Wirtschaftswachstums der westlichen Gesellschaften gestalten sich die Möglichkeiten für den Schuldenabbau umso schwieriger.

Auch gemeinsame Opfer werden die Abhängigkeit von Schulden nicht schnell oder problemlos beseitigen. Da fast alle Staatsschulden im Grunde Papierobligationen sind (gedeckt durch Kreditwürdigkeit anstatt durch Pfandverschreibung auf tatsächliches Eigentum), könnten alle Papierobligationen in einer Finanzkrise suspekt werden. Vermögensanlagen, die ganz und gar getrennt sind von der Zahlungsfähigkeit eines Schuldners, gewinnen in solchen Krisen allgemein an Wert. Werden Papieranlagen gemieden, wächst die Nachfrage nach physischen Anlagen wie Silber. Im Anschluss werde ich gleich erklären, warum Silber vielleicht sogar zur besten physischen Fluchtanlage werden könnte.

Die globale Schuldenvermehrung hat ebenfalls zu einer enormen Explosion im Bereich der Derivate geführt (beispielsweise Kreditausfallversicherungen), die potentiell jede Finanzkrise weiter verschlimmern können. Eben solche Derivate, besonders die von AIG emittierten, zwangen die Welt 2008 finanziell in die Knie. Damals sank der Silberpreis heftig aufgrund einer (im Rückblick) immer offensichtlicher werdenden Manipulation seitens der großen New Yorker Banken, die massive Silber-Short-Positionen hatten. Eine erneute Manipulation dieser Art wird nur schwer möglich sein. Eine neue Finanzkrise wird wahrscheinlich mit steil steigenden Silberpreisen einhergehen.

Meine andere Hauptsorge ist nun die Tatsache, dass die Feindseligkeiten zwischen den beiden Parteien im US-Kongress so alarmierende Ausmaße angenommen haben, wie ich es noch nie zuvor erlebt habe. Ich habe immer die politische Stimmung im Land verfolgt, obgleich ich dabei versuche, politisch neutral zu bleiben. Was ich heute sehe, ist im höchsten Maße alarmierend. In fast allen Fragen scheint es automatisch Zwist und Abwehrreaktionen zwischen den Parteien zu geben. In Anbetracht der aktuellen wirtschaftlichen Situation bei uns können solche politischen Kraftproben wohl kaum als konstruktiv gelten. Solche politischen Kampfattitüden - zusätzlich zu den Schuldständen, den Derivat-Machwerken, der schwachen Wirtschaft und der hohen Arbeitslosigkeit - lassen die Wahrscheinlichkeit von Fehlberechungen und Finanzunglücken steigen.

Ich habe den Eindruck, die europäische Schuldenkrise und der Streit um die Verschuldungsobergrenze/ das Haushaltsdefizit in den USA haben den ungewollten Nebeneffekt, dass viele zu zweifeln beginnen, die nie zuvor auch nur Zweifel hegten. Mit dem Vertrauen ist es so eine Sache: Es muss hart erarbeitet werden und geht schnell verloren. Vielleicht hätte man sich schon früher Sorgen um Verschuldung und Finanzfragen machen müssen, aber aufgrund der aktuellen Schlagzeilen sorgen sich jetzt immer mehr Menschen. Das untergräbt allerdings das Vertrauen, das gebraucht wird, um Papierschuldverschreibungen zu kaufen und zu verkaufen. Zwar wird dieses Vertrauen nicht über Nacht verloren gehen, aber es wird schrittweise ausgehöhlt, womit auch die Wahrscheinlichkeit, dass es irgendwann zur Panik kommt, steigt. Im Fall einer echten Finanzpanik kann ich mir kaum vorstellen, dass sich die Menschen nicht massenweise in physische Anlagen flüchten werden - besonders in Edelmetalle.

Mir ist bewusst, dass ich gerade das populäre Argument für den Gold- und Silberbesitz dargelegt habe - nämlich Edelmetalle als Versicherungspolice gegen Inflation und Finanzmisere. Und genau dieses Argument habe ich seit Jahrzehnten zu vermeiden versucht, nicht weil es keine Berechtigung hätte, sondern weil es schon so ausführlich dargelegt wurde. Das Versicherungsargument habe ich immer als Bonus angesehen und nicht als zentraler Grund für Silbereigentum. Das ist immer noch meine Einstellung, und dennoch haben mich die jüngsten Ereignisse sensibler für die äußeren Finanzfaktoren gemacht. Mir scheint, je mehr Menschen täglich mit Berichten über globale Schuldennöte und politischen Grabenkämpfen in den USA in Kontakt kommen, desto mehr werden sich auch überzeugen lassen, wie weise und sinnvoll eine Diversifizierung von Papierobligationen hinzu Vermögensanlagen ist, die nicht von den Versprechen anderer abhängen. Sicher werden die steigenden Edelmetallpreise diesen Prozess nur noch mehr festigen.




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