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Wenn es um Gold geht, läuft nichts zufällig ab

22.05.2013  |  Jan Kneist
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Börse Express: Einerseits ist die Stimmung für Gold schlecht wie nie, andererseits stürm(t)en die Kleinanleger die Goldläden. Ist das nicht irgendwie widersprüchlich? Könnte man das nicht auch so interpretieren, dass sich beim physischen Gold eine Milchmädchen-Hausse anbahnt?

Jan Kneist: Man könnte vielleicht in diese Richtung denken, wenn man es oberflächlich betrachtet. Schaut man aber genau hin, dann hat der Goldpreis in den letzten 10 Jahren gerade einmal die Ausweitung der Geldmenge weltweit widergespiegelt. Nicht umsonst laufen die Kurven von US-Staatsverschuldung, FED-Bilanz und Goldpreis fast einmütig nach oben. Das ist keine Blase. Was Indien angeht, so sind die Käufe kulturell bedingt. Gold ist dort schon immer ein Wertspeicher gewesen und selbst die Ärmsten kaufen wenige Gramm oder Bruchteile, wenn sie einige Rupien übrig haben. Jahrzehnte der Geldentwertung in Indien geben ihnen Recht und die Versuche der Regierung, das einzudämmen, werden nicht fruchten.

China hat ein ganz anderes Problem, nämlich die riesigen Handelsüberschüsse und die daher stammenden 2 Billionen US$ an "Devisenreserven“. Die Staatsführung weiß genau, daß die Masse davon uneinbringlich ist und eines Tages abgeschrieben werden muß. Von staatlicher Seite liefen in China vor einiger Zeit Werbespots, in denen die Bürger aufgerufen wurden, physisches Gold und Silber zu kaufen. China leidet zudem unter hoher Inflation, was die Metallnachfrage ankurbelt. Ich würde dann von einer Blase sprechen, wenn Aktien aus der Mode sind, die Bondblase geplatzt ist und alles panikartig in Gold flieht. Dann können wir uns darüber wieder unterhalten.


Börse Express: Der jetzige Goldpreiseinbruch hat jedenfalls die Folge, daß massiv Gold gekauft wird und entsprechend Gold aus den Warehouses oder den Banken abfließen muß. Eric Sprott hat ja kürzlich berechnet, daß die Zentralbanken gar nicht mehr so viel Gold haben können wie offiziell behauptet. Wie kann sich diese Diskrepanz einmal auflösen, daß einerseits Gold massiv abfließt, sich das aber nie in den Futures-Kursen niederschlagen will?

Jan Kneist: Der Artikel von Sprott ist extrem interessant und er zeigt auf, daß die Goldexporte der USA nicht nur aus der Minenproduktion kommen können. Anhand der amtlichen Außenhandelsstatistiken hat Sprott aufgezeigt, daß seit 1991 4.490 Tonnen Gold mehr exportiert wurden als das Land aus Minenproduktion, Altgold etc. hätte aufbringen können. Diese Massen können nur von der Zentralbank stammen, die sich seit Jahrzehnten einer Überprüfung der Bestände verweigert. Das Spiel kann theoretisch bis zur letzten marginalen Unze so weitergehen, also bis die Tresore leer sind und man die physische Lieferung verweigert. Die Verkäufe über die COMEX haben nicht dazu geführt, daß die physische Nachfrage zurückgeht, sie sogar für einen beschleunigten Abfluß aus der COMEX gesorgt.

Die letzten Importzahlen von Indien und China sind wirklich erstaunlich und sie bezeugen, daß riesige Mengen Gold nach Asien fließen. Alleine die Importe nach China über Hong Kong lagen im März bei 223,52 t nach 97,11 t im Februar. Man kann bis jetzt nur vermuten, wie die Zahlen vom Absturzmonat April aussehen werden. Indien importierte in den ersten 3 Monaten 2013 225 t, im April erneut über 150 t und wird so leicht auf bis zu 1000 t in diesem Jahr kommen. Dennoch relativiert sich alles, bricht man die Importe auf die großen Bevölkerungen beider Länder herunter. Was wir jedoch zur Kenntnis nehmen müssen, ist die Tatsache, daß die laufenden "Goldströme“ Richtung Osten gehen und die westlichen Staaten, ob manipuliert oder nicht, in wachsendem Tempo ihr Gold verlieren.


Börse Express: Seit ungefähr zwei Jahren hört man ständig von der Boston Consulting Group (BCG) mit ihren Vorschlägen eines großen Schuldenschnittes, sprich: Enteignung der Anleger und Sparer ("Back to Mesopotamia“). Ex-Mitarbeiter der BCG sitzen auch bereits bei Schäuble im Finanzministerium. Wie ernst sind diese- derzeit noch- Sandkastenspiele zu nehmen?

Jan Kneist: Diese Überlegungen sind sehr ernst zu nehmen. Es mag sich jetzt hart anhören, aber die Bürger haben nur noch die "Wahl“, einen mehr oder weniger großen Teil ihres Vermögens über Inflation oder Konfiszierung (mehr Steuern, Schuldenschnitt) durch den Staat zu verlieren. Was leider selten ausgesprochen wird, ist der Fakt, daß es eine Schuldenreduktion ohne Guthabenreduktion aufgrund des Wesens des Fiat-Geldes überhaupt nicht geben kann und von daher hat die BCG recht. Dem Bürger wird es aber kaum zu vermitteln sein, daß er mit seinem Vermögen jetzt für die Versäumnisse von Banken, ESM und anderen Wahnsinnsprojekten herhalten soll. Die Schuldenkrise wäre so oder so mit mathematischer Präzision aufgetreten, denn per Saldo können Schulden niemals zurückgezahlt werden.

Den Katalysator der Malaise hat die Immobilienkrise in den USA ab 2007 geliefert. Was BCG nicht bedenkt, sind die verheerenden psychologischen Wirkungen, wenn solche Enteignungspläne von der Politik ernsthaft ins Gespräch gebracht werden. Wir haben gesehen, welches Chaos die Guthabenenteignungen in Zypern verursacht haben. Bei uns würde es vielfach schlimmer ablaufen, denn die einzig rationale Handlung jedes Bankkunden wäre es, seine Konten vollständig abzuräumen. Länger verzögern läßt sich das Desaster mit Inflation und deshalb wird dieser Weg mit fast 100%iger Sicherheit gewählt, d.h. die EZB muß deutlich mehr dubiose Papiere (ABS, Staats- und Hypothekenanleihen etc.) ankaufen. Das Problem besteht dabei darin, das Grundvertrauen der Bürger in das Papiergeld nicht zu zerstören.




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