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Privatisierung des Geldes - Weil der beste Regulator der Wettbewerb ist

25.10.2011  |  Ralph Bärligea
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eigentümlich frei: Sie sind im Bereich privaten Geldes neben den Anbietern von Gold- und Silbermünzen einer der Pioniere. Wie lange, denken Sie, wird es dauern, bis sich hier weltweit ein breiter Markt entwickelt? Und wovon könnte dies abhängen?

Karl Reichmuth: Abhängen wird es vom Engagement jener, welche die Volksmeinung beeinflussen können, also von den Medien, aber auch von solch segensreichen Gesellschaften wie der Hayek-Gesellschaft. Im Übrigen bin ich mit 72 Jahren und über 50 Jahren Bankerfahrung alt genug, um zu wissen, dass solche Neuerungen viel Zeit beanspruchen. Das große Glück, dass auch junge Leute - unter anderem Remy, einer meiner beiden Söhne - von diesem Weg zur Gesundung unseres Papiergeldsystems beseelt sind, lässt mich die Idee beharrlich weiterentwickeln.


eigentümlich frei: Halten Sie es für möglich, dass Wertspeicherinstrumente wie der RealUnit eines Tages auch zum Tauschmittel werden? Und was speziell sollte Kreditnehmer dazu bewegen, ihre Kredite in wertstabilem Geld aufzunehmen, statt in staatlichem Inflationsgeld, bei dem die Schuldner ja auf die Entwertung ihrer Schuld setzen können?

Karl Reichmuth: Langfristig kann ich mir durchaus vorstellen, dass "Wertspeicherinstrumente" als Tauschmittel eingesetzt werden. Die Akzeptanz von Geld als Tauschmittel basiert auf der Funktionalität als Wertspeicher. Je mehr die Zentralbanken die Funktion der Wertaufbewahrung des staatlichen Geldes vernachlässigen, desto größer wird der Anreiz, alternative Tauschmittel zu verwenden. Eine Vorstufe zum Geld als Tauschmittel sind reale Schuldverträge, diese können grundsätzlich heute schon vereinbart werden, indem der Rückzahlungsbetrag beispielsweise an den RealUnit gekoppelt wird.

Mangels Alternativen sind Gläubiger heute gezwungen, auf staatliche Währungen lautende Anleihen zu erwerben. Der RealUnit als Anleihewährung hätte jedoch für Gläubiger und Schuldner Vorteile. Der Gläubiger könnte einen Kredit vergeben mit der Gewissheit, außer bei Zahlungsunfähigkeit natürlich, den realen Wert des verliehenen Geldes inklusive Zins bei Verfall zu erhalten. Der Schuldner andererseits hätte eine reale Schuldenlast, die sich dem Bruttoinlandsprodukt anpasst und somit in Krisenjahren wie 2008 von Vorteil ist.


eigentümlich frei: Könnten Sie sich vorstellen, dass, wie im vergangenen Jahrhundert in Europa ja mehrfach geschehen, die Nachfrage nach staatlichem Geld angesichts grassierender Staatsverschuldung und dadurch drohender Geldentwertung wieder komplett zusammenbricht?

Karl Reichmuth: Vorstellen kann und muss ich mir das als professioneller Vermögensverwalter im Rahmen einer Szenarioanalyse. Dagegen kämpfe ich jedoch, denn eine evolutionäre statt revolutionäre Entwicklung ist für das unseren Wohlstand bestimmende Geldwesen verträglicher. Eine revolutionäre Entwicklung ginge erneut vor allem zu Lasten der breiten Masse, die ausschließlich in nominellen Werten investiert ist. Die Schere zwischen Arm und Reich darf sich nicht weiter öffnen, sonst wäre unsere kapitalistische Ordnung gefährdet.


eigentümlich frei: Könnte die Lücke im Extremfall durch private Anbieter geschlossen werden, die sich dann am Markt halten und staatliches Geld komplett verdrängen? Die Zigarettenwährung nach dem Zweiten Weltkrieg hat sich bekanntlich nicht durchgesetzt.

Karl Reichmuth: Der ehemalige US-Präsident Garfield brachte es mit dem Satz auf den Punkt: "Wer das Geld einer Nation kontrolliert, der kontrolliert die Nation." Die Kontrolle über die Produktion von ungedecktem Papiergeld verleiht den Staaten eine unvorstellbare Macht. Diese Macht werden die Staaten nicht aufgeben. Außerdem können die Staaten im Gegensatz zu Privaten beispielsweise durch Steuern eine künstliche Nachfrage für die eigene Währung schaffen. Ich glaube daher, dass selbst bei einem kompletten Zusammenbruch des monetären Systems in kürzester Zeit neue staatliche Währungen entstehen würden. Eine solche extreme Situation würde aber sicherlich zu einer Erhöhung der Nachfrage nach privatem Geld führen, erneut wie gesagt zumindest als Wertaufbewahrungsmittel.




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