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Gold-Backwardation erklärt

12.08.2013  |  James Turk
In einem Interview mit Kings World News vom 8. Juli machte ich darauf aufmerksam, dass Gold an jenem Tag in die Backwardation rutschte. Seither habe ich auf verschiedenen Webseiten zahlreiche Kommentare zur Backwardation gelesen, die mir zeigen, dass dieser Begriff, und noch viel wichtiger, seine Tragweite für den Goldpreis scheinbar sehr häufig missverstanden werden. Aus diesem Grund habe ich diesen kurzen Artikel verfasst, um Backwardation zu erklären, von der es zwei Typen gibt: 1) Geld-Backwardation und 2) Rohstoff-Backwardation. Beide treffen, wie ich unten noch erklären werde, auf Gold zu.

Die folgende Tabelle zeigt den Dollar-Wechselkurs gegenüber dem Euro und dem Britischen Pfund für verschiedene Zeiträume - angefangen vom aktuellen Zeitpunkt (Spot oder Kassa) bis zu einem Jahr in der Zukunft. In außerbörslichen Handel werden diese zukünftigen Kurse "forwards" genannt. Die folgenden Kurse wurden der Financial Times von 26. Juli entnommen.

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Wie Sie sehen, steigt der Euro-Wechselkurs gegenüber dem Dollar je weiter wir in die Zukunft gehen, er steigt von einem Kassakurs von 1,3265 $ auf einen Terminkurs (forward rate) von 1,3290 $. Im Gegensatz dazu sinkt der Pfund-Wechselkurs gegenüber dem Dollar im selben Betrachtungszeitraum. Aber warum?

Dafür gibt es nur einen Grund - Zinssätze. Die Euro-Zinssätze liegen im betrachteten Zeitraum unter den Zinssätzen des Dollars; der Euro befindet sich somit dem Dollar gegenüber in einem Zustand, der ‘Contango‘ genannt wird. Im Gegensatz dazu liegen die Zinssätze des Britischen Pfunds im betrachteten Zeitraum über den Zinssätzen des Dollars; das Britische Pfund befindet sich gegenüber dem Dollar somit in einer ‘Backwardation‘.

Backwardation und Contango sind also mathematische Ergebnisse, die die Geldbeschaffungskosten (manchmal auch ‘Haltekosten‘ oder ‘Zeitwert des Geldes‘ genannt) widerspiegeln, gemessen an den Zinssätzen im gegenseitigen Währungsvergleich. Diese Feststellung führt uns allerdings zu einer größeren und wichtigeren Frage, die beantwortet werden muss. Warum sind die Euro-Zinssätze niedriger als die des Dollars, während die Pfund-Zinssätze höher sind, als die der beiden anderen Währungen?

Die Antwort darauf ist wiederum einfach: In Zinssätzen spiegelt sich das Risiko wieder. Die Zinssatzstruktur in der oben abgebildeten Tabelle impliziert, dass das Pfund einen höheren Zinssatz hat, weil es mit höherer Wahrscheinlichkeit durch Maßnahmen des Staates und der Zentralbank abgewertet wird (d.h. an Kaufkraft verliert) als dies beim Dollar der Fall ist, bei welchem die Wahrscheinlichkeit einer Abwertung wiederum höher ist als beim Euro. Wenn man dieses Konzept jetzt ausweitet, befindet sich das Pfund (wie auch der Dollar und der Euro) z.B. gegenüber der Indischen Rupie und dem Südafrikanischen Rand im Contango, da beide Währungen höhere Zinssätze als das Pfund haben, weil sie ein erhöhtes Risiko aufweisen, durch Missmanagement des Staates und der Zentralbank entwertet zu werden.

Allerdings sind die Zinssätze aller nationalen Währungen mit Vorsicht zu genießen. 2008 prägte Chris Powell von GATA.org folgenden berühmten Satz: “Heute gibt es keine Märkte mehr, nur noch Interventionen.“ Die heutigen Zinssätze spiegeln also weniger die wahren Marktbedingungen wieder, sie sind viel eher das Resultat plumper Zentralbankenmanipulationen und konterkarieren reale und akkurate Preisfindung durch den Markt.

Der Druck der Zentralbanken stößt aber auch an seine Grenzen und ab einem bestimmten Punkt übernehmen dann wieder die Marktkräfte - diese Einschränkung wird oft sprachbildlich als “pushing on a string“ (ungefähr: “den Faden stoßen“) bezeichnet. Diese Einschränkungen erklären auch, warum die Zinssätze der Rupie und des Rands relativ hoch bleiben. Sollten die Zentralbanken dieser Länder jetzt versuchen, die Zinssätze zu senken, würden die Währungshalter diese Währungen verkaufen. Das würde wiederum sinkende Zinssätze nach sich ziehen, denn im Umfeld gesunkener Zinssätze würde das Halten dieser Währungen als zu riskant gelten - verglichen mit anderen Anlagemöglichkeiten (Opportunitäten) für das liquide Kapital (also deren Geld). Die Effektivität von Zentralbankeninterventionen hat also ihre Grenzen, oder anderes ausgedrückt: Die Gruppe aus Menschen, die wir ‘Markt‘ nennen, steht letztendlich Wache und beobachtet genau die Pfuschereien der Zentralbanken, sie reagiert schließlich, indem sie ihr Geld so bewegt, wie es ihren Risikopräferenzen besser entspricht.

Auch die aktuellen Entwicklungen am Goldmarkt könnte man mit Marktkräften erklären, die die Manipulationen der Zentralbanken überwältigen. Die US-Regierung möchte nicht, dass Gold in die Backwardation gerät, denn das würde bedeuten, dass die Menschen eher physisches Gold halten würden als Dollars - und das würde die Macht unterminieren, die mit dem Status der Weltreservewährung einhergeht. Doch wie wir im folgenden Chart für die Gold-Kassakurse/ Terminkurse in US $ sehen können, wirken die Marktkräfte bis zu einem gewissen Ausmaß stärker als die Zinskontrollversuche der US Fed.

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Wie der Euro, das Pfund, der Dollar und alle anderen nationalen Währungen hat auch Gold einen Zinssatz (der normalerweise als “GOFO“ bezeichnet wird), zu welchem Gold geliehen und ausgeliehen wird. Gold hat einen Zinssatz, weil es Geld ist - eine Aussage, die vielleicht einige überraschen wird. Nach 5.000 Jahren hörte Gold nicht einfach auf, Geld zu sein, nur weil 1971 Regierungen, Zentralbanker und einige Ökonomen das so sagten. Um den Mythos der Gold-Demonetisierung aufrechtzuerhalten, konnte diese Gruppe bestenfalls Verwirrung stiften, Verdunkeln und Irreführen. Infolgedessen nutzen die Zentralbanker für den Gold-Zinssatz heute den politisch korrekten Terminus - “Leihsatz“ oder “Lease-Rate“.




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