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Campieren vor Staatsbanken: Iraner flüchten in Gold

28.12.2011  |  Roman Baudzus
Irans Landeswährung Rial befindet sich seit der Ankündigung zu verschärften Sanktionen durch die Vereinigten Staaten und die Europäische Union im Sinkflug. Viele Iraner befürchten, dass der Rial weiter fallen könnte, falls die iranische Regierung es nicht schafft, die durch die Blockade ausgelösten ökonomischen Schäden zu kompensieren. Das iranische Staatsfernsehen zeigte in dieser Woche Bilder von Menschen, die nachts vor den Eingängen der Staatsbanken campierten, um Ersparnisse von ihren Konten abzuheben. Ein großer Teil dieser Gelder fließt in US-Dollar oder Gold.

Die Furcht vor einem anhaltend sinkenden Außenwert des iranischen Rial veranlasst große Teile der Bevölkerung, ihre Ersparnisse in den amerikanischen Greenback und in Gold umzuschichten. Ausgelöst wurde der Abwärtstrend des Rial, da die Vereinigten Staaten und Europa planen, einen Teil der Rohöllieferungen des Iran zu boykottieren. Auf diese Weise versucht der Westen den Iran unter Druck zu setzen, so dass dieser sein Nuklearprogramm abbricht. Aufgrund des angekündigten Boykotts kam es in den vergangenen Wochen auch zu Spannungen an den internationalen Rohölmärkten. Global aktive Anleger wetten auf einen steigenden Ölpreis bis auf 150 $ pro Barrel (159).

Aufgrund einer wachsenden Inflation stoppte die iranische Zentralbank die Ausgabe von Goldmünzen am 20. Dezember. Neue Bestellungen werden nur mit einer Verzögerung von rund vier Monaten ausgeliefert. Es gibt allerdings keine Garantie, dass man das bestellte Gold erhält. Irans politische Führung versucht zurzeit alles, um die anhaltende Flucht aus dem Rial zu stoppen. Der stark sinkende Außenwert der iranischen Landeswährung hat zur Folge, dass sich Importgüter deutlich verteuern. Die angespannte politische Lage könnte sich weiter verschärfen.

Der offizielle Wechselkurs lag laut der Webseite von Irans Zentralbank am Freitag bei 11.000 Rial für einen US-Dollar, was einem Kurswertrückgang von mehr als 15 Prozent innerhalb eines Monats entspricht. Die iranische Bevölkerung fürchtet sich vor der Entwertung ihrer Ersparnisse. Der Kauf physischen Goldes ist jedoch eines der Mittel, um Ersparnisse in Zeiten einer Krise Wert erhaltend anzulegen. Die Wiederentdeckung von Gold und Silber als Krisenwährungen hat beiden Edelmetallen in den vergangenen zehn Jahren einen Bullenmarkt beschert, der den Goldpreis bis Anfang September auf ein Allzeithoch von 1.921,21 $ pro Feinunze steigen ließ.

Bilder des iranischen Staatsfernsehens zeigten aufgebrachte Iraner, die vor den Staatsbanken campierten und darauf warteten, ihre Ersparnisse abzuheben. Der abstürzende Außenwert des Rial hatte zuletzt zu einer wachsenden Spanne zwischen dem offiziellen Wechselkurs und den angebotenen Marktkursen geführt. Die am 20. Dezember eingeführten Restriktionen für Goldkäufe haben zu einem Run auf andere liquide Vermögensklassen wie den US-Dollar geführt.

Unterdessen stieg die Inflationsrate rasant, die bis Ende November auf 19,8 Prozent kletterte. Laut Berechnungen der Regierung wird die heimische Inflationsrate im März des nächsten Jahres ihren Höhepunkt bei 21,6 Prozent erreichen. Diese Berechnungen gelten jedoch nur für den Fall, dass es nicht zu einem wirtschaftlichen Einbruch kommt. Doch alle Anzeichen sprechen derzeit für eine solche Negativ-Entwicklung. Neben Rohöl verfügt der Iran über keine nennenswerten Exportzweige.

Aufgrund fehlender Raffineriekapazitäten ist das Land - obwohl es einer der größten Erdölexporteure der Welt ist - auf Benzinlieferungen aus dem Ausland angewiesen. Eine Verschärfung der internationalen Sanktionen dürfte sich fatal auf die Wirtschaft Irans auswirken. Restriktionen an den lokalen Goldmärkten werden die Iraner nicht daran hindern, ihr Vermögen in Gold umzuschichten. Stattdessen werden diese zu explodierenden Goldpreisen an den Schwarzmärkten führen.


© Roman Baudzus
www.GoldMoney.com/de



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