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(K)ein Silberstreif für Gold und Silber am Horizont?

26.12.2013  |  Silberjunge
Bei über 32 US$ am 6. September 2012 schrieb Wieland Staud in der FAZ, "mit dem Bruch des langfristigen Abwärtstrends seit dem Hoch im Sommer 2011 bei 49 US$ und den schon früher zu beobachtenden deutlichen Aufbruchsignalen steht einem weiteren Anstieg auf 35 bis 37 US$ wenig entgegen." Und er fügte hinzu, das selbst Kurse über 40 US$ jetzt wieder in Reichweite kommen. Der Rückgang auf 18,23 US$ in diesem Jahr stand sicher nicht in meinem Drehbuch für 2013, auch wenn ich vor der Streckfolter warnte, Belastungen für Silber aufgrund der schwachbrüstigen Weltwirtschaft im 1. Halbjahr 2013 sah und zu Geduld mahnte. Aber im September 2012, als Staud dies bei über 32 US$ schrieb, warnte ich vor Euphorie!

Ich führe dies deshalb aus, weil Wieland Staud in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 13. Dezember unter der Überschrift "Der Silberpreis wird weiter fallen" unter anderem ausführte: "Preise um 14,50 US$ und damit weitere Preisabschläge von 25 Prozent könnten locker auf der Tagesordnung stehen." Viele Analysten hängen ihr Fähnchen in den Wind, was Investoren nicht immer hilft. Manchmal wünsche ich mir, dass wir in den kommenden Wochen nochmals einen ultimativen Rückschlag sehen, damit endlich die Kapitulationsphase abgeschlossen und der Weg frei ist. Keine Frage: Den ganzen November über stellte ich in meinen Publikationen für meine Abonnenten fest, dass der Marktpessimismus weit unter dem zur Jahresmitte 2013 liegt und nicht als großes antizyklisches Kaufsignal taugt.

Auf der Basis von nordamerikanischen Analysten und Beratern für Silber oder unter Bezugnahme auf das Put/Call-Ratio der Optionen auf den Silber-Future an der US-Warenterminbörse musste ich diese Feststellungen treffen, auch wenn ich mir etwas anderes wünschte. Der Preisverfall des Silbers von 25 US$ Ende August 2013 auf unter 22 US$ zum Zeitpunkt der Edelmetallmesse in München ließ den Marktpessimismus nicht merklich ansteigen, was belastend war und ist. Auch die Minenproduktion erreichte im August 2013 ein Rekordhoch trotz der niedrigen Preisniveaus und verharrte im September und Oktober leicht unter diesem Höchstwert. Beides ließ mich in einem Interview die kurzfristige Skepsis des geschätzten Kollegen Jochen Stanzl teilen. Natürlich unterscheiden wir beide uns in einer Reihe von Fragen und Einschätzungen, aber das ist doch auch gut so.

Wir leben alle vom Austausch unterschiedlicher Standpunkte. An dieser Stelle will ich insbesondere in der Weihnachtszeit sagen, dass ich mir von einigen Gold- und Silberbugs mehr Toleranz gegenüber Andersdenkenden wünsche. Mich entsetzt, mit welchen Schmähungen selbst Gleichgesinnte und erst recht Andersdenken in Foren etc. belegt werden. Denken wir bitte an den Ausspruch von Immanuel Kant: "Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo die Freiheit des Anderen beginnt." Freiheit ist doch immer die Freiheit des anders Denkenden. Wir Gold- und Silberfans sind derzeit eine Minderheit in der Gesellschaft. Insbesondere wir sind auf die Toleranz dieser Mehrheit angewiesen und sollten daher auch stets Toleranz vorleben.

Einige Experten und Finanzberater haben auf der diesjährigen Edelmetallmesse in München versucht, den Vorwurf einer Manipulation des Silbermarktes ins Reich der Fabel zu verbannen. Ich selbst habe während meines Vortrags am 9. November die Vorgänge vom 20. Mai thematisiert, als der Silberpreis zwischen 0 Uhr und 0.15 Uhr von 22,7 auf 20,25 US$ fiel. Wer verkauft, wenn der Markt völlig illiquide ist, hat sicher nicht die Maximierung seines Verkaufserfolgs im Sinn. Wenn diese selbsternannten Experten durch das Infragestellen einer Manipulation Seriosität vermitteln wollen, so disqualifizieren sie sich damit in Wirklichkeit als ehrliche Wegbegleiter. So wie Vermögensverwalter Ihnen einzureden versuchen, dass Aktien am besten Schutz gegen die Geldschwemme und ihre Folgen namens Inflation bieten. Auch diese Leute wollen am besten aktiv gemanagte Aktienportfolios vertreiben, um eine hohe jährliche Management Fee (Verwaltungsprovision) zu rechtfertigen.

In meiner Sonderstudie vom 26. Februar 2011 sagte ich: "Sollten wir beispielsweise auf 50 Dollar in diesem Jahr vorstoßen, wäre auch ein Rückfall unter 30 oder sogar 25 Dollar vorstellbar (Seite 27)." Damals erhöhte man die notwendige Sicherheit für eine Kauf- oder Verkaufposition im Silber-Future bekanntlich nur einmal winzig, nämlich am 25. März 2011 von 11.138 auf 11.745 US$, um dann zwischen dem 25. April 2011 und dem 12. Mai 2011 sie 5mal auf schlussendlich 21.600 US$ anzuheben. Damit gab man dem Markt den Todesstoß. Man wog die Spekulanten zunächst in trügerischer Sicherheit vor Marginerhöhungen und lieferte sie damit ans offene Messer. Ist dies eine Verschwörungstheorie meinerseits so wie die Schilderung der Umstände vom 20. Mai 2013? Übrigens warnte ich wenige Tage vor der Marginerhöhung im April 2011 rechtzeitig, was man heute noch unter FAZ.net nachlesen kann. Silber bietet nicht nur Angriffsfläche, weil der Markt so klein ist (Wert der Jahresnachfrage 2012 nur 22 Mrd. US$ gegenüber 3.200 Mrd. US$ beim Rohöl), sondern auch aufgrund seiner Rolle als Wertaufbewahrungsmittel und Investitionsgut.

Silber ist wie Gold eben dauerhaft haltbar und damit lagerfähig, anders als z. B. Agrarrohstoffe. Diese Gold- und Silberlager der Investoren wollen die Manipulatoren! Mit Kurseinbrüchen kann man viele Investoren verängstigen und so nährt der gezielt ausgelöste Preisverfall die nächste Abschwungwelle. Vorhersagen können sie dies genauso wenig wie ich den Diebstahl meines Autos oder den Einbruch in meine Wohnung. Leider kehren viele Investoren Gold und Silber in diesem Jahr enttäuscht den Rücken. Sie verlieren den Glauben! Dies begrenzt zunächst mögliche Kursgewinne. Zum Schluss meines Vortrags in München bat ich, nicht im eigenen Saft zu schmoren, sondern hinauszugehen mit dem Wissen über unsere Papiergeldblase sowie die Manipulation des Gold- und Silbermarktes. Denken Sie dabei an den Spruch meiner Oma: "Wer sich wehrt, wird geehrt und wer sich duckt, wird angespuckt."

Adam Smith sagte einmal: "Das Problem mit Papiergeld ist, dass es die Minderheit, die mit Geld umgehen kann, belohnt und die Generation, die gearbeitet und gespart hat, zum Narren hält." Ich hoffe, dass die Leserinnen und Leser dieser Zeilen nicht nur mit Silber schnell Geld verdienen wollen, sondern auch die Bedeutung von Silber und Gold als ehrlichem Geld gegenüber Papiergeld erkennen. Es begann mit kriminellen Machenschaften der Banken am US-Hypothekenmarkt, dann folgte der Libor-Skandal, der US-Energiemarkt, jüngst der Devisenmarkt. Aber die "Banken-Saubermänner" sollen bei Gold und Silber wahre Edelmänner sein. Für mich eine groteske Vorstellung! Sprechen wir gemeinsam darüber!

Langfristig können wir Gold- und Silberinvestoren doch angesichts der Papiergeldblase und der durch die niedrigen Notenbankzinsen bestehenden Vermögensblasen beruhigt schlafen. Glauben Sie das nicht? In meinen Publikationen zeigte ich in den letzten Wochen, wie ungesund die Entwicklung am US-Aktienmarkt ist. Wer sich die historischen Verläufe der Gewinnschätzungen für große US-Aktienunternehmen (Silberbulletin vom 16. November 2013), die Marktkapitalisierung der US-Aktien im Verhältnis zur US-Wirtschaftskraft über viele Jahrzehnte, die Gewinnentwicklungen und vieles mehr anschaut, der erkennt das Ausmaß der Fehlentwicklungen.

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Quelle: Bloomberg, Fed (Daten bis 30.09.2013, Fortschreibung auf der Grundlage des Wilshire 5000 bis 23. Dezember 2013)





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